Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet am 28.07.2015 in der Waldbühne in Berlin bei der Eröffnungsfeier der Europäischen Makkabi Spielen die Spiele (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 28.07.2015 | Andreas Ulrich

Historische Sportspiele im Olympiapark - Joachim Gauck eröffnet Maccabi Games in der Waldbühne

Feierliche Worte des Bundespräsidenten und viel Musik: Die European Maccabi Games, das wichtigste jüdische Sportereignis Europas, sind eröffnet - im Olympiapark 70 Jahre nach dem Holocaust an einem Ort, den die Nazis für die Olympischen Spiele 1936 errichtet hatten. Die Sportler messen sich bereits seit Dienstagvormittag.

Tief bewegt die Worte des Bundespräsidenten: Die Makkabi Spiele seien gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurückgekehrt, sagte Joachim Gauck am Dienstagabend in seiner Eröffnungsrede in der Berliner Waldbühne unter dem Applaus der Sportler. Denn die jüdische Sportbewegung sei ursprünglich in Deutschland entstanden, auch als Antwort auf wachsende Judenfeindlichkeit in der Gesellschaft. Dass die Spiele 70 Jahre nach dem Ende des Holocaust auf dem Berliner Olympiagelände stattfinden, sei besonders beeindruckend. "Ich freue mich und finde es bedeutungsvoll, dass Sie sich diesen Ort ausgesucht haben", fügte Gauck hinzu.

Sportler aus Deutschland ziehen am 28.07.2015 in der Waldbühne in Berlin bei der Eröffnungsfeier durch den Innenraum. (Quelle: dpa)
Die deutsche Delegation zieht in die Waldbühne ein

"Die Makkabi-Gemeinschaft reicht Deutschland die Hand"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, betonte den historischen Ort. "Wo die Nazis von einem judenfreien Europa träumten, lassen wir unseren jüdischen Traum Wirklichkeit werden", sagte er. "Die internationale Makkabi-Gemeinschaft reicht Deutschland die Hand: Sie vertraut Deutschland. Sie baut auf Deutschland als Verbündeten", sagte Schuster und bedankte sich auch bei den Sicherheitskräften.

Alon Meyer, der Vorsitzende von Makkabi Deutschland hielt ebenfalls eine leidenschaftliche Ansprache. Die Athleten trügen ein "neues deutsch-jüdisches Selbstbewusstsein und Selbstverständnis" in sich. Er lobte aber auch die Berliner Haltung: "Die Welt ist wieder zu Gast bei Freunden", sagte er.

Weniger Zuschauer als erwartet in der Waldbühne

Zur Eröffnungsfeier waren rund 8.000 Menschen gekommen – nur etwa halb so viele wie von den Veranstaltern erhofft. Ehrengäste waren unter anderem der Regierende Bürgermeister Michael Müller und der Präsident des Landessportbund Klaus Böger. 2.300 Sportler zogen in einer feierlichen Zeremonie in die Freiluftarena ein.

Das Makkabi-Feuer kommt direkt aus Israel: Eine Gruppe Motorradfahrer hatte die Flamme aus Israel nach Berlin gebracht, in Anlehnung an die "Maccabi Biker", die 1931 in einer Tour durch ganz Europa die Nachricht der ersten Makkabispiele in Israel in die Welt trugen. Wie bei den Olympischen Spielen wird auch bei den Maccabi Games das Feuer während der gesamten Dauer brennen. 

Holocaust-Gedenken auf dem Maifeld

Zuvor hatte bei einer Gedenkzeremonie auf dem Maifeld hinter dem Olympiastadion Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) an jüdische Sportler erinnert, die Opfer des Nazi-Terrors wurden. "Gegenüber Antisemitismus darf es in Deutschland immer nur eines geben, nämlich Null-Toleranz", sagte er. Athleten und Zuschauer erinnerten an die jüdischen Opfer des Nazi-Regimes. Mit Blick auf die lange Tradition der Makkabi Spiele erklärte Maas: "Es war nicht zuletzt der Antisemitismus der bürgerlichen Turn-Bewegung, der Juden Anlass gab, sich in eigenen Sportvereinen zu organisieren."

