Ein typisches Bild: Der ausgewechselte Felix Kroos klatscht mit Trainer Jens Keller ab (Quelle: imago/O. Behrendt)

Strategiepapier der Fußball-Regelhüter - Felix Kroos hofft auf Revolution des Regelwerks

Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten. Sepp Herbergers Fußballweisheiten galten bislang als unumstößlich. Doch nach einem Strategiepapier der internationalen Regelhüter könnte zumindest eines dieser Grundgesetze wanken. Zur Freude von Felix Kroos.

Dauert ein Fußballspiel in Zukunft nur noch 60 statt 90 Minuten? Darf ein Spieler sich Ecken und Freistöße bald selbst vorlegen? Und muss eine Mannschaft bald auch einen Punktabzug befürchten, wenn sie sich zu heftig beim Schiedsrichter beklagt? Mit einer Ideensammlung unter dem Titel "Play Fair!" haben die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) am Rande des Confed Cups für einige Diskussionen gesorgt.

Kroos: "Dann schaff ich es bestimmt auch öfter mal durchzuspielen."

Seitdem das Papier am Wochenende verbeitet wurde, sorgt es für hitzige Diskussion: Wird der Fußball und sein archaisches, simples Regelwerk revolutioniert?

Am Montag meldete sich nun Union Berlins Kapitän der abgelaufenen Saison, Felix Kroos, zu Wort: Sicherlich süffisant merkte er vor allem auf die Spielzeitverkürzung an: "Bin dafür ! Dann schaff ich es bestimmt auch öfter mal durchzuspielen."

Kroos lief in der abgelaufenen Saison 29 Mal in der zweiten Bundesliga für die Eisernen auf und wurde dabei 18 Mal ausgewechselt, so oft wie kein anderer Unioner. Und nicht immer gefiel das dem Kapitän.

Doch zum einen ist unklar, ob es wirklich zu der von einigen befürchteten Regel-Revolution kommt. Zum anderen würde die Spielzeit sich letztlich nicht groß ändern. Denn laut Strategiepapier soll aus brutto netto werden. Die Spielzeit würde dann bei jeder Unterbrechung angehalten. Zahlreiche Studien haben belegt, dass die bisherige Netto-Spielzeit im Profi-Fußball sogar weniger als 60 Minuten beträgt.

Revolution wird so schnell nicht kommen

Auch sonst ist sicher: Die bereits von manchen herbeigeredete Revolution des Spiels wird es in absehbarer Zeit trotz aller Aufregung nicht geben. Vielmehr werden einige harmlose Inhalte des Strategiepapiers bereits bei dem am Wochenende in Russland begonnenen Turnier der Kontinentalmeister umgesetzt. Dazu gehören die längeren Nachspielzeiten, die die FIFA bereits vorab für den Confed Cup angekündigt hatte.

Neben der Umstellung auf eine effektive Spielzeit von nur noch 30 Minuten, bei der der Schiedsrichter wie beim Eishockey bei Spielunterbrechungen die Zeit anhält, hat das IFAB weitere revolutionär anmutende Vorschläge:

- Eine Rote Karte für jeden Spieler, der ein Tor vorsätzlich mit der Hand erzielt.

- Ein noch härteres, radikales Durchgreifen, falls der Schiedsrichter von den Spielern "gemobbt" - sprich hart bedrängt - wird, wie es in dem Papier heißt. Das könnte dazu führen, dass in strittigen Situationen künftig nur noch der Kapitän einer Mannschaft mit dem Schiedsrichter reden darf. Besonders schwere Fälle des "Mobbings" sollen sogar mit Punktabzügen oder Geldstrafen geahndet werden dürfen.

Nach eigenen Angaben möchte das IFAB mit seinen Anregungen vor allem zwei Dinge bewirken: Dass es auf dem Rasen fairer und respektvoller zugeht sowie, dass die Nettozeit eines Spiels deutlich erhöht wird.

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    das geht alles in die richtige Richtung.
    Ich würde als entscheidende Verbesserung die Zeitstrafe analog wie im Handball einführen (5 Min. z.B.)

  2. 4.

    Nettospielzeit, Selfepass bei Freistößen und Ecken, sofortige Sanktionen bei Meckern oder fehlendem Abstand, Interchanging (Spieler können aus- und dann auch wieder eingewechselt werden), Zeitstrafen: Wer mal sehen will, wie schnell ein Ballspiel 11 gegen 11 auf dem großen Feld sein kann, sollte sich mal ein Feldhockeyspiel anschauen, da gibt es das alles schon!

  3. 3.

    Letztlich nur der Versuch den Fußball für diejenigen, die bisher nur wenig Interesse hatten, zu begeistern um ihnen dann die Kohle aus der Tasche zu ziehen...nicht grundlos wird getestet wie eine Halbzeitshow mit H. Fischer beim Fan ankommt gepaart damit, dass es dann demnächst zum lustigen Familienausflug kommt um mal H. Fischer zu sehen...teilweise sind ja ein paar nützliche Veränderungen dabei..der Schiri bedarf heutzutage leider einen größeren Schutz als früher..aber wenn z B. ständig die Zeit gestoppt wird geht für mich der eigentliche Charakter des FBs verloren..wäre Wembley in die Geschichtsbücher eingegangen wenn der Videoschiri korrigierend eingegriffen hätte...Fußball war wird und ist nunmal nicht immer fair ( durch Fehlentscheidungen ) aber ein Stück weit macht das FB für mich aus...Natürlich ist es für einen Verein blöd zu verlieren wegen einer Fehlentscheidung aber die Argumentation des finanziellen Nachteils greift hier für mich nicht...nicht der einfache Fan hat diese Unsummen und eine Verkommerialisierung des Fussballs gefordert sondern Chefs von Vereinen für die die Finanzen im Vordergrund stehen...und wer bezahlt letztlich. ..der eigentliche Fan..Halbzeitshows und die vermeintl. Steigerung der Attraktivität durch die meist mehr als bescheidenen Vorschläge der IFAB haben wenig mit dem eigentl. Sport zu tun...Zurück zu klassischen Bolzplätzen 22 Mann , ein Schiri, Ball, Coach und Fan...und bitte ohne H. Fischer...oder jemand anders..Sonst gäbe es bestimmt schon singende Bälle...

  4. 2.

    …das sehe ich auch so! In anderen Sportarten (Handball, Eishockey etc.) klappt das ja auch. Durch das Anhalten der Zeit würde man also mehr Fußball und wegen der angekündigten Sanktionen hoffentlich auch weniger Schauspiel auf dem Platz sehen. Und das wollen wir doch alle, oder? Eventuell würden sich auch einige Profis wundern, wie lange so ein Spiel dann dauern würde…

  5. 1.

    Ich fände es gar nicht mal so schlecht, wenn diese ständige Rudelbildung aufhören würde und nur noch der Kapitän mit dem Schiedsrichter sprechen dürfte. Dann würde dieses ewige Lamentieren endlich aufhören.
    Würde die Uhr bei jeder Unterbrechung automatisch angehalten werden - also das Zeitmanagement aus den Händen des Schiedsrichters genommen - könnte sich auch niemand mehr über zu lange Nachspielzeiten beschweren. Das wäre objektiv und fair. Warum also nicht?

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