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rbbonline | Erzbischof Woelki


Rund 400.000 Katholiken zählt das Erzbistum Berlin. Seit 27. August haben sie ein neues geistliches Oberhaupt: Rainer Maria Woelki. Woher kommt der neue Erzbischof und was will er bewirken?
Die neue Wohnung von Rainer Maria Woelki liegt im Wedding, ganz in der Nähe einer Suppenküche. In Interviews äußerte er die Hoffnung, dort auch selbst mal eine Mahlzeit abzubekommen. Seine Schrippen will er sich samstags alleine holen und er plant, viel mit U- und S-Bahn unterwegs zu sein. Der künftige Erzbischof präsentiert sich leutselig, er freut sich auf seine neue Wirkungsstätte. Von einem aber wird Woelki sich nicht verabschieden: vom Fanschal des 1. FC Köln. Seinem Heimatverein – so hat er es angekündigt – will er auch in der Hauptstadt verbunden bleiben.
Berufswunsch: Ganz normaler Priester sein
In Köln – Mülheim kommt Rainer Maria Woelki 1956 zur Welt. Die Eltern, Heimatvertriebene aus Ostpreußen, erzogen ihn in tiefem Glauben, den er sich bis heute bewahrt hat. Er wollte immer so werden wie die Priester und Kapläne seiner Kindheit – ein ganz normaler Pfarrer. Doch sein Weg war ein anderer: Abitur in Köln, Wehrdienst, Theologiestudium in Bonn und Freiburg, im Jahr 1985 dann die Priesterweihe. 1990 holte ihn Joachim Kardinal Meisner nach Köln. Sieben Jahre war Woelki Geheimsekretär des Erzbischofs, danach Direktor des Theologenkonviktes Collegium Albertinum, dem Studienhaus der Priesterkandidaten in Bonn. 2003 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Scampa und zum Weihbischof im Erzbistum Köln.
Außerhalb von Köln war Rainer Maria Woelki bis zu seiner Ernennung als Erzbischof von Berlin ein recht unbeschriebenes Blatt, doch in seiner Heimat ist der Geistliche beliebt. Er sei freundlich und offen, liebevoll und ein guter Prediger, heißt es über ihn. Woelki gilt als Ziehsohn des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner. In vielen Sachfragen sind sich die beiden sehr nahe.
Erzkonservativ und homokritisch
Rainer Maria Woelki wird ein konservativer Bischof sein. Frauen im Priesteramt, das kann er sich nicht vorstellen, wohl aber eine wichtige Rolle für sie in der Verwaltung. Zum Thema Zölibat ist seiner Meinung nach alles gesagt: Jesus sei nicht verheiratet gewesen, und Priester stünden in der Nachfolge Jesu. Die Kirche sei keine Demokratie, bestimmte Dinge im Katholizismus nicht verhandelbar. Jeder solle sagen dürfen, was ihn bewege, aber ein Dialog habe auch Grenzen.
Zum Thema Homosexualität sagte er Anfang Juli, er gehe mit dem Thema so um, wie es im Katechismus stehe: Praktizierte gleichgeschlechtliche Liebe sei vor Gott nicht geordnet – heißt im Klartext: nicht erlaubt. Er aber wolle kein Urteil über die Menschen fällen und allen mit Respekt begegnen. Und so möchte er auch eine Einladung des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg annehmen.
Konfrontiert sieht sich Woelki auch mit dem Vorwurf, er sei Mitglied des erzkonservativen Opus Dei Ordens. Im Jahr 2000 hatte er an der von Opus Dei geleiteten Santa Croce Universität in Rom promoviert. Titel der Doktorarbeit: "Die Pfarrei – ein Beitrag zur ekklesiologischen Ortsbestimmung". "Ich bin nicht Mitglied im Opus Dei – ich gehöre auch keiner anderen geistlichen Gemeinschaft an.", erklärte sich Woelki. Aber Opus Dei leiste gerade im sozialen Bereich auch in Berlin hervorragende Arbeit, so der neue Erzbischof.
Berlin: Katholisches Entwicklungsland
Rund 400.000 Katholiken leben im Bistum Berlin. Damit gilt die Region als katholisches Entwicklungsland. Der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner prophezeite Woelki beim Abschiedsgottesdienst in der Domstadt: Das Standhalten gegen die Babylonisierung und Atheisierung von Gesellschaft und Welt werde ihn oft auf die Anklagebank der öffentlichen Meinung setzen. Woelki sieht das nicht so. Er will in erster Linie für die katholischen Christen da sein - aber auch für alle anderen Menschen. So möchte er unter anderem gute Kontakte zu den evangelischen Christen pflegen und das Verbindende betonen.
Er sei Bischof und nicht Politiker, antwortet er auf die Frage, ob er sein Amt auch politisch verstehe. Dabei hat Woelki eigentlich schon angekündigt, die Debatte um den Religionsunterricht erneut anzuschieben und möglicherweise die Verhandlungen über einen neuen Staatskirchenvertrag zwischen dem Vatikan und dem Land Berlin wieder aufzunehmen.
Entschieden will Rainer Maria Woelki auch gegen sexuellen Missbrauch vorgehen. Täter seien zur Rechenschaft zu ziehen – auch indem staatliche Behörden eingeschaltet werden. In diesem Zusammenhang lobt Woelki den früheren Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes. Es sei sein großer Verdienst, dass man das Thema hier so deutlich angesprochen habe.
Ganz oben auf der Agenda des neuen Berliner Erzbischofs steht erst einmal, die Priester und die Region kennenzulernen. Er wolle hören, wie die Gemeinden sich selbst sehen und womit sie zu kämpfen hätten. Und dann soll gemeinsam entschieden werden, welche Weichenstellungen erfolgen müssten.
Ulrike Bieritz
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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