Heimmacht: Die Mannschaft von Hertha BSC feierte zuletzt häufig im Berliner Olympiastadion (Quelle: imago/Tilo Wiedensohler)
Audio: Inforadio | 19.05.2017 | Lars Becker

Umbau wäre laut neuer Studie möglich - Hertha könnte nun doch im Olympiastadion bleiben

Überraschende Wende in der Debatte um eine neue Fußballarena für Hertha BSC: Statt eines Neubaus kommt nun doch wieder der Umbau des Berliner Olympiastadions ins Spiel. Eine Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass dies möglich wäre. Sehr zur Freude der Stadt.

Es ist gerade einmal 50 Tage her, da präsentierte Hertha BSC in einem aufwändigen Image-Film, wie sich der Verein seine neue Fußball-Arena vorstellt: Steil, nah, laut. Einen Standort präferierte der Verein damals: direkt neben dem Olympiastadion im Olympiapark - zwischen Hockeystadion und Hanns-Braun-Straße. Doch nun sieht es so aus, als ob die Lösung der seit Jahren offenen Stadionfrage noch näher liegt.

Eine neue Studie des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) habe ergeben, dass ein Umbau des Olympiastadions tatsächlich möglich ist, hieß es am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung des Vereins und des Berliner Senats. "Wir waren ursprünglich davon ausgegangen, dass ein Umbau des Olympiastadions nicht in Betracht kommt. Unsere Studie hat nun für uns überraschend eine grundsätzliche Machbarkeit bestätigt", wird Hertha-Präsident Werner Gegenbauer zitiert.

Berliner Senat setzt sich für Verbleib ein

Damit gebe es "nunmehr eine dritte sehr ernstzunehmende Alternative", erklärte Gegenbauer. Als Alternative hatte der Verein Ende März noch ein Gelände im "Brandenburg Park", südlich von Berlin bei Ludwigsfelde vorgestellt. Inwiefern der Umbau des Olympiastadions umgesetzt werden kann, solle mit dem Senat nun geprüft werden. Der hatte bereits nach der Präsentation für einen Verbleib im Olympiastadion geworben und sich gegen ein reines Fußballstadion gewehrt. "Ein Stadionneubau darf nicht zum Millionengrab für das Olympiastadion werden", sagte etwa Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD).

Als Eigentümer des Olympiaparks hat das Land Berlin die Sorge, dass das Olympiastadion, das für die Heim-WM 2006 für rund 250 Millionen Euro umfassend saniert worden war, ohne seinen Hauptmieter zu einer enormen Kostenfalle werden könnte. Das Olympiastadion solle ein wirtschaftlich und sportlich lebendiger Ort bleiben. "Deshalb hat dessen langfristige Nutzung für uns die höchste Priorität. Vorstellbar ist für mich auch ein entsprechender Umbau", hieß es damals in einer Erklärung des Innen- und Sportsenators.

Berlins Regierender zeigt sich erfreut

Entsprechend erfreut über den neuen Plan zeigte sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD): "Hertha bleibt im Jahr seines 125-jährigen Bestehens in Berlin, und das Olympiastadion ist weiterhin Symbol des Fußballs in Berlin." Jetzt gehe es darum, "die Möglichkeiten Berlins und die Ansprüche von Hertha in Einklang zu bringen".

Innensenator Geisel ergänzte: "Das Olympiastadion kann zum Fußballstadion entwickelt werden. Das ist eine gute Nachricht für die Sportstadt Berlin und für alle Hertha-Fans. Ich freue mich, dass wir nun gemeinsam mit Hertha BSC diesen Weg gehen können. Auch wenn noch eine Menge Detailarbeit vor uns liegt, bin ich sehr optimistisch, gute Lösungen zu finden."

Vorteile auch für Hertha BSC

Mit dem Verbleib im Olympiastadion würden auch die Neubaukosten entfallen, denn ein neues Stadion wollte der Verein "zu 100 Prozent privat" finanzieren - wobei weder Präsident Gegenbauer noch Finanzvorstand Ingo Schiller die mutmaßlichen Kosten konkret beziffern konnten. Die Planer rechneten zudem mit einer reinen Bauzeit von 36 Monaten.

