
Hertha-Manager Preetz im Interview - "Wir jammern nicht"
Jetzt geht's los: Hertha BSC meldet sich am Samstag zurück und will auf keinen Fall zurück in den Fahrstuhl zwischen 1. und 2. Liga. Im heimischen Olympiastadion ist die Eintracht aus Frankfurt zu Gast, ein spannender Termin für die Fans. Manager Michael Preetz gibt im rbb-Interview die Devise aus: Ziele realistisch stecken, sich an anderen Low-Budget-Clubs orientieren und Nerven behalten.
Endlich wieder erste Liga in Berlin. Wie sehr freuen Sie sich darauf?
Wir freuen uns unglaublich. Wir haben ein fantastische Zweitligasaison gespielt, aber die ist jetzt Geschichte- das liegt hinter uns. Jetzt wartet eine neue Herausforderung auf uns mit der 1. Bundesliga. Ganz Berlin freut sich auf diesen Auftakt am Samstag und so geht es uns natürlich auch.
Seit Jahren war Hertha eine Mannschaft, die als Fahrstuhlmannschaft bekannt war. Wir kommen, um zu bleiben? Wie wollen Sie einen erneuten Abstieg in die Zweitklassigkeit verhindern?
Zunächst mal haben Sie Recht: Wir wollen das ändern. Deswegen brauchen wir ein Schild mit "Außer Betrieb" darauf für diesen Fahrstuhl. Ich denke, wir haben die Lehren aus der Vergangenheit gezogen und wir haben mit Jos Luhukay und seinem Trainerteam drei Leute, die fantastische Arbeit in Berlin machen und sich langfristig bis 2016 an Berlin gebunden haben. Auch die Mannschaft funktioniert gut und konnte auf annähernd allen wichtigen Positionen doppelt besetzt werden. Ich glaube auch, dass in der Stadt mittlerweile eine Stimmung ist, die versteht, dass es für Hertha nur darum gehen kann, sich in der 1.Liga zu etablieren. Unser mittelfristiges Ziel ist es, dass Hertha bis 2016 dauerhafter Gast dort ist.
Hertha hat vier neue Spieler verpflichten können. Ist der Kader gut genug für das Ziel Klassenerhalt aufgestellt?
Wir denken ja, natürlich immer im Rahmen unserer Möglichkeiten - das muss man auch ganz klar sagen und das ist bekannt. Drei Spieler konnten wir ablösefrei verpflichten, Hosogai für eine Million aus Leverkusen verpflichtet. Mehr war finanziell leider nicht drin. Die Positionen, die wir verstärken wollten, haben wir verstärkt. Jetzt sind wir nicht nur gespannt, wie die Neuen und auch die gesamte Mannschaft in die Bundesligasaison hineinfinden.
Hertha schiebt einen Schuldenberg vor sich her: Insgesamt 42 Millionen Euro hat der Verein an Verbindlichkeiten. Wir schwer ist es angesichts dieser Zahlen die Mannschaft im Oberhaus der Liga zu etablieren?
Es ist ganz klar eine große Herausforderung. Aber wir stellen uns und jammern nicht. Wir wissen wie die Rahmenbedingungen sind und versuchen in diesem Rahmen eine gute Arbeit zu machen. Es gibt den einen oder anderen Verein in der Bundesliga, der uns da als gutes Vorbild taugt. Es gibt einige Clubs, die auch mit schmalem Budget gute Arbeit gemacht haben wie zum Beispiel Mainz 05 und der 1. FC Nürnberg. Oder auch der SC Freiburg und die Eintracht, unser Gegner am Samstag, der vor einem Jahr noch Zweitligist war. Wir wollen uns natürlich gerne an denen orientieren, die es gut hinbekommen haben.
Kommen wir zu den Topteams. Gibt es eine Mannschaft, die den Bayern wirklich gefährlich werden kann in dieser Saison?
Wenn es eine gibt, dann ist es fraglos Borussia Dortmund, die es ja auch in der letzten Saison gezeigt haben. Bis auf das Champions League-Finale haben sie kein Spiel gegen die Bayern verloren. Das ist die einzige Mannschaft, die ich sehe, die auf Dauer die Stirn bieten kann. Es gibt ja auch immer wieder Überraschungs-Mannschaften, wer gehört den für Sie in der kommenden Saison dazu? Das ist immer schwer zu prognostizieren. Letztes Jahr war es die Eintracht, letztes Jahr war es der SC Freiburg. Wir würden uns freuen, wenn wir ein wenig überraschen können- und zwar positiv. Wie weit uns das trägt, das wissen wir heute alle noch nicht.
Das Interview mit Michael Preetz führte Sabine Porn, Inforadio.




