HAUSDING Patrick GER Silver Medal 1m Springboard Men Final LEN European Diving Championships 2017 Center LIKO, Kiev UKR Jun 12 - 18, 2017 Day03 14-06-2017 (Quelle: Giorgio Scala/Deepbluemedia/Insidefoto/imago).

Wasserspringer bleiben ohne Goldmedaille - "Eine EM zum Abhaken"

In Kiew wollten sie an die vergangenen Erfolge anknüpfen. 12 deutsche Athleten waren in der Ukraine auf Medaillenjagd gegangen. Das Fazit fiel am Ende verhalten aus. Von Jonas Schützeberg

Ungläubig schauten Patrick Hausding und Stephan Feck am Samstag auf die Tafeln der Punkterichter. So eben waren sie im letzten Sprung des Wettkampfs vom Bronzerang noch auf den vierten Platz abgerutscht. Beim zweieinhalbfachen Vorwärtssalto mit zwei Schrauben passierte der kleine Fehler, der die Medaille kostete. Um knappe zwei Punkte rutschen die Briten im Synchron-Finale vom 3-Meter-Brett noch an den Deutschen vorbei.

Der Wettkampf steht sinnbildhaft für die ganze EM. Ein ständiges Auf und Ab, an dem am Ende nüchterne Zahlen stehen. Für Deutschland ist es die Zahl 4: Soviele Medaillen bringen sie mit nach Hause – zweimal Silber, zweimal Bronze. Ein Ergebnis mit dem man zufrieden sein kann, aber nicht muss, denn das Potential der Athleten ist deutlich größer. Aber es ist ein nacholympisches Jahr, in dem getestet wird. Und die Athleten sind in der Regel später in ihr Training eingestiegen als sonst.

Schmerzmittel, um springen zu können

Am Montag hatte alles noch so gut begonnen in der Ukraine. Die profiliertesten deutschen Springer Maria Kurjo und Patrick Hausding gingen als Medaillenanwärter in das Team-Event. Lange Zeit lagen sie auch auf Medaillen-Kurs, bis dem Berliner ein Missgeschick passierte. Und das ausgerechnet bei dem Sprung, den weltweit nur er beherrscht – dem dreieinhalbfachen Auerbachsalto gehechtet: Ein Sprung mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Extra für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hatte Hausding diesen vor etwa einem Jahr gelernt und das erfolgreich. In Brasilien gewann er die Bronzemedaille.

Doch in Kiew klappte es nicht. Probleme mit dem Knie machen ihm seit Wochen zu schaffen. Bei den Europameisterschaften nahm er Schmerzmittel, um springen zu können. Bei "seinem" Sprung kam er nicht gut vom Brett, konnte die Drehung nicht vollenden und klatschte mit dem Rücken auf die Wasseroberfläche. Die Medaille war weg, Platz 8 am Ende für Kurjo und Hausding.

Das deutsche Team bei der Wassersprung-EM in der Ukraine, rechts der bekannteste deutsche Springer Patrick Hausding aus Berlin, aufgenommen am 18.06.17 in Kiew (Quelle: rbb / Jonas Schützeberg).
Hätte besser laufen können für Patrick Hausding (rechts) - aber die Springerinnen hatten bei der EM durchaus Grund zu jubeln.

Punzel und Freyer gewinnen Silber

Die Wende kam direkt im nächsten Wettkampf. Im Finale vom 1-Meter-Brett sprang Hausding so souverän, dass er die Silbermedaille gewann. Es war seine zwölfte, neben seinen zwölf EM-Titeln. Doch gleich im Anschluss erlebte Hausding den persönlichen Tiefpunkt dieser Europameisterschaften: die Herren-Entscheidung vom 3-Meter-Brett.

In dieser Disziplin hatte Hausding im August die olympische Bronzemedaille gewonnen, deshalb war er bei der EM ein Medaillenaspirant. Doch zwei verpatzte Sprünge im Vorkampf kosteten die Qualifikation für das Finale. "Es war der schlimmste EM-Wettkampf meiner Karriere", beschrieb Hausding, was ihm soeben an der Sprunganlage passiert war.

Zwischenzeitlich hatten die deutschen Wasserspringer ihre Bilanz verbessert. Bronze gewannen das erst 16-jährige Berliner Ausnahmetalent Lou Massenberg mit seiner Partnerin Tina Punzel im Synchron-Mixed-Wettbewerb. Ebenfalls Dritte wurde die Berlinerin Louisa Stawczynski vom 1-Meter-Brett.

Im letzten Wettkampf hätten Hausding und sein Partner Stephan Feck dann fast noch eine Medaille geholt: Doch zwei winzige, fehlende Punkte verhinderten diese am Ende, es reichte nur für den vierten Platz. Am Sonntag hatte wiederum die Mannschaft in der Halle noch einmal Grund zu jubeln. Im Synchronwettbewerb der Damen konnten Tina Punzel und Friederike Freyer die Silbermedaille vom 3-Meter-Brett gewinnen.

Bei der WM im Juli soll die nächste Medaille her

Die EM ist abgehakt. Auch wenn Hausding mit Silber zufrieden ist, spürt der ehrgeizige Berliner etwas Wehmut. Zum ersten Mal überhaupt kehrt Patrick Hausding von Europameisterschaften ohne Goldmedaille zurück. Die EM zeigt auch, wie dicht die internationale Spitze zusammengerutscht ist. Jeder kleine Fehler wird sofort bestraft.

Der Fokus liegt jetzt auf den Weltmeisterschaften Mitte Juli in Budapest. Bis dahin soll das Knie wieder fit sein. Und dann könnte Patrick Hausding auf ein altes Erfolgsrezept zurückgreifen. Denn sein langjähriger Partner Sascha Klein wird mit ihm gemeinsam vom 10-Meter-Turm springen. Die Europameisterschaften hatte der Dresdner noch ausgelassen, wodurch das Duo seinen zehnten EM-Synchron-Titel in Folge verpasste. Bei den Weltmeisterschaften aber sind beide nun heiß auf eine Medaille.

Video

Eintauchphase beim Wasserspringen-Teamwettbewerb (Quelle: Imago / Holger John)

Video | Wasserspringen - Hausdings schönste Übungspatzer

Medaillen fallen nicht vom Himmel. Auch wenn der Berliner Wasserspringer Patrick Hausding bei der EM in Kiev Silber vom 1-Meter-Brett holte, läuft bei ihm auch nicht immer alles glatt. Seine schönsten Übungspatzer im Video.

Beitrag von Jonas Schützeberg

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die deutsche Nationalmannschaft geht mit großen Ambitionen in die Eurpameisterschaft. (Quelle:imago/Matthias Koch)

Blindenfußball-EM in Berlin - Ruhe bitte, hier wird Fußball gespielt

Blindenfußball ist noch nicht lange Thema in Deutschland - jetzt richtet Berlin die erste EM in dieser Sportart aus. Das Interesse ist riesig, und beim Eröffnungsspiel wird es bestimmt leiser zugehen als in normalen Fußballstadien - sonst hört man den Ball nicht. Von Uri Zahavi