Ronny von Hertha BSC (Bild:dpa)

Berlin freut sich über Sporterfolge - "Nie mehr zweite Liga"

Hertha BSC kehrt zurück in die Bundesliga, die Eisbären und die BR Volleys sind meisterhaft und auch der Amateursport vermeldet Rekordzahlen: Berlin ist im Sport zurzeit endlich mal eine echte Metropole.

"Nie mehr, nie mehr, zweite Liga, nie mehr, nie mehr, nie mehr!". Mit diesem Gesang wollen die Fans am Sonntag im Olympiastadion die Rückkehr von Hertha BSC in die Bundesliga feiern. Über 70.000 Zuschauer werden erwartet zum letzten Saisonspiel in der 2. Liga, zu Gast sind dann die Kicker des FC Energie Cottbus.

Ab August dürften zu den Heimspielen der Berliner auch wieder viele Zuschauer aus Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg anreisen. Schließlich ist Hertha BSC der einzige Fußball-Erstligist in der Region. Wer in Ostdeutschland Dortmund, Bayern oder Schalke gern mal live im Stadion erleben möchte, kann das ab August auch wieder im Berliner Olympiastadion.

Berlins Trainer Jos Luhukay freut sich über den Aufstieg. (Bild dpa)
Aufstiegstrainer der "Alten Dame": Jos Luhukay.

Hertha geht in die Mitte der Metropole

Zum Aufstieg tut Hertha auch etwas fürs Image. Der Club, dem in den Augen vieler noch immer der Charme alter Westberliner Betulichkeit anhaftet, feiert seine Aufstiegsparty im Postbahnhof, im szenigen Friedrichshain, in der Mitte Berlins.

Jetzt muss Hertha in der kommenden Saison nur noch die Klasse halten. Trainer Jos Luhukay scheint der richtige Mann für diese Mission. Der Holländer genießt wegen seiner unnachgiebigen und zugleich unspektakulären Art große Anerkennung bei Experten und Fans.
Wowereit hält den Pokal, im Hintergrund die Eisbären-Mannschaft (Bild dpa)
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nennt die Empfangshalle im Roten Rathaus schon "Hall of Fame".

Gute Nachwuchsarbeit

Es war ein insgesamt großartiges Frühjahr für die Berliner Proficlubs. Im Eishockey konnten sich die Eisbären ihren siebten Meistertitel innerhalb der letzten neun Jahre sichern. Dass die Puckjäger die Szene in Deutschland so dominieren, liegt unter anderem an der guten Nachwuchsarbeit, die in Hohenschönhausen geleistet wird.
In altersgerechten Gruppen und Mannschaften werden dort derzeit über 200 Nachwuchsspieler der verschiedenen Altersklassen trainiert und betreut. Um Erfolgsrezept der Eisbären-Nachwuchsarbeit gehört auch, dass das Training auf dem Club-Gelände und der Unterricht an der benachbarten Sport-Eliteschule genauestens aufeinander abgestimmt.

Was den Eisbären im deutschen Eishockey gelungen ist, haben die BR Volleys wohlmöglich noch vor sich. Auch die Volleyballer können auf Dauer die Nummer eins zu werden. Anfang Mai holten sich die Berliner ihre zweite deutsche Meisterschaft in Folge. Vor zwei Jahren noch spielten die Volleyballer vor einigen Hundert Zuschauern in Charlottenburg, in einem Zweckbau aus den sechziger Jahren.

Inzwischen sind die Volleys im Prenzlauer Berg zu Hause, in der Max-Schmeling-Halle. Ihre Heimspiele sind zu regelrechten After-Work-Partys geworden, mit DJ und künstlichem Nebel. "Wir wollten Volleyball aus der verstaubten Schulturnhalle holen", erklärt BR-Manager Kaweh Niroomand. Nicht nur Meister-Macher Niroomand, der im Hauptberuf Chef einer großen Softwarefirma ist, hat Sport in Berlin inzwischen auch als Wirtschaftszweig entdeckt.

Berlin Volleys jubeln über Gewinn der deutschen Volleyball-Meisterschaft (imago, 05.05.2013)
Jubel über die Meisterschaft bei den Berlin Volleys.

Im Internet gibt es das gemeinsame Super-Ticket

Schon vor Jahren hatten sich die sechs großen Berliner Profivereine zu einem gemeinsamen Vermarktungsportal im Internet zusammengetan. Unter www.berlin-sportmetropole.de bieten Hertha, Union, BR Volleys, Eisbären, Füchse und ALBA zum Beispiel ein Super-Ticket an. Zu besonders günstigen Konditionen kann der Fan hier gleich mehrere Sportveranstaltungen besuchen.

Sport in Berlin ist inzwischen ein Wirtschaftsfaktor, mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro. Das ergab kürzlich eine Studie der Industrie – und Handelskammer (IHK) und des Landessportbundes (LSB). Der Sport, ist dort nachzulesen, sichere 18.000 Arbeitsplätze in der Stadt, dazu zählten Jobs in Fitnesscentern, privaten Sportschulen, bei Sicherheitsfirmen und in Dienstleistungsunternehmen.
Auslosung Champions League (Bild:Dpa)
Fällt die Wahl der UEFA beim Thema Champions League-Finale auf Berlin?

Champions League-Finale 2015 soll nach Berlin

Nicht zuletzt aufgrund ihrer hervorragenden Wettkampfstätten ist die Hauptstadt auch immer wieder Bühne für sportliche Highlights von internationalem Renommee, wie ISTAF, Sechstagerennen oder DFB-Pokalendspiel. Auch das Champions League-Finale 2015 und die Leichathletik-Europameisterschaft 2018 würde Berlin gern ausrichten.

Der Titel Sport-Metropole gebührt Berlin nicht nur wegen der Erfolge der Profis und Hochleistungssportler. Auch der Breitensport boomt. In rund 2.500 Sportvereinen treiben inzwischen fast 600.000 Berlinerinnen und Berliner regelmäßig Sport. Das ist neuer Rekord. Wobei es deutliche Geschlechter-Unterschiede gibt, was die ausgeübten Sportarten angeht. Bei Frauen und Mädchen ist Turnen die klare Nummer eins. Jede dritte Sportlerin in Berlin ist eine Turnerin.

Populärste Männer-Sportart ist - sicher wenig überraschend – der Fußball. Weit über 100.000 Jungen und Männer spielen in Berlin Fußball im Verein. Nicht nur deshalb wird es wohl vor allem ein Männerchor sein, der am Sonntag singen wird: „Nie mehr, nie mehr, zweite Liga, nie mehr, nie mehr, nie mehr!“

Beitrag von Andreas Ulrich

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