Hertha-Fans in der Ostkurve (c) dpa

Vorverkauf für Spiel in Neumünster startet - Herthas Pokalgegner verlangt Wucherpreise

60,50 Euro für einen Sitzplatz - das ist nicht etwa der Preis für eine Champions-League-Partie: Soviel verlangt der Viertligist VfR Neumünster für das DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC. Die Berliner Fans machen ihrem Ärger mit einem Shitstorm Luft.

"Welcher Ottonormalverdiener zahlt bitte 55€ für einen Club der irgendwo im Nirvana rumeiert und einen Rasenplatz besitzt wie ein Kartoffelfeld?!"

Mit Kommentaren wie diesen machen Hertha-Fans ihrem Ärger auf der Facebook-Seite des VfR Neumünster Luft. Der Viertligist empfängt den Bundesliga-Aufsteiger in der 1. Runde des DFB-Pokals am 4. August und wittert offenbar das ganz große Geschäft.

Am Mittwoch startete der Vorverkauf für die Gasttickets, und der Verein aus Schleswig-Holstein verlangt für einen Sitzplatz 60,50 Euro. "Das ist fast der halbe Preis für eine Dauerkarte in der Ostkurve bei unserer Alten Dame", ärgert sich ein anderer Herthaner bei Facebook. Eine Stehplatzkarte kostet immer noch 18 Euro.

Willkommen in der Grümmi-Arena

"Keine Frage, wir verstehen den Unmut unserer Fans absolut“, sagt Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller, „die Preise sind mehr als happig. Allerdings liegt die Preishoheit bei Pokalspielen ausschließlich beim gastgebenden Verein – und Neumünster sah sich außerstande, an den bestehenden Planungen etwas zu ändern."

Der klamme Viertligist ist offensichtlich auf den Geldsegen angewiesen. Zweimal musste der Verein in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden, zur jüngeren VfR-Historie gehören auch ein Lizenzentzug und der freiwillige Verzicht auf die Aufstiegsrunde zur Regionalliga aus finanziellen Gründen.

Das marode Stadion mit dem Namen Grümmi-Arena (benannt nach einer lokalen Supermarktkette) bot zu besseren Zeiten einmal 18.000 Zuschauern Platz, in der vergangenen Saison durften wegen baulicher Auflagen nur noch 4.999 Plätze freigegeben werden.

Aber sonst jeht's euch noch janz knusper?

Facebook-Post eines Hertha-Fans

Kein Zwanni für nen Steher

Eine Preispolitik wie in Neumünster soll es in Berlin jedenfalls nicht geben. Hertha BSC unterstützt die Fan-Initiative "Kein Zwanni für nen Steher" und wird künftig Gästetickets im Olympiastadion für 15 Euro anbieten.

Die Initiative wurde 2010 von Borussia-Dortmund-Fans ins Leben gerufen, die sich über die hohen Topzuschläge beim Revierderby auf Schalke geärgert hatten. Mit weniger als 20 Euro für einen Stehplatz soll der Fußball auch für Geringverdiener bezahlbar bleiben, so die Kernforderung.

Mittlerweile haben sich zahlreiche Fanclubs dem Aufruf angeschlossen, unter anderem auch von Triple-Sieger Bayern München und des Berliner Zweitligisten FC Union.

Für den Pokal-Auftakt in der schleswig-holsteinischen Provinz bleibt den Hertha-Fans eigentlich nur der Boykott. Das sehen aber nicht alle so: "Den Gefallen tun wir euch nicht,  dafür bekommt ihr paar mehr eingeschenkt", kündigt einer auf Facebook an.