Europaeische Maccabi Spiele Berlin 2015: Siegerehrung auf dem Jahn-Platz Berlin (Quelle: imago/Sebastian Wells)

Was bleibt von den Maccabi Games in Berlin? - Ein neues deutsch-jüdisches Selbstverständnis

Basketball, Fußball und Wasserball - am letzten Tag bei den Maccabi Games in Berlin standen noch ein paar Finals an, bevor am Abend mit einer Gala-Veranstaltung im Hotel Estrel das jüdische Sport-Event zu Ende ging. Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz der Sportspiele.

Als Frank Sinatras "My Way" erklang, flossen vereinzelt Tränen: Die 14. Europäischen Makkabi-Spiele des jüdischen Sports sind am Dienstag zu Ende gegangen. Den Schlusspunkt setzte am Abend eine Gala-Veranstaltung im Berliner Hotel Estrel, an der auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) teilnahm. Er würdigte Athleten, Betreuer und Gäste.

Unmittelbar davor fand im Olympia-Park das Fußball-Finale zwischen den Mannschaften aus Frankreich und Deutschland statt, in dem das deutsche Team die Franzosen mit 4:1 besiegte. Außerdem standen am Dienstag noch Medaillenentscheidungen im Basketball, Dressurreiten, Futsal und Wasserball an. Der Medaillenspiegel wird letztlich von Deutschland angeführt, gefolgt vom US-Team. Beide gehörten jedoch auch zu den Ländern, die die meisten Athleten ins Rennen geschickt hatten.  

Gute Spiele, gute Stimmung

Die Veranstalter der Maccabi Games zogen am Dienstag ein positives Fazit. Es habe sich gelohnt, die Spiele zum ersten Mal nach Deutschland zu holen, sagte der Chef des Organisationskomitees, Oren Osterer, am Dienstag dem rbb. Den Teilnehmern sei die historische Bedeutung dieser Veranstaltung natürlich bewusst gewesen, dennoch seien die Spiele in erster Linie ein großes Sportfest gewesen. Auch mit der Zuschauerresonanz sei man im Großen und Ganzen zufrieden.

Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, zog ebenfalls eine positive Bilanz der Spiele. Es sei keine einfache Entscheidung gewesen, angesichts der belasteten Vergangenheit nach Berlin zu kommen, aber es habe sich gelohnt, sagte Hadas-Handelsman bereits am Dienstagmorgen dem rbb-Inforadio. Die Stimmung, die Spiele sowie die Begegnungen zwischen den jüdischen Sportlern untereinander und mit den Berlinern seien gut gewesen.

Hadas-Handelsman erinnerte noch einmal daran, dass es keine einfache Entscheidung gewesen sei, die Maccabi Games in Berlin auszurichten. Es habe viele Fragen gegeben, ob dies tatsächlich ein richtiger Schritt sei. Für Juden und Israelis sei der Besuch Deutschlands und ganz besonders Berlins mit vielen Emotionen verbunden, so der Botschafter. Dies gelte umso mehr am Olympiastadion, wo die Nationalsozialisten 1936 die Olympischen Spiele veranstaltet hatten.

Sportsenator Frank Henkel (CDU) sagte, Berlin sei stolz, die Maccabi-Games 2015 ausgerichtet zu haben. "Es gibt in ganz Deutschland keinen Ort von größerer Symbolkraft für dieses Sportereignis. Über 2.000 jüdische Sportlerinnen und Sportler haben ihre Wettkämpfe dort austragen, wo 1936 jüdische Athletinnen und Athleten von den Olympischen Spielen ausgeschlossen wurden." Die Entscheidung für Berlin sei ein großer Vertrauensbeweis und ein starkes Zeichen der geschichtlichen Aussöhnung gewesen.

Zwei Anzeigen wegen antisemitischer Beleidigungen

Die Spiele standen unter großen Sicherheitsvorkehrungen. Besonders die Veranstalter sorgten für umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen am Olympiagelände und am Hotel Estrel, wo die fast 2.300 Athleten und Funktionäre aus 38 Nationen wohnten.

Am Rande der jüdischen Makkabi-Sportwettkämpfe kam es zu vereinzelten antisemitischen Vorfällen. Laut Berliner Polizei nahm sie zwei Anzeigen wegen Beleidigung auf. So wurde in der vergangenen Woche eine Gruppe junger Juden vor dem S-Bahnhof Sonnenallee in Berlin-Neukölln von zwei Jugendlichen beleidigt. Die jüdischen Männer trugen ihre traditionelle Kopfbedeckung Kippa oder Davidsterne.

Das Hotel Estrel in Berlin, in dem die Sportler der European Maccabi Games 2015 unterkommen, ist am 27.07.2015 abgesperrt (Quelle: rbb/Thomas Blecha)
Die Berliner Polizei sorgte für die Sicherheit der mehr als 2.000 jüdischen Athleten im Hotel Estrel.

Zudem wurden zwei Wachleute vor dem Neuköllner Estrel Hotel antisemitisch beleidigt. Sie alarmierten die Polizei, die einen Mann arabischer Herkunft festnahm. "Es gab diese zwei, drei bedauerlichen Vorfälle, aber sie konnten diese Spiele nicht verhindern", sagte Hadas-Handelsman dem rbb.

Hoffen auf mehr Akzeptanz und Offenheit

Nach den Spielen bleibt den jüdischen Teilnehmern aus Deutschland neben neuen Freundschaften mit Sportlern aus aller Welt vor allem die Hoffnung auf mehr Offenheit. "Uns bleibt nach den Maccabi Games ein neues deutsch-jüdisches Selbstverständnis. Daran sollten wir Spaß haben, es offen ausleben und uns nicht verstecken", sagte Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, dem rbb.

Die Maccabi Games sollten ein Zeichen gegen alle Antisemiten sein, denn auch in einigen Berliner Sportvereinen gebe es immer noch antisemitische Zwischenfälle. Die Organisatoren hoffen nun auf mehr Akzeptanz in der deutschen Gesellschaft. "Für das Ausland hatten die Spiele sicher einen starken positiven Einfluss. Deutschland und die Juden, die in Deutschland leben, werden jetzt mit ganz anderen Augen gesehen", sagte Claudio Offenberg, der sportliche Leiter von TUS Makkabi Berlin. Die verständliche Zurückhaltung anfangs gegenüber Deutschland sei einer Normalität gewichen.

Spiel, Spaß und Sport bei den Maccabi Games in Berlin

Spiel, Spaß und Sport bei den Maccabi Games in Berlin

Mit Informationen von Max Zobel

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