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Der Debütfilm des Berliner Regisseurs Linus de Paoli erzählt eine Geschichte, die in der nahen Zukunft in Neukölln spielt: In einer Zeit, in der Medikamente Luxus und Krankenversicherungen die Ausnahme sind. Und so sieht es Dr. Ketel als seine Aufgabe als Robin Hood der Medizin in Neuköllner Nächten Leben zu retten.
Die Zukunft sieht düster aus in Linus und Anna de Paolis Film. So haben sie ihn auch gleich in harten schwarz-weiß-Kontrasten gedreht. Es geht um Dr. Ketel, einen Arzt in Neukölln, der den Armen und Geschundenen hilft. Der spielt in einer Zeit, in der das Modell Krankenversicherung längst abgeschafft ist.
Filmszene aus "Dr. Ketel - Der Schatten von Neukölln"
"Sehr schön, werden wir gucken."
Anna de Paolis Vater war selbst Hausarzt, 30 Jahre lang hat er sich um all die Menschen gekümmert, die nie genug Geld hatten, um sich teure Medizin zu leisten. Ihm ist der Film gewidmet. Ein beklemmender "Film Noir".
Filmszene aus "Dr. Ketel - Der Schatten von Neukölln"
"Die ganzen Fäden sind dreckig. Wenn ich da nichts mache, stirbt das ganze Bein ab."
Eine düstere Zukunftsvision, edel von Linus de Paolis ins Bild gesetzt. Das harte Pflaster von Neukölln scheint wie geschaffen für eine Filmparabel zum Thema "Zweiklassen-Gesundheitssystem."
Linus de Paoli, Regisseur
"Ich sehe das nicht als Kommentar - was man sicherlich auch darf, aber so als Kommentar auf ein politisches System oder die Zweiklassengesellschaft, sondern das ist ein Nebeneffekt. Der Haupteffekt ist, dass du dadurch eine zerrissene Figur sehr schnell zeichnen kannst."
Ketel: ein Idealist und Gescheiterter. Tagsüber ist er Hausmeister, nachts geht er seiner Berufung als Arzt nach. Dafür lebt er, auch wenn ihn das viel Kraft kostet. Diese Leidenschaft zeichnete auch Annas Vater aus. Er war immer für die Kranken da.
Anna De Paoli, Produzentin
"Manchmal hat er mir von Situationen erzählt, wo er selber überfordert war und einmal eine Frau, die über Halsschmerzen geklagt hat und fast erstickt wäre, und er eben völlig allein in dieser Hinterhofwohnung mit dieser Frau, und diese retten musste."
Einen Nachfolger für die Praxis hat er nicht gefunden.
Anna De Paoli, Produzentin
Nachdem mein Vater in Rente gegangen ist, haben wir seine Praxis als Wohnung und Produktionsbüro übernommen, weil das genau der Start von Dr. Ketel war."
Seine Erinnerungen werden aufgegriffen.
Filmszene aus "Dr. Ketel - Der Schatten von Neukölln"
"Du warst sicher Zivi. Einer von der Sorte, die gern den alten Frauen den Arsch abwischt."
"Ein Menschenfreund sind sie ja nicht gerade."
Absurd und schräg entwickelt sich die Geschichte streckenweise, manchmal mag man dabei kaum glauben, dass viele Bilder rein dokumentarisch gedreht wurden. Das ist Neukölln.
Anna de Paoli, Produzentin
"Die Zähne sind schlecht, mancher hat kein Bein mehr, aber keine ordentliche Gehhilfe. Das ist uns aufgeholfen. Im Grunde haben wir einfach Gegenwart genommen, diese nahe Zukunftsbehauptung benutzt, um filmisch noch mal Freiheiten zu haben, aber im Grunde genommen ist es wie parallele Gegenwart oder eine zugespitzte Gegenwart."
Medikamente sind längst unerschwinglich geworden, deswegen überfällt Dr. Ketel regelmäßig Apotheken und gerät ins Visier von Louise, einer international bekannten Ermittlerin. Louise wird gespielt von Amanda Plummer, dem Star aus Quentin Tarantinos Film "Pulp Fiction". Sie wollte unbedingt mit Linus de Paoli arbeiten, nachdem sie einen seiner Filme gesehen hatte.
Linus de Paoli, Regisseur
"Durch Amanda habe ich wirklich noch mal viel viel mehr gelernt, dass es dem Film helfen kann und dass du einen besseren Film am Ende machen kannst, wenn du die Schauspieler mitarbeiten lässt an den Figuren, weil dann ist es ihnen auch möglich, ihnen Leben einzuhauchen, auf eine andere Art und Weise als du als Regisseur vielleicht provozieren kannst."
Louise, eine verschrobene Ermittlerin, sie verhaftet Ketel nicht, sondern will ihm helfen. Und lernt deutsch.
Filmszene aus "Dr. Ketel - Der Schatten von Neukölln"
"Was ist dein Beruf?"
"Was ist dein Beruf?“
Beruf oder Berufung? Große Fragen werden verhandelt.
Linus de Paoli ist ein kunstvoller, manchmal etwas sperriger Film gelungen. Am Ende jedoch gibt es Hoffnung und auch einen Hauch von Farbe in Neukölln.
Autorin: Petra Dorrmann










