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Den eigenen CO2-Ausstoß kompensieren und dabei den Schutz von Mooren in Brandenburg unterstützen – das sollen die Emissionszertifikate MoorFutures ermöglichen. Am 19. Dezember wurde im Landkreis Oberhavel das erste MoorFutures-Projekt in Brandenburg eröffnet. Unternehmen und Privatleute können die Emissionszertifikate erwerben.
Eines der ersten Anzeichen für die Veränderung der Rehwiese bei Freienhagen wird das Quaken der Frösche sein. "Wir denken, dass sich schon im nächsten Frühsommer deutlich mehr Frösche und Unken dort ansiedeln als bisher", sagt Andreas Piela, der zuständige Referatsleiter vom Brandenburger Umweltministerium. Denn die Rehwiese soll wieder ein Moor werden. Das, was sie war, bevor ein breiter Entwässerungsgraben angelegt wurde, um sie landwirtschaftlich zu nutzen. Das abgelegene Stück Landschaft wird zum ersten Brandenburger Testgebiet für das "MoorFutures"-Projekt.
MoorFutures sind Emissionszertifikate, mit denen Unternehmen und Privatpersonen auf freiwilliger Basis ihre Kohlendioxidbilanz verbessern und zum Schutz von Mooren in Deutschland beitragen können.
Geschäftsstelle soll klimaneutral werden
Entwickelt wurden die MoorFutures in Mecklenburg-Vorpommern, seit Mai kann auch Brandenburg diese Marke nutzen. Am Mittwoch stellte Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Die Linke) gemeinsam mit einem der ersten Investoren das Projekt vor. "Mit jedem Moor, das wir renaturieren, tragen wir aktiv zum Klimaschutz und zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei", sagte die Ministerin bereits im Mai zum Start der Planungen. Denn entwässerte Moore setzen das Treibhausgas Kohlendioxid frei. Werden sie wieder vernässt, also ihrem Ursprungszustand angenähert, nimmt dieser Effekt ab.
Einen ersten Beitrag zur CO2-Einsparung auf der Rehwiese leistet die Tourismus Marketing Uckermark GmbH (tmu). Sie hat 22 MoorFutures-Zertifikate erworben, zu je 67 Euro. "Wir haben unsere Geschäftsstelle komplett durchleuchtet und festgestellt, dass nach der Umstellung auf Ökostrom und anderen Maßnahmen 22 Tonnen CO2-Ausstoß übrig bleiben, zum Beispiel für Dienstreisen und die Gasheizung", erklärt Geschäftsführer Stefan Zierke. "Die kompensieren wir nun mit den MoorFutures. So ist unsere Geschäftsstelle im Jahr 2012 klimaneutral."
Doch die tmu bietet auch ihren Gästen die Möglichkeit, die eigenen CO2-Emissionen zu kompensieren. "Bisher gab es nur die Möglichkeit, dieses Geld in Projekte im Ausland, beispielsweise in Vietnam oder Thailand zu investieren. Deshalb freuen wir uns nun sehr, dass es mit MoorFutures möglich ist, das Geld sozusagen vor der eigenen Haustür einzusetzen. Die Gäste, die MoorFutures nutzen, können sich das Projekt, dem ihr Geld zugute kommt, direkt ansehen und es hautnah erleben. So hoffen wir, dass sich noch mehr Gäste als bislang für den Klimaschutz engagieren."
Keine Keller unter Wasser
Damit aus der trocken gelegten Rehwiese wieder ein Moor werden kann, werden nun Sandsäcke in den Fließgraben gelegt. So soll der Wasserpegel in der Wiese langsam wieder ansteigen. "Durch Messungen überwachen wir, dass das Wasser auch wirklich nur dort ansteigt, wo es das soll und nicht etwa in den Kellern umliegender Orte wie Freihenhagen", sagt Andrea Schöps, Geschäftsführerin der Flächenagentur Brandenburg GmbH. Die Agentur ist für die Umsetzung und Verwaltung der MoorFutures-Projekte in Brandenburg verantwortlich.
Auf dem Polder Kieve im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, dem Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern, wurde die Bauphase Ende September abgeschlossen. Nun kann der Wasserpegel auf der Polderfläche ansteigen. Von den rund 14.000 MoorFutures des Projekts, das ebenfalls auf 50 Jahre angelegt ist, wurden bereits über 8.000 verkauft, unter anderem an die WEMAG AG, einen Energieversorger aus Schwerin, McDonald’s Deutschland und mehrere Privatpersonen. Auch Preise hat MoorFutures bereits erhalten: Im Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" wurde es als "Ausgewählter Ort 2012" ausgezeichnet. Außerdem ist es offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt.
Andreas Piela aus dem Brandenburger Umweltministerium ist zuversichtlich, dass sich die MoorFutures auch in Brandenburg gut verkaufen: "Schließlich ist das Interesse auch an anderen freiwilligen Klimaschutzprojekten wie beispielsweise im Flugverkehr groß." Die Flächenagentur Brandenburg ist bereits mit weiteren Interessenten im Gespräch. Auch die nächsten drei potenziellen Projektflächen werden bereits auf ihre Eignung untersucht. Doch bevor ein neues MoorFutures-Projekt in Brandenburg eröffnet wird, müssen alle 6.744 MoorFutures der Rehwiese verkauft sein.
Annette Bräunlein
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stadt_land/beitraege/moorfutures_brandenburg.html