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Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt , Foto: dpa-report

Antenne-Stammtisch

Dokumentationszentrum in Eisenhüttenstadt soll erhalten bleiben

Beim 1. Antenne-Stammtisch am 21. November diskutierten Politiker, Kulturpolitikexperten und Bürger über den angemessenen Umgang mit dem kulturellen Erbe der DDR. Besonders die Zukunft des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt sorgte für Kontroversen.

Eisenhüttenstadts Bürgermeisterin Dagmar Püschel (Die Linke) bekräftigte beim 1. Antenne-Stammtisch, dass das Dokumentationszentrum für Alltagskultur in Eisenhüttenstadt zumindest für die nächsten zwei Jahre erhalten bleiben soll: "Die Stadt Eisenhüttenstadt übernimmt für zwei Jahre die Trägerschaft. Das soll eine Übergangslösung sein. Diese zwei Jahre werden genutzt, um andere Trägervarianten zu finden." Dieser Entschluss wird auch durch das Land Brandenburg und den Landkreis Oder-Spree mitgetragen, so Püschel weiter.

Antenne-Stammtisch in Eisenhüttenstadt

Dagmar Püschel beim 1. Antenne-Stammtisch in Eisenhüttenstadt. 

Das derzeitige Übergangskonzept für das Dokumentationszentrum sieht vor, dass die Stadt ab 2013 als neuer Träger des Dokumentationszentrums ihren Zuschuss in Höhe von 76.000 Euro für die Einrichtung streichen wird. Lediglich die Räume für das Museum und das Depot wird sie mietfrei zur Verfügung stellen, so Püschel. Die Zuschüsse vom Landkreis Oder-Spree sowie vom Land Brandenburg zur Deckung der jährlichen Kosten für das Museum von 220.000 Euro sollen erhalten bleiben.

Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) sprach dabei von einer nicht optimalen, aber tragfähigen Lösung für das Dokumentationszentrum. Mit dem neuen Konzept soll vor allem der Erhalt der neuen Dauerstellung "Alltag: DDR" gesichert werden, die erst Anfang des Jahres eröffnete wurde. Die umfangreiche Schau zeigt rund 650 Gebrauchsgegenständen, die in kaum einem DDR-Haushalt fehlten - vom "ATA"-Putzmittel bis zum Kassettenrecorder "Stern".

Sabrow: "Die Abwrackung eines Dokumentationszentrums"

Der Leiter des Dokumentationszentrums für Alltagskultur der DDR, Andreas Ludwig, wies darauf hin, dass es mit diesem Konzept in Zukunft keine neuen Ausstellungen mehr geben und die konzeptionelle Planungsarbeit des Zentrums stark beeinträchtigt wird. Allen Mitarbeitern müsste bis zum Jahresende gekündigt werden, so Ludwig.

Prof. Dr. Martin Sabrow (Quelle: rbb)

Prof. Dr. Martin Sabrow vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam 

Kritik kam auch von Prof. Dr. Martin Sabrow vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Für ihn stellt die Übergangslösung einen erheblichen Bedeutungsverlust für Eisenhüttenstadts Kulturlandschaft dar: "Wir erleben hier die Abwrackung eines Dokumentationszentrums mit, das alle seine Mitarbeiter und seinen wissenschaftlichen Leiter verliert", sagte er beim Stammtischgespräch. Vor allem die inhaltliche, wissenschaftliche Arbeit des Zentrums würde somit wegbrechen.

Dabei hält die Diskussion um den Erhalt des Dokumentationszentrums bereits seit Anfang des Jahres an. Genährt wurde sie durch Aussagen der Landesregierung, weiter zu Eisenhüttenstadt zu stehen. "Es gibt intensive Diskussionen darum, wie es in Eisenhüttenstadt weitergeht, aber es gibt keine Gefährdung. Denn wir stehen zu dem Zentrum und zur Finanzierung", sagte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) noch im Sommer gegenüber dem rbb.

Bürgermeisterin Dagmar Püschel wies darauf hin, dass die endgültige Entscheidung am 5. Dezember gefällt wird. Dann soll in einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung über die Trägerschaft und damit die Zukunft des Dokumentationszentrums abgestimmt werden.

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Antenne-Stammtisch soll monatlich fortgesetzt werden

Die Lage in Eisenhüttenstadt hat wichtige Fragen aufgeworfen: Wie wird das kulturelle Erbe Brandenburgs in Zukunft öffentlich zugänglich gemacht, für Touristen genauso wie für die Brandenburger? Wie wird es finanziert? Kann sich das Flächenland Brandenburg diese Einrichtungen überhaupt leisten?

In diesem Zusammenhang sprach Dr. Ilona Weser, Dezernentin im Landkreis Oder-Spree, vom Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR als ein Museum mit überregionaler Ausstrahlung. Sie forderte eine dauerhafte finanzielle Verantwortung von Bund und Land: "Für die Kommunen ist es einfach eine Nummer zu groß", so Weser.

Zu der Diskussionsrunde über die historische DDR-Aufarbeitung in Brandenburg waren viele Besucher gekommen, die sich mit ihren Fragen beteiligen konnten. Die Antenne-Moderatoren kündigten am Ende der knapp zweistündigen Veranstaltung an, dass der Antenne-Stammtisch zukünftig monatlich fortgesetzt werden soll. Dann aus einer anderen Stadt zu einem anderen Thema, das die Brandenburger bewegt.

Stand vom 21.11.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 21.11.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
Antenne Brandenburg Logo (Quelle: rbb)

1. Antenne-Stammtisch in Eisenhüttenstadt

Informationen zur Diskussionsrunde auf den Seiten von Antenne Brandenburg. [Antenne Brandenburg]

Mehr im WWW

Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR

Website des Zentrums in Eisenhüttenstadt.
[alltagskultur-ddr.de]

Kunstarchiv Beeskow

Website des Kunstarchivs in Beeskow.
[kunstarchiv-beeskow.de]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/stadt_land/beitraege/stammtisch_kulturerbe_ddr.html

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