- Kulturtipps mit Simone Dede Ayivi

Tipp 1: Savvy Contemporary e.V.
Tipp 2: Stadtführung zum postkolonialen Berlin
Tipp 3: "Stattdessen bin ich immer noch auf dem Weg"

Die afrodeutsche Community Berlins ist die zweite Heimat der Regisseurin, Theaterautorin und Performerin Simone Dede Ayivi. Deshalb liegt es ihr auch  besonders am Herzen, das im ist Ballhaus Naunynstraße beim "Black Lux  Festival" ganz unterschiedliche schwarze Perspektiven gezeigt werden.

Ihr eigenes Stück, das dabei zu sehen ist, heisst "Krieg der Hörnchen". Es geht um das rote, europäische Eichhörnchen, das vom nordamerikanischen Grauhörnchen bedroht wird. Das ist stärker, widerstandsfähiger und potenter. Über kurz oder lang wird es den deutschen Wald dominieren. Angst vor Überfremdung? Angst vor Veränderung? Simone Dede Ayivi untersucht bei ihrer Performance zum demografischen Hörnchenwandel ein hochaktuelles Thema.

Zuerst gibt es Kunst.

Simone Dede Ayivi, Theaterautorin

"Wir gehen jetzt in die Savvy Galerie und schauen mal, was es hier drinnen zu sehen gibt."

Erst vor ein paar Wochen ist die Savvy Contemporary in das Umspannwerk in Neukölln gezogen. Die Galerie zeigt Kunst, die kulturelle Grenzen überwinden soll. "Ghostbusters" heißt die aktuelle Ausstellung mit verfremdeten Familienfotos vom Flohmarkt.

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Savvy Contemporary e. V.
"Hallo Simone."

Simone Dede Ayivi, Theaterautorin
"Bonaventure. Kannst du mir etwas erzählen zu der Ausstellung und zu dem Ort hier."

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Savvy Contemporary e. V.

"Ja, also es ist ganz klar, also wir machen eine Art Dialog zwischen dem Westen und nicht den Westen und wir benutzen die Kunst als Vehikel dafür, das heißt wir machen thematische Ausstellungen."

Auch in Zukunft werden sich Künstler hier vor allem mit Kollektiver Erinnerung  auseinandersetzen.

Im  afrikanischen Viertel im Berliner Wedding sucht Simone Dede Ayivi mit einem Freund nach Erinnerungen an die deutsche Kolonialzeit.

Kwesi Aikens macht Stadtführungen auf den Spuren der deutschen kolonialen Vergangenheit, die es hier überall zu entdecken gibt.

Kwesi Aikins, Stadtführung zum postkolonialen Berlin
"Swakobmunder Straße, Swakobmund ein Ort im heutigen Namibia, in dem ab 1904 die ersten deutschen Konzentrationslager eingerichtet wurden."

Tausende Herero, die Widerstand gegen die deutschen Besatzer leisteten, fanden dort den Tod.

Oder die Erinnerung an die Kolonie Togo. Von dort kommt sogar ein Teil der Familie von Simone Dede Ayivi.

Kwesi Aikins, Stadtführung zum postkolonialen Berlin
"Kleingärtnerverein Togo e.V., gegründet 1939. Und die Jahreszahl beantwortet auch die Frage nach dem warum, hier wirkt Propaganda des Dritten Reiches bis heute im Stadtbild fort."


Simone Dede Ayivi, Theaterautorin
"Das ganze Wissen, das man vorher zu einem Thema hat, das wird einfach noch mal viel deutlicher, viel wichtiger und ist auch ein emotional stärkerer Moment, wenn man dann tatsächlich an so einem Ort steht, das berührt noch mal ganz anders oder macht auch noch mal ganz anders wütend."


Zum Schluss geht es zur Probe von "Label Noir". Mit dem afrodeutschen Theaterensemble aus Berlin hat Simone Dede Ayivi schon häufig zusammen gearbeitet.

Simone Dede Ayivi, Theaterautorin

"Label Noir würde ich mir anschauen, bei Black Lux, das sind großartige Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich ganz besonders humorvoll wichtigen Themen nähern."



Autorin: Bettina Lehnert