Jannik Skorna (Quelle: rbb/ Stephanie Baczyk)
Audio: Inforadio | 12.07.2017 | Stephanie Baczyk

Brandenburger betreut Fußballprojekt - Nach dem Abi ab nach Ruanda

Dass Jugendliche nach dem Abitur für ein Jahr ins Ausland gehen, ist nicht ungewöhnlich. Jannik Skorna aus der Nähe von Cottbus zieht es allerdings nicht nach Australien oder in die USA – er wird ein Jahr lang im afrikanischen Ruanda leben. Für den 18-Jährigen ein echtes Abenteuer. Von Stephanie Baczyk

Der junge Mann mit den dunkelblonden kurzen Haaren strahlt über das ganze Gesicht. Sportlich-schick sieht er aus in seinem schwarzen Jackett, dem weißen Hemd und der blauen Jeans - von Nervosität keine Spur. Dabei steht Jannik Skorna aus dem brandenburgischen Drebkau-Leuthen an diesem Abend neben Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und dem Präsidentes des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Alfons Hörmann - um über das Abenteuer seines Lebens zu sprechen. Der 18-Jährige wird ein Jahr lang in Ruanda leben, im östlichen Zentralafrika.

"Jannik, dir geht’s doch hier so gut!"

"Meine Großeltern sind erst mal geschockt gewesen", erzählt Jannik. "Die meinten, mir ginge es doch so gut hier." Doch anschließend hätten sie sich überzeugen lassen, dass es für ihn gute Gründe gibt, in Ruanda zu helfen. Er schmunzelt. Mit dem Segen von Oma und Opa arbeitet es sich halt leichter - und Jannik hat vor zu arbeiten.

Der 18-Jährige will Kinder und Jugendliche unterrichten, ihnen Deutsch beibringen. "Ich möchte anschließend Sport und Englisch auf Lehramt studieren, deshalb passt das gut zu mir", sagt er. Und dann ist da noch das Fußballprojekt, bei dem er Männer, Frauen und Kinder trainieren wird. Immer nachmittags. Jannik ist fußballbegeistert, pfeift ehrenamtlich Spiele als Schiedsrichter. Und er ist Fan des Regionalligisten FC Energie Cottbus. "Das ist der wichtigste Verein. Auch, wenn es gerade etwas schlecht aussieht", bekundet er seine regionale Loyalität.

Jannik Skorna bei der Projektpräsentation (Quelle: rbb/ Stephanie Baczyk)
Jannik bei der Präsentation des Projekts

Die größte Herausforderung? Keine heiße Dusche mehr!

Über eine Million Menschen leben in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. Das Land sei in etwa so groß wie Brandenburg, erzählt Jannik. Er hat sich schlau gemacht und viel recherchiert. Auch über den grausamen Völkermord an der Bevölkerungsgruppe der Tutsi, bei dem bis zu eine Million Menschen starben. Doch das ist mittlerweile über 20 Jahre her, in den vergangenen Jahren verzeichnete der afrikanische Staat starke wirtschaftliche Fortschritte.

"Ruanda ist mittlerweile ein sehr fortschrittliches und sauberes Land", sagt Jannik. "In der Hauptstadt sind beispielsweise Plastiktüten verboten. Ich stelle mir das organisiert vor. Mit fröhlichen, interessanten und aufgeschlossenen Leuten." Berührungsängste hat der junge Mann mit dem ansteckenden Lächeln nicht. Er kennt die Erfahrungsberichte der anderen, ist neugierig.

Die größte Herausforderung sieht er für sich jedenfalls nicht in den kulturellen Unterschieden. "Ich bin passionierter Heißduscher", gesteht er und in diesem Augenblick schwingt ein Hauch von Wehmut in seiner Stimme mit. "Das werde ich mir abgewöhnen müssen. Auch die Ernährung ist so eine Sache." Ruandische Stände hat Jannik auf diversen Foodfestivals in Berlin und Brandenburg entdeckt - wer die Essgewohnheiten des  Landes googelt, liest von gebratenem, wenn auch zähem Fleisch. Von gekochtem Gemüse und gefiltertem Wasser.

Spenden sammeln in Eigenregie

Die Bundeszentrale für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übernimmt einen Großteil der Kosten für das Auslandsjahr. Den Rest bringen der Allgemeine Sport-Club Göttingen als Entsendeorganisation und Jannik selbst auf. Er sammelt Spenden. Zweitausend Euro sollen so zusammenkommen. "Familie, Freunde, verschiedene Unternehmen – habe ich alle angefragt", erzählt er. "Es gibt eine Spendenmappe mit allen Informationen. Was genau ich in Ruanda mache, wie ich dazu gekommen bin."

Wohnen wird der 18-Jährige zusammen mit drei anderen Freiwilligen, unter anderem mit seiner Projektpartnerin. Die Unterkunft ist 300 Meter vom Arbeitsplatz entfernt, kein weiter Weg. Und apropos nicht mehr weit: Mitte August geht es schon los, das Abenteuer Ruanda. "Man muss sich einfach drauf einlassen, das ist das Wichtigste", sagt Jannik und es klingt wie ein Leitspruch. "Einfach offen sein für Neues, dann wird das schon."

Beitrag von Stephanie Baczyk

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Vladimir Darida, Fußball-Profi in Diensten von Hertha BSC (Quelle: imago/Popow)

Neuer Vertrag bis 2021 - Hertha verlängert mit Darida

Früher hat Hertha wichtige Spieler oft ziehen lassen, doch inzwischen setzt der Fußball-Bundesligist auf Kontinuität. Nun haben die Berliner auch den Vertrag mit Mittelfeldspieler Vladimir Darida verlängert. Beim Training am Donnerstag fehlte der Tscheche allerdings.