70 Jahre nach dem Holocaust gastiert die größte jüdische Sportveranstaltung Europas erstmals in Deutschland. An dem jüdischen Nationenturnier nehmen bis zum 5. August mehr als 2.300 Sportler aus 37 Ländern teil, die sich in 19 Disziplinen miteinander messen. Am Dienstagvormittag gab es bereits erste Wettkämpfe im Basketball, Hockey, Fußball, Tennis, Futsal und Volleyball. Für andere Teilnehmer stand Training an.

"Ich bin mir dessen bewusst, was das bedeutet"

Ein Großteil der Wettbewerbe findet im Berliner Olympiapark statt. Bei den dort ausgetragenen Olympischen Spielen waren 1936 viele jüdische Athleten von den Nazis ausgeschlossen worden. Es ist einer der Gründe, warum sich der Vorsitzende des Europäischen Makkabi-Verbands, Mordechai Tichauer, für Berlin stark gemacht hat. "Ich wollte immer schon, dass die Maccabi Games in Deutschland stattfinden. Ich bin mir dessen bewusst, was das bedeutet", sagte er rbb online einige Tage vor den Spielen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Montag, die Entscheidung für den Austragungsort Berlin sei "alles andere als selbstverständlich" mit Blick auf die deutsche Vergangenheit. "Wir sind stolz und dankbar für diesen Vertrauensbeweis." Zu den Schirmherren der EMG gehören unter anderem Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), der deutsche Fußballnationalspieler Jerôme Boateng und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD).

Spiel, Spaß und Sport bei den Maccabi Games in Berlin

Viele ungewöhnliche Sportarten

Die Wettbewerbe sind für Schaulustige aller Kulturen und Religionen offen. Für Fans der ungewöhnlichen Sportarten bieten die Maccabi Games viel Unterhaltung. Die Leichtathletik ist nur durch einen Halbmarathon vertreten, dafür stehen auch die nichtolympischen Sportarten Bridge, Futsal und Schach auf dem Programm. Der Eintritt ist frei. Lediglich für die Eröffnungs- und Abschlusszeremonien müssen Tickets erworben werden.

Die Maccabi Games sind mit einem Etat von fünf Millionen Euro ausgestattet. Organisationschef Oren Osterer kritisierte vor Beginn der Spiele, dass sich die deutschen Großkonzerne zu wenig für das Fest engagiert hätten. Der Großteil des Geldes stammt aus den Teilnahmegebühren. Jeder Sportler zahlt rund 1.000 Euro dafür, dass er in Berlin antreten darf. Einige der Athleten kamen bereits am Montag zu ersten Trainingseinheiten an den Wettkampfstätten zusammen.

Hohe Sicherheitsmaßnahmen

Mehrere hundert Berliner Polizisten werden die Spiele schützen. Zwischen 100 und mehr als 600 Polizisten seien jeweils während der Sportwettkämpfe im Einsatz, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Falls es erforderlich sei, stehe auch ein Polizeihubschrauber zur Verfügung. 2.300 jüdische Sportler, Betreuer und Funktionäre in der Stadt seien eine Herausforderung, sagte Henkel am Montag dem rbb. Die Berliner Polizei sei aber sehr gut aufgestellt. Man habe gemeinsam mit den Veranstaltern im Vorfeld alle Eventualitäten durchgesprochen. Sicherheitschef David Schiller lobte am Dienstag die Arbeit der Berliner Polizisten. Deren "Verständnis und Sensibilität" seien "einzigartig".

Die Polizei bewacht nicht nur das Olympiagelände, sondern auch das Hotel Estrel in Neukölln, wo die meisten Sportler in insgesamt 1.100 Zimmern untergebracht sind. Für die Sicherheit innerhalb des Hotels und des abgesperrten Olympiageländes setzen die Veranstalter Wachleute von privaten Firmen ein. Sie kontrollieren Zuschauer und Sportler an den Eingängen zum Olympiapark. Insgesamt lässt sich Makkabi Deutschland die privaten Sicherheitsdienste 800.000 Euro kosten.

Mit Informationen von Max Zobel

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