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Freiheitsliebend, rebellisch, kreativ - so zieht die Charlottenburgerin Meret Oppenheim in den 30er Jahren nach Paris. Dort lernt sie die Surrealisten um André Breton kennen, freundet sich mit Giacometti und Man Ray an. Und sie entwirft ihre eigene Kunst - eine Tasse im Pelz macht sie weltberühmt. (Das Video zum Beitrag liegt aus lizenzrechtlichen Gründen nicht vor.)
Meret Oppenheim im Atelier von Man Ray. Er ist fasziniert von ihrer Schönheit, ihrem revolutionären Geist und ihrer unschuldigen Ausstrahlung. "Sie war eine der am wenigsten gehemmten Frauen, die mir jemals begegnet ist", sagt er.
1932 reist die 19-jährige Meret Oppenheim nach Paris, mit dem festen Willen Künstlerin zu werden.
Diese Nacktfotos von Man Ray lösen einen Skandal aus und machen sie gleichzeitig berühmt. Ihre androgyne Schönheit stilisieren sie zur Femme Enfant und zur erotischen Muse.
Meret Oppenheim (1978)
"Das entsprach meinen immer revolutionären und anti-bourgeoisien Temperament. Und Man Ray hat diese wunderbaren Fotos gemacht."
Das sie aber nicht nur ein Anhängsel der Surrealisten ist, zeigt jetzt eine Retrospektive. Meret Oppenheim ist eine der eigenwilligsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie lässt sich auf keinen Stil festlegen, ihr spielerisch-humorvoller Umgang mit Alltagsmaterialien und ihre Bilder sind neu und der Zeit voraus.
"Zeichnen und malen ist meine liebste Beschäftigung", schreibt sie als 16-Jährige in ihr Schulheft und verblüfft mit der Gleichung X = Hase.
Das Ohr von Giacometti 1933.
Meret Oppenheim, 1978
"Ich saß neben Giacometti im Cafe und guckte sein Ohr an und dann sah ich, das ist ja ein Händchen, aus dem zwei Pflanzen entsprießen, und Zuhause habe ich eine Zeichnung gemacht. Später 1977 erst wurde das in Bronze gegossen."
Diese Pelztasse ist so verrückt, dass sie 1936 im Museum of Modern Art in New York ausgestellt wird. Meret Oppenheim ist danach eine berühmte Künstlerin.
Doch die Tasse ist Ruhm und Fluch zugleich, Meret verlässt Paris
Meret Oppenheim, 1978
"Auch ein wenig weg, weil ich den Eindruck hatte und schon selbst nicht mehr wusste, schwimme ich jetzt einfach weiter auf dieser Welle. Der Surrealismus war damals einer der wichtigsten Bewegungen, und das war auch ein Grund, dass ich weg bin von Paris. Dann setzte eine schwere und lange Krise für mich ein."
Sie geht in die Schweiz, wo ihre Eltern jetzt wohnen, und malt Bilder von fast kindlicher Naivität. Sie steckt in einer Krise, die 17 Jahre andauert.
Meret Oppenheim, 1978
"Ich konnte und ich wollte nicht, wollte und konnte nicht. Ich habe immer gearbeitet, aber ohne jede Zufriedenheit. Während dieser ganzen Krisenjahre hatte ich ein Gefühl von gefesselten Händen."
Die Künstlerin Gudrun von Leitner trifft Meret Oppenheim in Paris 1972. Die beiden verbindet bis zuletzt eine tiefe Freundschaft.
Gudrun von Leitner, Künstlerin
"Oh ja, mit dem Makusi. Bei diesem Foto war Meret jedes Mal ausgeflippt. Sie sagt: 'Oh Gott, das hätte ich am liebsten hier abgeschnitten, weil man hier ja meine großen Füße sieht.'"
Meret lädt Gudrun von Leitner gleich in ihr Atelier ein, das alles andere als groß und komfortabel ist
Gudrun von Leitner, Künstlerin
"Sie hat jeden Centime umdrehen müssen. Ich konnte das gar nicht glauben, ich konnte es nicht fassen - es war 72 und Meret war Ende der Sechziger und für mich eine große Künstlerin - dass sie so lebte und dabei eigentlich ganz zufrieden war in Paris. Meret hatte vor nichts Angst, auch wie sie ihre Meinung frei kundtat, dann natürlich auch als Frau, als Künstlerin zu der Zeit in Paris, und die waren absolut nicht willkommen."
Ein Blick zurück. 1954 ist Merets Krise mit einem Schlag vorbei, wie sie sagt. Sie schafft Werke von wunderbarer Leichtigkeit. Ausstellungen im Ausland und die Teilnahme an der Documenta folgen.
Obwohl sich viele ihrer Bilder mit der Rolle der Frau beschäftigen, lässt sie sich nicht von den Feministinnen vereinnahmen. Noch kurz vor ihrem Tod als 73-Jährige sagte sie:
Meret Oppenheim (1985)
"Ja ,die Frauen können nicht nur einen separaten Wettbewerb unter Frauen machen, sondern sie müssen sich mit der größten Qualität messen, das ist etwas ganz Furchtbares diese Ideen, die da rumschleichen."
Autorin: Yvonne von Kalinowsky








