Samy Allagui küsst vor dem Elfmeter den Ball (Bild: dpa)

Hertha zittert sich im DFB-Pokal weiter - Rettung in der 121. Minute

Hertha und der DFB-Pokal, das will einfach nicht so richtig passen. Seit Jahren quälen sich die Berliner, um endlich mal wieder ein Finale im heimischen Olympiastadion spielen zu dürfen. Gegen Neumünster liegt die Überraschung lange Zeit in der Luft. Doch dann pfeift der Schiedsrichter Elfmeter - in der 121. Minute.

Fast wäre der Regionalligist VfR Neumünster in einer Ahnenreihe mit Wormatia Worms, Holstein Kiel, Kickers Offenbach und dem SC Jülich 1910 gelandet: Diese Vereine hatten  Hertha in den vergangenen Jahren jeweils in der 1. Runde aus dem Wettbewerb gekegelt.

Nur mit einem Kraftakt und einer ordentlichen Portion Glück haben die Berliner in diesem Jahr die erste Hürde im DFB-Pokal genommen. Der Bundesliga-Aufsteiger gewann beim aufopfernd kämpfenden Gastgeber erst in der Nachspielzeit der Verlängerung mit 3:2 (2:2, 2:1). Erst im vergangenen Jahr war für Hertha gegen Wormatia Worms in der Auftaktrunde Schluss.

Das entscheidende Tor erzielte Sami Allagui (120.+1) mit einem Foulelfmeter. Den Elfmeter holte Änis Ben-Hatira heraus, der zuvor mit zwei Treffern erfolgreich war.

Sechs Tage vor dem Auftakt in der Bundesliga konnten die Berliner spielerisch nicht überzeugen. Michél Harrer hatte den Viertligisten sogar in der 5. Minute in Führung geschossen, Ben-Hatira (16. und 30.) sorgte jedoch mit einem Doppelschlag noch vor der Pause für die Wende. Christopher Kramer (58.) gelang der Ausgleich für die Gastgeber, bevor der Stürmer in der 90. Minute wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte sah.

Vermutlich wegen der gesalzenen Eintrittspreise - für einen Sitzplatz wurden 55 Euro verlangt - waren nur 5446 Zuschauer in das auf 9200 Plätze erweiterte VfR-Stadion getingelt.

Hertha will verwalten - Neumünster spielt fröhlich mit

Neumünster erwischte einen Auftakt nach Maß, als Harrer einen Freistoß flach an der Abwehrmauer vorbei direkt verwandelte, Hertha-Torwart Thomas Kraft sah dabei nicht gut aus. Überhaupt musste er einige Male in der gesamten Partie eingreifen - öfter, als er und Herthas Verantwortliche erhofft hatten.

Hertha tat sich in der Folge schwer gegen die tief stehende Defensive der Gastgeber, die schon frühzeitig versuchten, den ballführenden Spieler der Berliner zu stören. Einen Blackout nutzten die Gäste schließlich zum 1:1, als Sami Allagui für Ben-Hatira auflegte. Allagui war auch der Vorbereiter beim Führungstreffer.

Peer Kluge im Spiel gegen Neumünster (Bild: dpa)
Heiß war's auch in Neumünster. Doch vor allem der Gegner brachte Hertha ins Schwitzen.

Auch nach dem Wechsel spielten die Gastgeber nicht nur mit, sondern sorgten in der Defensive der Berliner für einige Unruhe. Nach einem Eckball musste Alexander Baumjohann sogar auf der Linie klären. Wenig später erhielt Neumünster für seine Bemühungen den Lohn, als Kramer per Kopfball ausglich. Es entwickelte sich ein spannender Pokal-Fight, in dem phasenweise kein Klassenunterschied zu erkennen war.

Druckphase erst nach dem Platzverweis

Hertha hatte den Faden nach dem Ausgleich sichtlich verloren und wollte seinen Halbzeitvorsprung offenbar nur noch verwalten. Torchancen blieben in der Folge Mangelware, weil sich der VfR auch taktisch unvermindert diszipliniert präsentierte. Erst nach dem Platzverweis gegen Kramer gewann die Hertha Oberwssser und hatte Pech bei Allaguis Pfostenschuss (94.).

Als dann beim Gastgeber in Unterzahl die Kräfte nachließen, häuften sich die Chancen. Bei den entäuschenden Berlinern vermochten allenfalls Baumjohann und Doppel-Torschütze Ben-Hatira zu gefallen. Neumünster hatte in Torhüter Marcus Hesse, Harrer und Kramer seine herausragenden Kräfte.

Fabian Lustenberger im DFB-Pokal gegen Neumünsters Zekiri (Bild: dpa)
Erstes Spiel als neuer Kapitän: Herthas Fabian Lustenberger

Niemeyer nicht auf dem Platz

Am Freitag hatte Hertha-Trainer Luhukay den Schweizer Fabian Lusterberger zum neuen Kapitän gemacht - und Peter Niemeyer damit abgesetzt. Luhukay wollte ihm keinen Stammplatz zugestehen. Und so kam es auch am Sonntag. In der Abwehr spielten Ndjeng, Langkamp, Brooks, van den Bergh, im Mittelfeld Lustenberger, Kluge (112. Hosogai), Allagui, Baumjohann (80. Mukhtar), Ben-Hatir. Im Sturm lief Ramos auf, der in der 64. gegen Wagner ausgewechselt wurde.

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