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Jubiläum

100 Jahre Domowina - Eine Heimat für die sorbische Kultur

"Domowina" steht für "Heimat" - abgeleitet vom sorbischen Wort "domownja". Und genau das soll die Domowina sein: eine Heimstatt für sorbische Vereine und Vereinigungen, ungeachtet dessen, welcher Konfession ihre Mitglieder angehören, welche Weltanschauung sie vertreten oder in welchen Teilen der Lausitz sie leben.

Ziel und Aufgaben der Domowina sind es, die politischen und kulturellen Interessen der etwa 60.000 Sorben bzw. Wenden, die zumeist in den Bundesländern Sachsen und Brandenburg leben, auf regionaler, Landes- und Bundesebene zu vertreten und die sorbisch bzw. wendische Sprache und Kultur zu erhalten und zu fördern. Das Symbol der Domowina zeigt (seit 1949) auf rotem Untergrund drei silberne Lindenblätter, die aus einem Baumstamm mit acht Wurzeln erwachsen. Ein abgebrochener, aber noch festverwurzelter Stamm treibt neue Blätter.

In Deutschland leben rund 60 000 Sorben, davon etwa 20 000 Niedersorben/Wenden in der brandenburgischen Niederlausitz in den Kreisen Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald und 40 000 Obersorben in der sächsischen Oberlausitz zwischen Kamenz, Bautzen, Weißwasser und Hoyerswerda.

Die Domowina – offiziell "Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V." – ist der Dachverband sorbischer Vereine und Vereinigungen mit rund 7.000 Mitgliedern. Hauptsitz ist in Bautzen im Haus der Sorben, eine zweite Geschäftsstelle, die des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz, hat ihren Sitz im Wendischen Haus in Cottbus. Außerdem gibt es vier Regionalbüros in Crostwitz (Kreis Kamenz), Hoyerswerda, Bautzen und Schleife (Kreis Weißwasser/Niesky).

Vor 100 Jahren gegründet

Gegründet wurde die Domowina am 13. Oktober 1912 in Hoyerswerda. 60 Vertreter aus 31 sorbischen Vereinen trafen sich damals zur Gründungsversammlung. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte der aus Dissen in der Niederlausitz stammende sorbische Pfarrer Gottlieb Schwella/Bogumil Swjela. Er war danach viele Jahre stellvertretender Vorsitzender. Zum ersten Vorsitzenden wurde Arnost Bart gewählt. Dem neuen Dachverband Domowina konnte jeder Verein beitreten, der auf christlicher königs- und vaterlandstreuer Grundlage stand.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem auch viele Sorben/Wenden ihr Leben verloren, nahm die Domowina 1920 wieder ihre Arbeit auf. Während der Zeit des Nationalsozialismus versuchten die neuen Machthaber, die Domowina für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Alles slawische sollte ausgemerzt werden, aus den Sorben/Wenden sollten wendisch sprechende Deutsche werden. Im März 1937 wurde die Domowina verboten, 1941 enteignet. Viele wichtige Kulturdenkmäler wurden zerstört, sorbische Bücher verbrannt.

Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg

Bereits zwei Tage nach Kriegsende, am 10. Mai 1945, wurde die Domowina in Crostwitz (Kreis Kamenz) neu gegründet. Paul Nedo war ihr neuer Vorsitzender. In der Niederlausitz kam es erst 1946 zur Wiedergründung, und das in Werben, unweit von Cottbus. Zunächst war die Domowina nur in der Oberlausitz in Sachsen tätig. Führende SED-Kader in Brandenburg stuften die Aktivitäten als separatistisch ein und verboten sorbische Aktivitäten.

Während der DDR-Zeit wurde auch die Domowina – wie alle anderen Parteien und Massenorganisationen – von der SED vereinnahmt. Seit ihrem VII. Bundeskongress 1969 nannte sie sich "Domowina – sozialistische nationale Organisation der Sorben". In der Verfassung der DDR von 1949 gab es einen Artikel zum Minderheitenschutz, in dem die Sorben als fremdsprachiger Volksteil anerkannt wurden, aber nicht als nationale Minderheit.

Im November 1989 riefen oppositionelle Sorben die Domowina zum nationalen Dialog auf und forderten eine grundsätzliche Wende. Der sorbische runde Tisch, an dem verschiedene Interessenvertreter der Sorben mitarbeiteten, bereitete den Erneuerungsprozess der Domowina vor. Am 17. März 1990 fand ein außerordentlicher Bundeskongress statt, auf dem ein neues Statut angenommen wurde und in dem sich die Domowina zur politisch unabhängigen und selbständigen nationalen Organisation des sorbischen/wendischen Volkes erklärte. Als eingetragener Verein ermöglichte sie auch wieder den Beitritt sorbischer Vereine und Verbände, womit sie als juristische Nachfolgerin an die Domowina von 1912 anknüpfte.

Marion Stensel
rbb Studio Cottbus

Stand vom 09.10.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 09.10.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Mehr Informationen

Logo Domowina 2012 (Quelle: domowina.de)

Domowina im Netz

Homepage des Dachverbands mit vielen Informationen und aktuellen Terminen. [domowina.de]

Mehr dazu beim rbb

Sa 24.11.12 22:45

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Ausstrahlung in sorbischer Sprache

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