
Hintergrund zur Streckenlänge - 42,195 harte Kilometer - die Royals sind Schuld!
Ursprünglich war die Marathon-Strecke 25 Meilen lang, also genau 40,2 Kilometer. Aber dann kamen die Olympischen Spiele in London 1908, und auch das brititische Königshaus wollte an dem Läufer-Wettbewerb möglichst nah dran sein. Am Ende war die Strecke um fast zwei Kilometer länger. Von Thomas Kroh
Schuld hat das britische Königshaus. Denn die Royals werkelten 1908 bei den Olympischen Spielen von London am Streckenplan herum. Bis dahin hatte die Distanz von 25 Meilen, also 40,2 Kilometern, gegolten. Aber auf Wunsch der Blaublütigen sollte der Olympia-Marathon an der Ost-Terrasse von Windsor Castle seinen Anfang nehmen.
Die Hochherrschaftlichen wollten den Start miterleben und den Zieleinlauf selbstredend nicht verpassen – weshalb die Leiden der Athleten auch erst unmittelbar vor der königlichen Loge im Olympiastadion enden sollten. Die Planer stellten schnell fest, dass bei dieser Strecke die ursprünglich vorgesehenen 25 Meilen schon weit vor dem Stadion erreicht waren. Also musste eine Meile draufgerechnet werden.
Um die Läufer nicht noch weiter zu strapazieren wurde auf die geplante zusätzliche Runde im Stadion verzichtet, aber: 385 Yards vom Marathon-Tor zur königlichen Loge sollten es schon noch sein. So kam es zur Formel: 25 Meilen + 1 Meile + 385 Yards. Das sind umgerechnet 42,195 Kilometer.

Paradestrecke für die Konkurrenten Pietri und Hayes
Der Italiener Dorando Pietri erschien zwar als erster in der Arena, taumelte jedoch – benommen vor Erschöpfung – zuerst in die falsche Richtung und brach mehrmals zusammen. Fünf Mal rappelte sich der entkräftete Mann wieder auf. Offizielle Helfer halfen ihm schließlich über die Ziellinie vor den Augen der königlichen Familie.
Die Disqualifikation Pietris konnten allerdings nicht einmal die Royals verhindern. Als Trost schenkten sie dem Italiener ein goldenen Pokal. Der Sieg wurde John Hayes, dem Zweitplatzierten aus den Vereinigten Staaten zugesprochen.
Pietri und Hayes blieben auch nach diesem denkwürdigen Wettkampf Rivalen. In den USA wurden zahlreiche Läufe für das Duo organisiert, die Distanz betrug jedes Mal 42,195 Kilometer.
Doch erst 1921 beschloss der Leichtathletik-Weltverband, den Olympischen Marathon ab sofort immer nach dem Londoner Vorbild austragen zu lassen.


