- Jochen Kowalski

Er ist einer der bekanntesten Countertenöre der Welt. Er kann mit seiner Stimme für einen Mann ungewöhnliche Höhen erreichen. Mitte September tritt Jochen Kowalski in der Berliner Philharmonie auf - und jetzt erscheint auch seine Autobiographie.

Jochen Kowalski
, Countertenor
"Wenn ick Heldentenor wäre, hätte ich den Tristan gesungen. Lachen tun ja immer noch Leute, wen ich rauskomme. Ich hab nie auf dieses Geschnatter der Leute geachtet."




Sie ist ihm durch ein Wunder der Natur geschenkt worden, seine hohe Stimme -  genau wie sein Berliner Humor.



Jochen Kowalski
, Countertenor
"Ich helf dir mit."
"Musiker und Orchesterdiener in einem."

Jochen Kowalski ist das Vorbild für eine ganze Generation von Countertenören und dabei immer auf dem Boden geblieben. Aufgewachsen ist er in einem Nest bei Nauen, als jüngster Sohn eines Fleischers.

Von klein auf sang er im Schlachthaus zur Musik eines alten Grammophons Wagner und träumte davon, Heldentenor zu werden. Und der Vater - bestärkte ihn darin.




Jochen Kowalski
, Countertenor
"Diese Männer, die jeden Tag im Schlachthaus stehen und Schweine zerlegen müssen, haben eine ganz weiche Seele. So war mein Vater auch, der kam auch noch aus Polen, diese slawische Seele. Ich sehe ihn noch vorm Fernseher, wie Anneliese Rothenberger Madame Butterfly sang, die Tränen liefen. Und als er mich zum ersten Mal sah, dachte ich, jetzt kollabiert der."


Ein Mann mit einer solchen Stimme - nicht nur in der DDR eine Phänomen: Schlagartig kriegt er Top-Engagements.

Als Ensemblemitglied an der Komischen Oper hat er lukrative Auftritte im Westen - aber denkt gar nicht daran, seine künstlerische Heimat in Ostberlin aufzugeben.

Jochen Kowalski
, Countertenor
"Wenn man an der Komischen singt, dann geht man doch nicht in den Westen. Die aus dem Westen kamen ja zu uns. Das war der fünfte Sektor von Berlin. Da werd ich doch nicht abhauen. Da wär ich ja mit dem Klammerbeutel gepudert gewesen."


Als der Mauerfall ihn mitten während einer "Orpheus"-Aufführung überrascht, kann er seine Weltkarriere erst recht nicht mehr verhindern. 



Kowalski singt an der Met, in Paris, in London. Verblüffend: Bis heute hat er dennoch Komplexe, wenn er mit seiner angeborenen, hohen Stimme auf der Bühne steht.

Jochen Kowalski
, Countertenor
"Es ist ein innerer Kampf, der tobt ständig. Seit 30 Jahren muss ich erklären, was ein Countertenor ist. Und dass da kein operativer Eingriff ist."


Seit zehn Jahren singt er mit seinem Salonorchester auch Swing und Jazz. Die vermeintlich leichte Muse findet er schwerer als die Arien der Barockopern.

Jochen Kowalski
, Countertenor
"Cole Porter ist so schwer, da ist ein ganz anderer Stimmeinsatz. Barockgesang ist Massage für die Stimme. Ich singe mich immer mit Barockarien ein."

Im Winter wird er, kaum zu glauben, 60. In einem sehr unterhaltsamen Interview-Buch blickt er nun auf sein Künstlerleben zurück.


Und, ach ja: Den Traum von der Wagner-Oper erfüllt er sich demnächst übrigens selbst. Mit dem Salonorchester arbeitet er gerade an einer höchst unkonventionellen Fassung des Lohengrin.

Jochen Kowalski
, Countertenor

"Die Gralserzählung aus Lohengrin mache ich zum Beispiel als Rap. Im fernen Land, unnahbar eurem Schritt... Ja, sowas macht mir Spaß."




Jochen Kowalski. Einer, der sein Herz auf der Zunge trägt.

Jochen Kowalski
, Countertenor
"Und sonst janüscht."


Autor: Norbert Kron

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