Der Wunsch nach einer neuen Fußball-Arena war entstanden, weil das Berliner Olympiastadion in seiner Infrastruktur nicht mehr zeitgemäß und bei vielen Heimspielen nur zu zwei Dritteln ausgelastet ist. Das ist weit unter der durchschnittlichen Auslastung von Bundesligaspielen, die bei 92 Prozent liegt. Das Olympiastadion sei auf Dauer nicht mehr geeignet und zukunftsfähig, begründete Gegenbauer.

Inwiefern der Umbau auch mit dem Plan korrespondiert, die Kapazität auf etwa 55.000 Plätze zu drosseln, blieb am Freitag zunächst genauso offen wie die Finanzierung und die Verteilung der entstehenden Kosten. Hertha hat aber auch noch ein wenig Zeit: Den Mietvertrag für das Olympiastadion hatte der Verein im vergangenen Jahr bis 2025 verlängert. Erst zum Ende dieser Laufzeit soll das neue Stadion fertig sein. Oder eben das alte in neuem Glanz erstrahlen.

Das Berliner Olympiastadion (Quelle: imago/Sebastian Wells)

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    So "absolut" ist ihr Interesse am Denkmalschutz offenbar nicht. Ihre Formulierung klingt außerdem wie "Ich habe ja nichts gegen ..., ABER ..."


  2. 5.

    Und wer soll den neuerlichen Umbau bezahlen? Hoffe nicht die Steuerzahler allgemein.

  3. 4.

    Der Denkmalschutz im Innenraum ist insofern schon hinfällig weil innen so gut wie nichts mehr Originalbestand hat. Auch ich bin absoluter Verfechter des Denkmalschutzes, aber das Stadion wäre ein Schatten seiner Selbst und zu 98% des Jahres leer wenn Hertha draußen wäre und das kann niemand wollen.

  4. 3.

    endlich kehrt vernunft ein, hertha gehört ins olympiastadion... wie reis in ein risotto...
    den plan das stadion umzubauen, ich denke an die lösung mit den ausfahbaren tribünen bei abgesenkter spielfläche,
    gab es schon vor dem umbau zur wm 2006... was hätte das an kosten gespart, wenn man sich gleich für die seinerzeit teuerste lösung entschieden hätte...
    wenn sich berlin und hertha für diese lösung entscheiden wäre es ein vorzeigestadion auf höchstem niveau... auch wenn man bei den meisten soielen den oberring sperren wird um die zuschauer dichter am speil zu sammeln...
    es wird toll... da bin ich ganz sicher

  5. 2.

    Was interessieren schon historische Bedeutung und Denkmalwert (auch als Zeugnis eines Ungeistes), Architektur, Ästhetik überhaupt, Multifunktionalität, Unverwechselbarkeit des Ortes - wenn der Investor (in diesem Falle die Fußballfirma Hertha BSC) erst einmal seine Wünsche geäußert hat, ist in der Regel alles zu spät: Man kann ihm noch ein paar faule Kompromisse(die ihm nicht wehtun) abhandeln, dann nickt die Politik das von ihm Gewünschte ab. Gerade in Berlin gibt es dafür ja zahlreiche Beispiele.

    Was zählt, ist einzig Geld, Geld, Geld.

  6. 1.

    Es bleibt nicht nur ein Wermutstropfen, sondern eine ungeheure Nutzungseinschränkung, wenn die Pläne so umgesetzt werden, wie ich es befürchte: Aus einem Stadion, das verschiedene Funktionen berücksichtigt und für verschiedene Sportarten da ist, wird sportlich ein monolithisches Fußball-Stadion.

    Das mag eine Angleichung an andere Fußballstadien sein, die längst keine Sportstätten, sondern nur reine Fußball-Stätten sind, dem Olympia-Geist wird es nicht gerecht, der ja das ganze Spektrum an Sportarten repräsentiert. Ich denke schlicht und einfach, dass auch eine gewiss technisch anspruchsvolle Zweisystem-Nutzung denkbar wäre: Als reines Fußballstadion zu eben diesen Spielen und zu einer wirklichen Sportstätte über Fußball hinaus im Rest der Zeit. Das ist technisch hochkompliziert, doch nicht unumöglich. Auf jeden Fall kostengünstiger, als ein neues Stadion zu bauen oder das Olympia-Stadion zu einem Fußball-Stadion zu verhunzen.

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