200-m-Rücken bei den DM in Berlin (Quelle: imago/Hundt/Koch)
Audio: Inforadio | 19.06.2017 | Lars Becker

Deutschlands Schwimmer zwischen DM und WM - Das Fernziel heißt Tokio

Bei den Deutschen Meisterschaften der Schwimmer in Berlin gab es einige Highlights, doch mehr als 15 Athleten werden wohl nicht zur WM nach Budapest reisen. Die Planungen von Bundestrainer Henning Lambertz richten sich bereits auf Olympia 2020. Von Lars Becker

Der Kader des Deutschen Schwimm-Verbandes für die Weltmeisterschaft in Budapest fällt klein aus, noch kleiner als der Bundestrainer Henning Lambertz erwartet hatte: "Die Zahl von 15 bis 20 Athleten wird sich nicht halten lassen. Ich tippe eher auf 10 bis 15", prognostiziert Lambertz.

Sieben Schwimmer haben die Normzeiten für einen Einzelstart in Budapest erfüllt. Ganze drei blieben dabei unter der verschärften, harten Norm.  Vier weitere Athleten schafften die deutlich weichere U-23-Norm. Gerade letzteres ist schlicht enttäuschend, "weil diese Normen aus meiner Sicht auch durchaus für viele jugendliche Nachwuchsschwimmer erreichbar gewesen wären. Das ist einigen schwerer gefallen als wir gedacht haben", kritisiert der Bundestrainer.

Hoffnungsträger Heintz und Hentke

Harte Norm erfüllt ist gleich Finalteilnahme und Medaillenchance in Budapest, so lautet die Rechnung von Henning Lambertz. Die Gleichung gilt vor allem für Philip Heintz, der in Berlin für die Highlights gesorgt hat. Der Heidelberger verbesserte nicht nur zweimal seinen eigenen Deutschen Rekord über 200 Meter Lagen um insgesamt 1,7 Sekunden, Heintz setzte sich gleichzeitig auch an die Spitze der Weltjahresbestenliste: "Super Meisterschaften, super Wettkämpfe", zog Heintz ein rundum positives Fazit. "Es passiert einem Sportler nicht so oft, dass alle Rennen, die man abliefert, gut sind. Deswegen bin ich super happy!"

Die derzeit Schnellste auf der Welt ist auch Franziska Hentke - über 200 Meter Schmetterling: "Ich wäre gerne noch schneller geschwommen", kommentierte die Magdeburgerin ihre starke Vorstellung erstaunlich kritisch, um anschließend aber festzustellen: "Die Welt war bis jetzt auch nicht schneller und deswegen ist die Zeit auch völlig ok. In fünf Wochen werden die Karten aber wieder neu gemischt. Daher hat das alles für die WM wirklich keine Aussagekraft".

Graf stark, Koch ohne Normerfüllung nach Budapest

Zum Abschluss sorgte Lisa Graf für ein Ausrufezeichen. Die Berlinerin schwamm über 200 Meter Rücken den insgesamt fünften Deutschen Rekord dieser Titelkämpfe: "Unbeschreiblich! Mit dieser Zeit hätte ich nie gerechnet, wirklich nie! Ich muss das selber erstmal realisieren", sagte Graf nach dem Rennen strahlend.

Heintz, Hentke und Graf: macht drei Medaillenkandidaten für Budapest - plus Marco Koch. Der Titelverteidiger über 200 Meter Brust wird ohne Normerfüllung nach Budapest fahren. Der Weltmeister besitzt nach seinen Erfolgen der letzten Jahre einen Sonderstatus. Die knapp verpasste Zeit ist auch eine Konsequenz aus den Experimenten im nacholympischen Jahr: "Ich kann noch vier Jahre so weitermachen und immer die gleichen Zeiten schwimmen. Dann bin ich vielleicht dabei, aber für mehr wird es nicht reichen", erklärte Koch seine Intentionen. "Genau deswegen muss man jetzt halt auch mal riskieren, dass man auf die Schnauze fällt, aber soweit ist alles gut. Meine Zeit ist kein Schmutz, dass ist echt schnell", betonte Koch.

Von den Staffeln konnte sich nur das Lagen-Quartett der Männer sicher für die WM qualifizieren. Ausnahmen sind im Verbandsinteresse möglich. An den umstrittenen harten Normen wird Bundestrainer Lambertz auch zukünftig festhalten: "Es ist wichtig, dass man einordnet: Was sind die tollen Leistungen im internationalen Vergleich wert? Wie weit komme ich damit? Und das ist die Intention dieser Normen", erklärt der Bundestrainer.

Vertrauen und Mut statt "Weiter so"

Auch die anderen beiden Reformbausteine  - das neue Kraftkonzept und die von oben, vom DOSB verordnete und von Lambertz unterstützte Zentralisierung - stellt der Bundestrainer grundsätzlich nicht in Frage; individuelle, an den Bedürfnissen der Sportler orientierte Lösungen inklusive. Lambertz appelliert an Trainer und Sportler: Vertrauen und Mut statt "Weiter so": "Ich stehe da komplett hinter. Und gerade was im Moment die Stützpunktberufung angeht: In dieser Strukturreform ist Bewegung, da entwickelt sich was", zeigte sich Lambertz überzeugt. Mit seinem prominentesten Kritiker, Paul Biedermann, hat der Bundestrainer am Rande der DM ein klärendes Gespräch geführt.

Ab dem kommenden Jahr wird es keinen konkreten Qualifikationszeitpunkt für das jeweilige Großereignis geben, sondern einen Qualifikationszeitraum von Januar bis April. Zudem will Lambertz ein festes Trainer- und Betreuerteam für das Nationalteam installieren. Der Bundestrainer ist von seinem Weg überzeugt. Lambertz spricht von einem "Prozess, der ein bisschen dauern, aber am Ende Erfolge mit sich bringen wird". Abgerechnet wird 2020 in Tokio. Drei Jahre vorher fährt nur eine kleine, überschaubare DSV-Reisegruppe zur WM nach Budapest.

 

 

Beitrag von Lars Becker

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1 Kommentare

  1. 1.

    Fakten:
    Die Deutschen Meisterschaften 2017 in Schwimmen fanden quasi "unter Ausschluss der Öffentlichkeit" statt. In der Halle fand man nur Angehörige der Schwimmer. Keine Werbung außerhalb der Halle, keine nennenswerte Berichte im Fernsehen, nicht mal ein Live Streaming im Internet. Für so einen großen Sportverband ist die Öffentlichkeitsarbeit nur kläglich zu nennen!
    Durch wahnwitzige Qualifikationszeitenregelungen werden ganze Sportler Jahrgänge um die Teilnahme an internationalen Wettbewerbe betrogen! Derzeit fahren wir mit DREI Frauen zur WM! (Es fahren mehr Funktionäre als Sportler zur WM!)
    Die Maßgaben des Bundestrainer Henning Lambertz nach 4 Jahren Amtszeit sind eindeutig gescheitert! Er kann keinerlei Erfolge vorweisen. Die letzten Leistungsschwimmer unter den Top ten in der Welt die wir noch haben tranieren mit Trainern mit gegensätzlicher Meinung zu den Methoden des H. Lambertz. Viele gute junge Schwimmer verlassen Deutschland Richtung USA um dort zu schwimmen...

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