
Hertha BSC will nicht mehr Fahrstuhl fahren - Das Ziel heißt Klassenerhalt
Nach einem Jahr Pause ist Hertha BSC wieder auf der obersten Etage angekommen. Entscheidend aber ist, dass die Berliner Blauweißen dort auch bleiben und nicht wieder zur Fahrstuhlmannschaft werden. Zwei Abstiege in drei Jahren waren finanziell und auch für das Image eine Katastrophe.
Die Bundesliga ist das Maß aller Dinge für Hertha BSC - und Trainer Jos Luhukay kann mit guten Voraussetzungen darauf bauen, dass künftig alles besser wird. Alle 27 Spieler (24 Feldspieler und drei Torhüter) sind verletzungsfrei durch die Vorbereitung gekommen. Der Trainer hat nun die Qual der Wahl. Im Sturm stehen für eine Position mit Adrian Ramos, Sandro Wagner und Pierre Michel Lasogga gleich drei Spieler zur Verfügung. Ähnlich groß ist die Auswahl im defensiven Mittelfeld.
Auf jeder Position hat Jos Luhukay nun nahezu gleichwertigen Ersatz auf der Bank. Eine Situation, die auch zu Spannungen im Kader führen könnte. Die Aufstiegshelden Lustenberger, Niemeyer und Ronny könnten zu Saisonbeginn draußen sitzen. Herthas Erfolg wird davon abhängen, ob sich alle Reservisten mit der Situation abfinden und auf ihre Chance warten. Im letzten Trainingslager vor der neuen Saison im österreichischen Irdning kämpften alle um die Stammplätze. Eine Idealsituation für den Trainer, der sich nur im Fall des Brasilianers Ronny Sorgen machen muss.

Die Qual der Wahl: Ronny oder Baumjohann oder beide
Der beste Scorer der Zweitliga-Saison wirkt derzeit lustlos und schlapp. Ob er bis zu Saisonbeginn am 10. August fit wird, ist unklar. Im Trainingslager äußerte sich Luhukay, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, deutlich zum Fitnesszustand von Ronny. Doch auch für den Brasilianer hat der Trainer inzwischen Ersatz im Kader. Mit Alexander Baumjohann konnte Hertha einen Spieler verpflichten, der mehr sein kann als ein Ronny-Ersatz. Vom 1.FC Kaiserslautern kommend ist Baumjohann ein hochtalentierter Spieler, der den entscheidenden Pass in die Spitze spielen kann und selbst torgefährlich ist. Baumjohann wird von vielen Fans allerdings auch kritisch gesehen. Bei seinen bisherigen Stationen blieb der 26-Jährige häufig hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. Seine beste Saison spielte er 2008/2009 bei Borussia Mönchengladbach. Sein Trainer hieß auch damals Jos Luhukay.
Vier neue in der Startelf?
Baumjohann ist einer von vier Neuzugängen in dieser Saison. Er kam ebenso ablösefrei wie Johannes van den Bergh (Fortuna Düsseldorf) und Sebastian Langkamp (FC Augsburg). Einzig für den Japaner Hajime Hosogai musste Hertha eine Ablösesumme bezahlen – eine Million Euro an Bayer Leverkusen. Alle vier Neulinge könnten auf Anhieb den Sprung in die Startformation schaffen.
Hosogai dürfte die Rolle im defensiven Mittelfeld von Kapitän Peter Niemeyer übernehmen. Van den Bergh kam für die linke Abwehrseite und Sebastian Langkamp bildet nun gemeinsam mit John Anthony Brooks das Innenverteidiger-Pärchen. Mit 1,90 und 1,93 Meter sind sie damit ein kopfballstarkes Duo in der Hertha-Defensive. In der vergangenen Zweitligasaison waren im Defensivzentrum noch Lustenberger und Brooks gesetzt. Der Schweizer Lustenberger dürfte nun Ersatz sein, für Verteidigung und Mittelfeld.
Junge Berliner Talente vor dem Bundesliga-Debüt
John Anthony Brooks steht damit vor seinem Bundesliga-Debüt. Der 20-Jährige ist eines von drei großen Talenten, die bald ihr erstes Spiel in der 1. Liga machen werden. Nico Schulz auf der linken Seite könnte ebenso den Sprung in die erste Elf schaffen. Der gebürtige Berliner ist auch erst 20 Jahre alt und wurde in der Hertha-Akademie ausgebildet. Das gilt auch für den dritten im Bunde. Hany Mukhtar ist mit 18 Jahren der Jüngste im Kader und mit 1,71 Meter auch der Kleinste.

Taktik
Taktisch setzt Trainer Jos Luhukay auf das in der Bundesliga verbreitete 4-2-3-1 System. Das heißt, vor der Viererkette spielen zwei defensive Mittelfeldspieler (Sechser), davor ein zentraler Mittelfeldspieler (Zehner) zwischen den beiden Außenangreifern. Ganz vorn lauert die einzige Spitze. Im Training hat Luhukay aber auch das offensivere 4-1-4-1 System probieren lassen, mit einem Sechser und zwei Zehnern. Zu Saisonbeginn könnte diese Variante erste Wahl sein - im DFB-Pokal gegen den Viertligisten VfR Neumünster.
Saisonziel
Gerne möchte Hertha BSC auch im DFB-Pokal weit kommen, wichtig aber ist in dieser Saison nur der Klassenerhalt. Um die Schulden dauerhaft abzubauen, muss Hertha mindestens drei Jahre in Folge in der 1.Bundesliga spielen. Teure Transfers werden in dieser Zeit kaum möglich sein. Mit dem derzeitigen Kader und dem Zusammenhalt der vergangenen Saison sollte es Hertha gelingen, den Abstieg zu vermeiden.


