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rbbonline | Karneval in Berlin & Brandenburg

Stadt & Land
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Frau mit Riesenbrille beim Karnevalsumzug Cottbus (Quelle: dpa)

In Stichworten

Närrisches von A bis Z

Alaaf: Karnevalistischer Gruß, der allerdings nur zwischen Aachen, Köln und Bonn verwendet wird. Ist gleichbedeutend mit "helau" (Düsseldorf, Mainz, Cottbus) und "heijo". Das -> Prinzenpaar begrüßt die -> Narren und nennt den Städtenamen gleich mit, damit die Karnevalisten daran erinnert werden, wo sie sich befinden ("Berlin heijo"). Das Berliner "heijo" steht übrigens für "Heiterkeit und Jokus".

Aschermittwoch: Schluss mit lustig, am Aschermittwoch ist alles vorbei. Für Katholiken beginnt die Fastenzeit, für Karnevalisten das Warten auf die nächste -> fünfte Jahreszeit.

Bütt: Das Wort bezeichnet eigentlich einen Waschzuber, meint aber das Rednerpult der Karnevalisten. In ihren Büttenreden machen sie sich mit Vorliebe über Politiker oder Prominente lustig.

Bützchen: Rheinisch für Küsschen. Für viele der eigentliche Grund, -> Karneval zu feiern.

Frohsinn: -> Rheinland.

Fünfte Jahreszeit: Die Karnevals-Saison. Reicht vom 11.11., 11 Uhr 11, bis Aschermittwoch. Anschließend beginnt meist der -> Kater.

Funkemariechen: -> Tanzmariechen.

Humor: Sehr böse Zungen behaupten, Karneval habe nicht viel mit Humor zu tun. Karneval ist eine ernste Sache.

Jeck/Narr: Karnevalist. Läuft beim -> Umzug verkleidet und nicht selten angetrunken herum und verteilt relativ wahllos -> Bützchen. Andere Narren haben sich dem Sitzungskarneval verschrieben und lachen am liebsten über die Witze der Redner in der -> Bütt.

Kamelle: Bonbons, die beim -> Umzug in die Zuschauermenge geworfen werden. Allzu große Erwartungen sollte man an den Geschmack in der Regel nicht haben.

Karneval: Zeit der Fröhlichkeit und überschäumenden Lebensfreude vor der österlichen Fastenzeit (u.a. auch Fassenacht, Fasnacht, Fasching). Höhepunkt des Karnevals ist die Woche zwischen -> Weiberfastnacht und -> Aschermittwoch. Das Wort Karneval leitet sich womöglich aus dem Lateinischen her: "carne vale" bedeutet "Fleisch lebe wohl", was sich auf die Fastenzeit beziehen lässt (so bezeichnet auch "Fastnacht" die Zeit vor der Fastenzeit). Die Römer veranstalteten auch Umzüge, bei denen ein geschmückter Schiffswagen ("carrus navalis") mitgeführt wurde. Zudem gab es öffentliche Gelage, zu denen jedermann eingeladen war. Herren und Sklaven tauschten zeitweise die Rollen. Die Gleichheit der Feiernden sowie die Umzüge sind noch immer Charakteristikum des Karnevals.

Dieser wird fast ausschließlich in katholisch geprägten Gebieten gefeiert; die Reformation verdammte das sündige Treiben. Während es also in Berlin nicht wirklich eine Karnevalstradition gibt – der erste Zug fand in den 50er Jahren statt – wird in vielen Orten der Niederlausitz seit Jahrhunderten die sorbische Fastnacht Zapust begangen. So sammeln dort beim Zamperzug verkleidete junge Männer Spenden und kehren anschließend zum Tanz im Gasthaus ein.

Kater: Oftmals unvermeidliche Folge des Karnevals, irgendwann erwischt er jeden. Wer seinem Magen vor dem Feiern eine fettige Grundlage gönnt, nicht durcheinander trinkt und zwischendurch mal Wasser bestellt, hat aber eine Chance, dass der Kater nicht zu heftig ausfällt.

