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Jedes Konzert soll ein Fest sein. Orchester und Publikum - gemeinsam soll die Musik gefeiert werden. So will es Ivan Fischer, der jetzt in seiner zweiten Spielzeit Chefdirigent des Konzerthausorchesters ist.
Gerade erst ist Ivan Fischer aus New York gekommen. Ein langer Flug, Zeitumstellung, jetzt die Proben zu Mozarts "Hochzeit des Figaro". Das kann ermüden, doch Ivan Fischer erlebt immer wieder den Moment, wo sich alle Mühe in Freude verwandelt.
Iván Fischer, Dirigent
"Man macht diese mühsame Reiserei und das alles - und dann endlich bin ich da und das Orchester… Und jetzt Mozart und ich denke nur, wie schön, eine Gegenstimme hier und ein Akzent und ein Charakterwechsel. Und das ist Spaß."
Eine Oper als szenisches Konzert - Sänger und Orchester stehen gemeinsam auf der Bühne. Eines dieser ungewöhnlichen Projekte, die Ivan Fischer immer wieder anstößt, um nicht nur dem Standard zu genügen. Und sei er auch noch so hoch.
Iván Fischer, Dirigent
"Ich denke immer nach, was braucht dieses Stück, dieses besondere Stück und daraus entsteht die Kunstgattung. Also ich probiere jetzt zu denken, wie würde ich umgekehrt denken? Konzert. Ich komme rein. Etwas am Anfang. Spielen. Umdrehen. Applaus. Wenn ich erst die Form denke und dann die Kunstwerke darin reinpassen möchte, ist es schwach eigentlich. Ist besser umgekehrt."
Seit einem Jahr ist der Kosmopolit Ivan Fischer Chefdirigent am Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Die Besucherzahlen sind gestiegen. Das Iván Fischer nicht nur ein leidenschaftlicher Musiker sondern auch ein humorvoller Vermittler ist, dürfte dabei geholfen haben. Im Internet beantwortet er die wesentlichen Fragen der Musikwelt.
Eine seit über 30 Jahren andauernde Weltkarriere, die ihn an die Pulte der bedeutendsten Orchester geführt hat - begonnen hat sie in Budapest, wo Ivan Fischer in einer Musikerfamilie aufwächst. Bis heute ist die Stadt Fischers Lebensmittelpunkt - auch jetzt, wo die Zeiten für frei denkende Geister schwer sind.
Unter der Regierung von Viktor Orban hat sich ein stumpfer Nationalismus, auch Antisemitismus Bahn gebrochen. Iván Fischer ist Jude - einschüchtern lassen will er sich von all dem nicht. Als politisch denkender Mensch ist es für ihn selbstverständlich sich einzusetzen - zum Beispiel für Lesben und Schwule.
Iván Fischer, Dirigent
"Ich werde auf jeden Fall nicht die Leute im Stich lassen. Es ist sehr wichtig, dass die Leute Musik bekommen, dass sie in diesen schwierigen Zeiten auch das Gefühl haben, dass Leute, die einigermaßen bekannt sind, nicht einfach weglaufen, sondern so einen Widerstand leisten."
Nicht, dass Musik die Welt verändern könnte. Aber sie ist für Iván Fischer eine - mitunter mächtige - Sprache.
Autor: Steffen Prell








