Krassimir Balakov (Stuttgart, li.) gegen Jens Uwe Zöphel (Cottbus) ( DFB Pokal 1996/1997) (Quelle: imago/Camera 4)
Video: rbb AKTUELL | 11.08.2017

Energie Cottbus und VfB Stuttgart im Pokalspiel - Cottbus hat Sehnsucht nach dem Profifußball

In Cottbus ist eine neue Fußball-Euphorie ausgebrochen. Nach dem Sturmlauf durch die Regionalliga freut sich Energie auf das Gastspiel von Erstligist VfB Stuttgart am Sonntag – das weckt auch Erinnerungen an eine glanzvolle Vergangenheit. Von Andreas Friebel

Viel erinnert in diesen Tagen in Cottbus an das Jahr 1996. Damals machte sich der FC Energie auf, ein Fußballmärchen zu schreiben. Der Regionalligist (damals noch dritte Liga) startete furios in die Saison. Drei Spiele - mit drei Siegen – und ein Torverhältnis von 14:2. Am Ende dieser Spielzeit stiegen die Lausitzer unter Erfolgstrainer Eduard Geyer in die 2. Liga auf und standen im Pokalfinale von Berlin. Der Gegner damals: der VfB Stuttgart. Das Finale ging zwar mit 0:2 verloren, aber Cottbus hatte sich mit den Einnahmen wirtschaftlich saniert und legte so den Grundstein für den Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 2000.

Fussball DFB Pokal 1996/1997 Finale in Berlin (Quelle: imago/Pressefoto Rudel/Herbert Rudel)
DFB Pokal 1996/1997 Finale in Berlin

Erinnerung an die Saison vor 22 Jahren

Doch genauso steil, wie es für Energie sportlich voran ging, folgte der Absturz. Und so spielt Cottbus im August 2017 wieder in der Regionalliga und ist wirtschaftlich angeschlagen. Etwa sieben Millionen Euro an Verbindlichkeiten hat der FC Energie. Und wie vor 22 Jahren, als das Fußballmärchen seinen Anfang nahm, sind die Lausitzer furios in die Saison gestartet. Drei Spiele – mit drei Siegen – und ein Torverhältnis von 12:1. "Ich glaube nicht, dass ein Regionalligist heute die Chance hätte bis in das Pokalfinale zu kommen. Der Wettbewerb hat eine viel höhere Bedeutung, als noch vor 20 Jahren. Was wir aber schaffen können, ist mit einem guten Spiel die Euphorie weiter anzuheizen", so Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Energie der Außenseiter, aber befreiter

In der verrückten Pokalsaison 1996/97 trafen die Lausitzer in der ersten Pokalrunde auch auf Stuttgart, allerdings auf die Kickers. Die waren damals Zweitligist und doch etwas leichter zu bespielen als aktuell Bundesligist VfB. "Stuttgart ist uns sportlich in allen Belangen überlegen. Deshalb wird es wichtig sein, dass wir in den ersten Minuten kein Gegentor bekommen. Klar wird Stuttgart viel schneller spielen, als wir es gewohnt sind. Aber so ein Spiel ist lang, und wir können uns auch ein Stück weit anpassen. Wir müssen aber ruhig bleiben", so Wollitz.

Trotz dieser krassen Außenseiterrolle hofft nicht nur Streli Mamba, auf eine Überraschung. Der 23-Jährige Stürmer spielte bis zur U17 im Nachwuchs des VfB. "Ich freue mich riesig, dass ich gegen meinen ehemaligen Verein spielen darf", so der Angreifer, der nach drei Spieltagen bereits vier Tore erzielt hat. "Wir können Sonntag völlig befreit aufspielen. Sie sind der Favorit. Sie sind unter Druck. Und es ist ja oft so, dass dem Team mit dem größeren Druck, nicht so viel gelingt."

Cheftrainer Claus-Dieter (Pele) Wollitz von Energie Cottbus (Quelle: imago/Steffen Beyer)
Cheftrainer Claus-Dieter "Pele" Wollitz

Stadion voraussichtlich ausverkauft

Bis zum Freitag waren gut 16.000 Tickets für das Pokalspiel verkauft. Knapp 19.000 Zuschauer werden erwartet. Das Stadion der Freundschaft dürfte damit endlich mal wieder ausverkauft sein. Zuletzt gelang das im April 2014, bei einem 0:0 gegen Dynamo Dresden, dem kurze Zeit später der Abstieg aus der zweiten Liga folgte. "Ich spüre jeden Tag die Sehnsucht der Menschen, wieder in den Profifußball zurückzukehren. Cottbus hat in diesem Stadion schon Bayern München geschlagen oder Hoffenheim im DFB-Pokal. Alle wollen wieder zurück in den Profifußball. Und auch die Mannschaft wird alles geben, damit sie im nächsten Sommer zumindest wieder in der dritten Liga spielt", sagt der Cottbuser Trainer.

Und weil man in Cottbus fest daran glaubt, dass es nach Jahren der Tristesse und Abstiege endlich wieder besser wird, spielen sie beim FC Energie seit Saisonanfang sogar in dem Trikot-Design, in denen das Lausitzer Fußballmärchen seinen Anfang nahm. Es ist eine weitere Parallele zum Jahr 1996.

Beitrag von Andreas Friebel

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