Kostüm: Ist beim Karneval Pflicht. Sieht wirklich doof aus, wenn man unverkleidet zum-> Umzug geht. Wer das Gegenteil behauptet, lügt.

Pappnase: Rote Nase, die sich der gemeine Jeck aufsetzt, um dem minimalen karnevalistischen Dress-Code zu entsprechen. Wir häufig ergänzt durch Clowns-Perücke, geringeltes Hemd und ausladende Hosen (-> Kostüm).

Prinzenpaar: Hat einen ziemlich anstrengenden Job in der -> fünften Jahreszeit. Das Prinzenpaar trägt die Verantwortung für den Verlauf der Session. Zum Hofstaat des Berliner Prinzenpaares gehören beispielsweise der Hofmarschall, mehrere Adjutanten, die Hofdame und der Standartenträger. Die Kür eines Prinzenpaares sollte wie auch die Uniformierung von Karnevals-Garden und Funkemariechen die herrschenden Autoritäten lächerlich machen. So tragen zum Beispiel die Karnevalsgarden von Mainz und Köln österreichische Uniformen. Und der Prinz war ursprünglich in erster Linie dazu da, den Wein zu bezahlen.

Rheinland: In preußischen Gefilden Synonym für mehr oder weniger grundlosen Frohsinn, daher wie geschaffen für den -> Karneval. Der Rheinländer an sich nimmt solche Beleidigungen mit seiner sprichwörtlichen Gelassenheit hin, setzt sich die -> Pappnase auf und geht feiern. Das karnevalistische Rheinland reicht von Aachen über Düsseldorf und Köln bis Bonn. Von Bonn nach Berlin vertriebene Bundestags-Abgeordnete versuchen, in Kneipen wie der "Ständigen Vertretung" des Bonner Berufsrheinländers Friedel Drautzburg in Berlin-Mitte ihre Entzugserscheinungen zu behandeln (-> Kater).

Rosenmontag: Höchster Feiertag und Höhepunkt des -> Karnevals im -> Rheinland. An diesem Tag finden in Düsseldorf, Köln und Mainz die traditionellen großen -> Umzüge statt. Anschließend wird in Kneipen weitergefeiert (Kneipenkarneval).

Session: -> fünfte Jahreszeit.

Tanzmariechen: Schwingt bei Umzügen oder Sitzungen die Beine und lächelt ohne Unterlass. Tanzmariechen müssen ähnlich fit sein wie das -> Prinzenpaar, bloß viel sportlicher. Tanzmariechen tragen meist einen Dreispitz, eine Uniformjacke, einen Minirock und Stiefel.

Umzug: Höhepunkt des Straßenkarnevals. Bei den großen Umzügen gestalten die Karnevals-Vereine Motiv-Wagen, mit denen vor allem die aktuelle Politik aufs Korn genommen wird und die sich durch die Innenstädte schieben. Von den Wagen werden -> Kamelle geworfen, auf die sich besonders Kinder stürzen. Kleiner Tipp für Gierige: Regenschirm mitnehmen, aufspannen und umgedreht in die Luft halten. Das erhöht die Chance, massenhaft Kamelle abzugreifen. In Berlin und Cottbus finden die Umzüge dieses Jahr an zwei Sonntagen statt (12. und 19. Februar).

Weiberfastnacht: Der Donnerstag vor -> Rosenmontag bildet den Auftakt zur heißen Karnevalsphase und wird auch "Altweiber" genannt. Verkleidete Frauen stürmen die Rathäuser und übernehmen symbolisch die Macht. Nix für Männer mit Kastrationsängsten: Die Frauen schneiden den Männern die Schlipse ab. Ansonsten sind sie freundlich und verteilen -> Bützchen.

Zoch: Rheinisch für "Zug" ("dr Zoch kütt") -> Umzug.

Axel Klauwer

Stand vom 08.02.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 08.02.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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