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Mit Beginn der kalten Jahreszeit benötigen Tausende Obdachlose wieder vermehrt Hilfe. Nach Angaben der Caritas leben rund 11.000 Menschen in Berlin auf der Straße. Hier kommt die Berliner Kältehilfe zum Einsatz, die in ihren zahlreichen Einrichtungen Notunterkünfte anbietet. Außerdem sind Kältebusse in der Stadt unterwegs, um Obdachlose aufzulesen und sie vor dem Kältetod zu bewahren.
Seit Jahren wird aus den Einrichtungen der Berliner Kältehilfe von einer stetig ansteigenden Zahl osteuropäischer Wohnungsloser berichtet. Viele von ihnen können sich aufgrund von Sprachschwierigkeiten nicht verständigen, was vermehrt zu Konflikten führt. Ohne Zugang zu weiterführenden Hilfen ist das Risiko der Verelendung bei diesen Menschen besonders hoch. Das Pilotprojekt "Frostschutzengel" der "GEBEWO - soziale Dienste Berlin" für das Berliner Kältehilfeprogramm will erstmals gezielte Unterstützung anbieten.
"Begleitung in der fremden Umgebung"
In diesem Winter werden drei Mitarbeiter mit Sprachkenntnissen in Polnisch, Russisch und baltischen Sprachen im Einsatz sein. Zum Team gehört unter anderem Marie Therese Reichenbach. Sie hat in diversen sozialen Einrichtungen in den Baltischen Staaten und in Russland gearbeitet. 2008/2009 war sie Kältebusfahrerin der Stadtmission, davor ehrenamtlich in der Notübernachtung am Berliner Hauptbahnhof tätig.
rbb online sprach mit ihr über ihre neue Aufgabe bei den "Frostschutzengeln".
Aus welchem Anlass wurde das Projekt "Frostschutzengel" ins Leben gerufen? Es gibt doch auch die Berliner Kältehilfe.
Reichenbach: Das Projekt ist für die Berliner Kältehilfe kein Parallelprojekt. Und die Bedarfe haben sich verändert, also muss sich auch die Kältehilfe verändern. Fremde Menschen aus anderen Ländern und Kontexten können sich hier schwer zurechtfinden. Unterschiedliche Prägungen treffen aufeinander, das war früher auch nicht so.
Ein Miteinander muss gestaltet werden, denn die Rahmenbedingungen sind anders. Diese Menschen brauchen Begleitung in der fremden Umgebung. Aber auch die deutschen Obdachlosen brauchen Begleitung im Umgang mit der neuen Situation.
Wie sieht Ihre Arbeit aus? Wie helfen Sie den Obdachlosen aus Osteuropa?
Reichenbach: Es gibt keine Unterschiede per se, wir sind Berater, wir haben ein offenes Ohr für die Bedürfnisse und Nöte. Aber nun können sich diese Menschen mit ihrer eigenen Sprache verständlich machen, müssen es nicht in unserer Sprache versuchen. Das öffnet ganz neue Perspektiven in der Begleitung.
Die Grundlage einer Beratung ist gleich, der Unterschied ist die Rechtslage an sich und die Durchsetzung des Zugangs zum Recht. Der ist schwieriger, weil die Praxis bei den Leistungsträgern unterschiedlich ist, es keine allgemeine Handhabe gibt. Und weil diese Menschen geschwächter sind.
Wer ist in Ihrem Team noch dabei?
Reichenbach: Das Kernteam besteht aus drei Leuten, die Frostschutzengel, mit Katarzyna Hudec, Andrzej Fikus und mir. Aber wir vernetzen uns natürlich mit den relevanten Akteuren der Berliner Kältehilfe und deren Mitarbeitern vor Ort. Und über die Kältehilfeeinrichtungen hinaus mit Einrichtungen in der Stadt, die weiterführende Hilfe anbieten.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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