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Er ist nicht nur der Sänger der Band "Element of Crime", sondern auch ein erfolgreicher Bestsellerautor: Sven Regener. In "Herr Lehmann" oder "Neue Vahr Süd" hat er das Lebensgefühl der Antihelden der 80er Jahre beschrieben. Jetzt widmet er sich in seinem neuen Roman den 90ern und der Technoszene.
Er wollte es bei der Musik nicht belassen, sein erstes Buch: ein Bestseller. Und der "Herr Lehmann" wurde auch gleich verfilmt. Eigentlich ist er ja der Meister des melancholischen Songwriting in Deutschland, unser Mann an der Trompete, aber Sven Regener ist ein Tausendsassa, nur malen kann er noch nicht.
Sven Regener, Musiker, und Schriftsteller
"Als Musiker schon seit Jahren und Jahren unterwegs und natürlich kann man sagen, ähhh, bevor ich da jetzt in eine Schlangengrube fasse und irgendetwas anderes mache, aber wenn man eine gute Idee hat, warum soll man die nicht verfolgen?"
Ja, der Herr Lehmann schlug ein wie eine Bombe und traf das Lebensgefühl gleich mehrerer Generationen.
Eigentlich ist Sven Regener als Kopf der Band "Element of Crime" bekannt. Er ist schon lange eine Nummer in der deutschen Popmusik.
Und wie war der Anfang, damals in den 80ern für der jungen Regener in West-Berlin?
Sven Regener, Musiker, und Schriftsteller
"Leute, die 'freakhafte' Musik machten, waren eigentlich alle in Berlin und deshalb war es so, dass wenn man dahin kam und irgendwas machte, wie Nasenflöte spielen oder Trompete, der konnte sofort überall mitmachen. Ich kam nach Berlin und ich glaube sechs Wochen später war ich in einer Band und zwei Monate später stand ich im Studio und wir haben die erste Zatopek-Platte aufgenommen."
Nun, nachdem Regener die 80er in Kreuzberg literarisch mit der "Lehmann-Trilogie" abgefrühstückt hat, ist er für sein neues Buch in die frühen 90er in Ostberlin eingetaucht.
Es geht um die Rückkehr des Karl Schmidt ins neue "Techno-Berlin" nach der Wende.
Karl Schmidt, das war der beste Freund von Herr Lehmann, der Schrott-Künstler, der einen Nervenzusammenbruch bekommt und den Lehmann schließlich ins Urban-Krankenhaus bringt - in die Psychiatrie.
Sven Regener, Musiker, und Schriftsteller
"Die Idee war, dass Karl Schmidt fünf Jahre nachdem er in die Klapsmühle kam, dass er fünf Jahre später auf alte Kumpels trifft, deren Leben sich völlig verändert hat und die eigentlich völlig verrückt sind, aber auf eine gesellschaftskompatible Weise."
So holt Regener ihn in seinem neuen Buch "Magical Mystery" aus der Psychiatrie. Die Geschichte von Karl Schmidt, Teil 2 beginnt in einer betreuten Ex-Drogi-WG in Hamburg-Altona. Hierhin hat Mutti ihren Karl nach seinem Kollaps geholt. Fünf Jahre, seit 1989, war Karl Schmidt nicht mehr in Berlin, nun kehrt er zurück in eine ganz andere Stadt: In der Sophienstraße haben seine alten Kumpels die Firma "BumBum Records" aufgemacht und sie rufen gerade ihn, der alles verpasst hat. Karl Schmidt war sozusagen in der Tiefkühltruhe.
Sven Regener, Musiker, und Schriftsteller
"Die ganze Wiedervereinigungs-Chose, das Ganze hin und her, das Umziehen, das Verändern der Stadtviertel, das hat er natürlich alles verpasst und eben in seinem konkreten Fall, was diese Leute betrifft, seine alten Kumpels, eben auch den Umstand, dass Techno durch die Decke ging."
"BumBum Records" will auf Magic Mystery Tour gehen. Und sie brauchen einen, der den Tourbus fährt und keine Drogen nimmt. So kommt ihnen Karl Schmidt in den Sinn. Regener nimmt den Leser mit auf eine Deutschland-Tour mit lauter durchgeknallten Techno-DJs. Es ist ein amüsanter und leicht irrer Blick auf den Techno-Zirkus, eine "Selbstfindung" im Backstage-Bereich.
Sven Regener, Musiker, und Schriftsteller
"Wir sollten nicht den Fehler machen zu denken, dass es sich hier tatsächlich um einen Roman über Techno handelt. Ich bin ja immer der Meinung, dass man über solch abstrakte Dinge keine Romane schreiben kann, sondern nur über konkrete Personen. Das Entscheidende ist ja hier, dass wir das mit den Augen sehen von jemandem der nicht teilnehmen kann."
Schriftsteller, sagt Sven Regener, ist man nur so lange man schreibt. Er bleibt ein Vollblut-Musiker, aber einer, der auch gern mal ganze Bücher voll schreibt - sein Lehmann-Kosmos ist ein Gewinn, auch wenn nicht jeder Wurf ein Knaller ist.
Autor: Sascha Hilpert








