
Ehrgeizige Pläne - Union will erstklassigen Fußball bieten
Eiserner waren die Unioner noch nie: Seit 2008 haben sie mit vereinten Kräften das neue Stadion aufgebaut, das heute schon bundesligatauglich wäre. Und da sich der FC auch personell verstärkt hat, ist die Vision vom Aufstieg konkreter denn je.
Nach einer gelungenen Saisonvorbereitung, der Verpflichtung von fünf neuen Spielern und der Einweihung der neuen Haupttribüne kann der 1. FC Union auf eine erfolgreiche Spielzeit hoffen, an deren Ende möglicherweise mehr herausspringt als die beiden siebten Plätze, die die "Eisernen" zuletzt belegt hatten.

Fünf Siege in sechs Testspielen
Die Generalprobe für den Zweitliga-Auftakt ist jedenfalls gelungen. Gegen den schottischen Rekordmeister Celtic Glasgow gab es am 12. Juli einen verdienten 3:0-Sieg - womit die Unioner in sechs Testspielen fünfmal erfolgreich waren. Dabei präsentierte sich die Mannschaft gegen die Schotten beeindruckend stark - mit einer stabilen Defensive, flüssigen Kombinationen und einem schnellem Umschalten zwischen Abwehr- und Angriffsspiel.
Allerdings kommentierte Unions Trainer Uwe Neuhaus den Sieg gegen den Champions-League-Qualifikanten in gewohnt zurückhaltender Manier: "Ich weiß gar nicht, ob mir das so 100-prozentig passt, weil dafür gibt's keine Punkte. Das Selbstvertrauen, das können wir natürlich mit in die nächste Woche nehmen, ohne überheblich zu werden", sagte Neuhaus dem rbb - wohl wissend, dass ihm in dieser Saison ein Kader zur Verfügung steht, der wohl noch nie so gut besetzt war.
Neues Stadion und neue Spieler wecken Hoffnungen auf den Aufstieg
Neue Spieler verstärken den Kader
Mit dem bundesligaerfahrenen, aus Hannover gekommenen Innenverteidiger Mario Eggimann erhält die Union-Defensive mehr Stabilität und einen zusätzlichen Führungsspieler. Dass der routinierte Schweizer sofort in den Mannschaftsrat gewählt wurde, zeigt, dass Eggimann schon jetzt das Vertrauen seiner Mitspieler genießt.
Auch der Kroate Damir Kreilach, für kleines Geld aus Rijeka geholt, ist auf der zentralen defensiven Mittelfeldposition gesetzt. Technisch beschlagen und bereits erstaunlich abgeklärt, überzeugt der 24-Jährige als Abräumer vor der Abwehr und mit klugem Spielaufbau.
Auch Mittelfeld-Allrounder Martin Dausch, der Ex-Herthaner Benjamin Köhler und Stürmer Sören Brandy verfügen über mindestens sehr gutes Zweitliga-Niveau.
Neuhaus hält nichts von Stammplatz-Garantien
Durch die Neuverpflichtungen sind inzwischen nicht nur alle Positionen doppelt, sondern auch nahezu gleichwertig besetzt. Das lässt einen intensiven Wettbewerb um die Plätze in der Startelf erwarten. Im Zweitliga-Alltag erscheint eine feste Stammformation vor diesem Hintergrund eher unwahrscheinlich.
"In meinem Kopf gibt es diese Formation 'Bestbesetzung' nicht", sagt Neuhaus und fügt an: "'Bestbesetzung nach Form' - das könnte man vielleicht gelten lassen". Dabei wird er weiterhin auf ein klassisches 4-4-2-System setzen - mit einer Raute im Mittelfeld und zwei Stürmern, mit viel Bewegung, Tempo und Flexibilität.

"Vom Reden hat noch keiner Punkte geholt!"
Neben Daniel Haas im Tor wird man am ehesten von Torsten Mattuschka erwarten dürfen, dass er regelmäßig in der Startelf steht - vorausgesetzt, dass es keine größeren Verletzungen gibt.
In seinem Amt als Spielführer gerade bestätigt, ist "Tusche" nicht nur der Liebling der Fans, sondern auch der verlängerte Arm seines Trainers, der auf dem Platz umsetzen soll, was Neuhaus sich vorstellt. Und wie sein Trainer weiß auch Mattuschka: "Breiter und besser besetzt sind wir definitiv, und trotzdem wissen wir, dass vom Reden noch keiner irgendwelche Punkte geholt hat."
Damit bringt der 32-Jährige die Philosophie der "Eisernen" auf den Punkt. In der kommenden Saison, so "Tusche" weiter, müsse man "hart arbeiten" und noch ein bißchen mehr in die Waagschale werfen als in der vergangenen Saison.

"Wenn jeder macht, was er kann, hat man auch Erfolg!"
Nach Platz sieben wäre der nächste Schritt nun also eine Orientierung in Richtung Tabellenspitze. Vom Aufstieg mag in der Wuhlheide zwar noch niemand reden, aber bei aller Zurückhaltung haben die "Eisernen" und ihr Präsident Dirk Zingler natürlich Ambitionen auf die Bundesliga.
"Präsidenten sollen sich nicht um den Fußball kümmern, und Trainer nicht um den Stadionbau, und bei uns ist das seit Jahren gut aufgeteilt", sagt Zingler dem rbb. "Wir haben einen sehr kompetenten Trainer, wir haben in der Vereinsführung gute Leute, die seit vielen Jahren sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten, und wenn jeder, das macht, was er kann, dann hat man auch Erfolg."
Dass sich der Club neben der jahrelangen Sanierung der "Alten Försterei" auch sportlich weiterentwickelt hat, ist dabei vor allem Zingler und Neuhaus zu verdanken. Nun sind wieder Ressourcen frei, aber mit Düsseldorf, Kaiserslautern, dem 1. FC Köln und 1860 München wartet auch in dieser Saison starke Konkurrenz auf Union.

Dabei dürfen die Köpenicker allerdings auf intensive Unterstützung durch ihre Fans hoffen. So hat Union in diesem Jahr schon wieder einen neuen Dauerkartenrekord aufgestellt: Mehr als 8000 Saisontickets sind bereits verkauft - so viele wie im gesamten letzten Jahr - an die 10000 könnten es noch werden.
Dazu kommt das runderneuerte Stadion mit neuer Haupttribüne. "Ein Traum ist wahrgeworden", sagte Vereinschef Zingler zu den neuen Möglichkeiten durch die "Alte Försterei" - sportlich für die Mannschaft und wirtschaftlich für den Verein: Nach der fünfjährigen Modernisierung können im Business-Bereich fast 1800 Plätze vermarktet werden. So ließen sich die Umsätze aus dem Ticketverkauf um fünf Millionen Euro steigern lassen, hatte Zingler schon vor Fertigstellung der neuen Tribüne gesagt.
So ist auch der Etat auf ein neues Rekordniveau gestiegen: Laut Informationen der Nachrichtenagentur dpa haben die "Eisernen" ihr Budget zum fünften Mal seit dem Zweitliga-Aufstieg 2009 steigern können und gehen mit mehr als 20 Millionen Euro in die neue Spielzeit, das sind mindestens zwei Millionen mehr als im Vorjahr.
Mit Informationen von Lars Becker





