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Schneewittchen lebt in Spanien und hat ein Drogenproblem. Außerdem kann sie ihre Eigentumswohnung nicht mehr abzahlen. Das neue Stück der Choreographin Constanza Macras verwundert - und nimmt den Zuschauer mit in den verwunschenen Müggelwald.
Auf einmal wird getanzt, im Berliner Müggelwald, auf sandigem Boden und in Flip Flops. "Forrest: The Nature of Crisis" - die Natur der Krise - heißt dieses Stück von Constanza Macras. Dabei stand für die argentinische Choreographin als Kind der Wald für Ferien und Strand. In ihrer Heimat liegt das nah beieinander. Den deutschen Mythos Wald, inklusive Märchen, dunklen Geheimnissen und romantischem Naturbild hat sie erst später entdeckt.
Constanza Macras, Regisseurin und Choreographin
"Der Wald ist ja ein verzauberter Ort in Grimms Märchen. Und auch in Krisenzeiten wird ja etwas komplett verändert, und so vermische ich Märchen und die Wirtschaftskrise."
Bei Constanza Macras kommt dann so einiges zusammen: Schneewittchen lebt in Spanien und hat nicht nur ein Kokainproblem. Sie ist auch ein Opfer der Immobilienkrise und kann ihre Eigentumswohnung nicht mehr abzahlen. Also landet sie bei kleinwüchsigen Ökoaktivisten im Wald. Aber auch da ist sie nicht sicher vor der bösen Stiefmutter - die will allerdings nicht Schneewittchens Schönheit, sondern nur ihr Geld zurück.
Zwischen poetischen Bildern und gesellschaftskritischen Vorträgen wandert der Zuschauer so drei Stunden lang durch den Müggelwald.
Constanza Macras, Regisseurin und Choreographin
"Ich wollte mich vor allem auf die Romantik konzentrieren und darauf, dass sie als Antwort auf die industrielle Revolution verstanden wird. Also, die romantische Sicht auf die Natur als Gegenentwurf zu Industrialisierung und Fortschritt."
Constanza Macras stellt zusammen mit ihrem Dorky-Park-Ensemble die Frage, ob wir gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten einen Weg zurück zur Natur suchen. Es treten Umweltaktivisten auf, Waldschützern, Ökonomen und Freaks. Und in der Hauptrolle der Müggelwald. So schön hat man den Berliner Stadtwald noch nicht gesehen.
Wenn Constanza Macras ein persönliches Fazit ihres Stückes zieht, dann hört sich das so an.
Constanza Macras, Regisseurin und Choreographin
"Menschen arbeiten ihr ganzes Leben, um sich etwas leisten zu können, ein Haus zu kaufen, einen Kredit abzuzahlen und dann platzt das alles plötzlich. Und man hat nichts, und sein ganzes Leben verschwendet. Dieser Gedanke kam mir so bei der Arbeit."
Umso dunkler es draußen wird, desto düsterer geht es auch im Stück zu. Nur mit Taschenlampen geht es quer durch den Müggelwald. Außerhalb des Lichtkegels wird der Wald dann tatsächlich ein fremder und ein wenig bedrohlicher Ort. Und dann können hier natürlich noch Überraschungen passieren. Jeden Abend aufs Neue. Am 10. August ist Premiere - drei Stunden im Wald, die verzaubern.
Autorin: Bettina Lehnert







