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rbbonline | Grüne Woche 2013

Stadt & Land
Stadt & Land
Impressionen von der Grünen Woche aus den 1920er Jahren (Quelle: Messe Berlin)

Chronik

Grüne Woche: Von der lokalen Warenbörse zur Weltmesse

Berlin, Anfang des 20. Jahrhunderts: Die Reichshauptstadt schwingt sich zwischen zwei Weltkriegen zu einer europäischen Metropole mit vollen Kaufhäusern, einer riesigen Schar von Feuilletonisten, Clubs und lebendigem Straßen- und Nachtleben auf. Es gibt aber auch noch ein anderes Bild in der Stadt: Es florieren Landwirtschaft und Viehhaltung: 45.000 Pferde, 25.000 Schweine, 21.000 Milchkühe und mehr als eine halbe Million Stück Geflügel leben in Berlin. 200.000 Berliner bauen Obst und Gemüse im Kleingarten an.

Aus dem "wilden Handel" wird die Grüne Woche

Landwirte reisen aus ganz Deutschland einmal pro Jahr zu ihrer traditionellen Wintertagung in die pulsierende Reichshauptstadt. Zeitgleich finden über die ganze Stadt verstreut Reitturniere, Kleintierausstellungen und Jagdschauen statt. Mit dabei sind auch Straßenhändler, die den Bauern während der Tagungszeit Messer, Geschirre und andere Kleinigkeiten rund ums Jagen, Angeln und die Landwirtschaft anbieten.

Ein Mitarbeiter des Berliner Fremdenverkehrsamt kommt 1926 auf die Idee, die Tagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und die vielen anderen Veranstaltungen in einer gemeinsamen Ausstellung zu koppeln. Die erste "Grüne Woche" ist damit geboren. Sie findet in der Funk- und Autohalle am Kaiserdamm statt, wo sie noch bis heute ihren Ort hat. Im Eröffnungsjahr werden mehr als 50.000 Besucher gezählt.

Zu seinem Namen kommt die "Grüne Woche", weil die Zugereisten vom Land in ihren grünen Lodenmänteln im Winter für eine Woche das Straßenbild dominieren. Journalisten sollen die Agrarmesse so betitelt haben.

Von der Warenbörse zur Weltmesse

Am 15. Januar 2010 öffnet die Internationale Grüne Woche bereits zum 75. Mal ihre Pforten. Die Messe ist in ihrer 84-jährigen Geschichte ein fester Termin im Berliner Eventkalender. Besucher freuen sich vor allem auf die vielen kulinarischen Köstlichkeiten, die es zu probieren und zu kaufen gibt. Für die Aussteller ist die Grüne Woche zu einem Testmarkt avanciert. Was in den Messehallen verkauft wird, geht auch in anderen Regionen gut über den Ladentisch. Die Besucher geben hier gerne Geld aus: 2009 waren es pro Kopf 101 Euro. Die Aussteller setzten mehr als 41 Millionen Euro um.

Als die Messe 1926 das erste Mal statt findet, ist alles etwas bescheidener. Im Titel fehlt noch das Wort "international" und die Messefläche umfasst grade mal 7.000 Quadratmeter. Zum Vergleich: 2010 verteilen sich 1.536 Aussteller aus dem In- und Ausland auf 115.000 Quadratmetern Hallenfläche.

Ein Jahr frische Eier

Riesen-Eiser-Frischhalterauf der Grünen Woche 1930 (Quelle: Messe Berlin)

Riesen-Eier-Frischhalter auf der Grünen Woche 1930 

Ab den 1930er Jahren entwickelt sich die Grüne Woche rasant. Errungenschaften aus den Bereichen Wissenschaft und Technik feiern fortan ihre Premieren: z.B. eine Fußspurmaschine, die beweisen soll, dass ein Hund nur der menschlichen Fußspur und nicht dem Geruch nachläuft oder eine riesige Eierfrischhaltemaschine für Aufsehen, in der sich 5.000 Eier im Kreis drehen und die auf diese Weise über ein Jahr auf "natürlichem Wege" frisch gehalten werden sollen.

Starker Neuanfang nach dem II. Weltkrieg

Mit Hitler an der Macht ändert sich ab 1933 der ideelle Hintergrund der Grünen Woche. Bald wird die Agrar- zu einer Lehrschau des Nationalsozialismus. Das äußert sich im Größenwahn über die Superiorität der deutschen Rasse, geht über Blut- und Bodenpolitik bis hin zum ganz eigenen deutschnationalen Verständnis von Heimat. 1938 fällt die Grüne Woche wegen einer grassierenden Maul- und Klauenseuche aus.

Nach kriegsbedingter Pause ab 1939 beleben Schrebergärtner und Neusiedler wieder ab 1948 die Messe im zerbombten und in Sektoren geteilten Berlin wieder. Mit dem Wiederaufbau kommen auch neue Attraktionen auf die Messe, wie die Blumenschau. Ab 1951 gewinnt die Grüne Woche mit Holland als erstem ausländischen Aussteller langsam das Renommee einer internationalen Schau. Sie spricht besonders Landwirte aus der DDR an, doch nach dem Mauerbau ist vorerst Schluss damit. Die Messe findet die nächsten Jahrzehnte in westlicher Insellage statt.

Ab den 1960er Jahren ändert und vergrößert sich vor allem das Ess- und Trinkangebot der inzwischen schon Internationalen Grünen Woche jährlich. Spezialitäten aus fernen und deutschen Ländern werden nach Berlin gebracht, und so gibt es beispielsweise 1979 Elsässer Schnecken, marokkanischen Hammelbraten, belgischen Chicorée und dänischen Joghurt im Angebot.

Es geht nicht ohne "Bio"

Seit dem Mauerfall steigen die Besucherzahlen in die Hunderttausende parallel zu stetig größer werdenden Ausstellungsflächen. Insgesamt präsentieren sich seit 1926 über 78.000 Aussteller aus 124 Ländern den über 30 Millionen Fach- und Privatbesuchern.

Publikumsrenner sind Blumen, Tiere und vor allem alles für das leibliche Wohl. Die fachwissenschaftlichen Tagungen zu landwirtschaftlichen Themen, der eigentliche Grund der Messe, verstecken sich im Rahmenprogramm. Inzwischen sensibilisiert hinsichtlich vollwertiger Ernährung und Nachhaltigkeit, greifen die Aussteller mehr gesunde Trends und Themen auf. Das reicht von Biomärkten über erneuerbare Energien bis hin zu Klimaschutz.

Stand vom 14.01.2013

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 14.01.2013 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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