- Thomas Scheibitz

Dieser Berliner Kunstherbst feiert die Malerei. Die Neue Nationalgalerie spielt dazu gleich vier Trümpfe aus und zeigt mit ihrer Ausstellung "BubeDameKönigAss" vier der bekanntesten zeitgenössischen deutschen Maler. Einer von ihnen ist Thomas Scheibitz.

Nur selten öffnet Thomas Scheibitz sein Atelier in Mitte fremden Blicken. Für den Künstler ist es ein sehr privater Raum, in dem seine Bilder und Skulpturen entstehen. Meist arbeitet er an mehreren Kunstwerken gleichzeitig. Oft lässt er sich von Büchern, Fotos oder Filmen anregen. Erst dann fängt er an, macht Skizzen, die er später auf die Leinwand bringt.

Thomas Scheibitz, Künstler
"Man fängt jeden Tag wieder von vorne an und kann sich nicht auf das verlassen, was am Vortag war. Man braucht schon ein gewisses Durchhaltevermögen. Ob die Sache dann erfolgreich ist oder nicht, darf nicht von großem Interesse sein. Es geht danach, dass man eine Idee hat, die man zeigt.
"

Thomas Scheibitz ist jetzt Mitte Vierzig. Er stammt aus Radeberg in Sachsen. Ein gelernter Werkzeugmacher, der erst nach der Wende Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert.

Thomas Scheibitz, Künstler
"Wenn man meine Biographie genau verfolgt, wird man feststellen, dass ich mich erst spät entschieden habe, die Dinge so zu machen, wie ich es jetzt mache. Ich hätte mich in dem vorhergehenden Land nie dafür entschieden, auch nur einen ernsthaften Strich zu machen."


Er brauchte ein offenes, geistiges Klima, sagt er heute, um seine Bildsprache zu entwickeln. Inzwischen zählt Thomas Scheibitz zu den wichtigsten deutschen Malern seiner Generation. Jetzt sind seine Bilder erstmals in der Neuen Nationalgalerie zu sehen.

Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, stellt Thomas Scheibitz in der Ausstellung "BubeDameKönigAss" drei weitere Berliner Künstler seiner Generation gegenüber. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten in der Kunst.

Udo Kittelmann, Direktor Neue Nationalgalerie
"Den Malern geht es vor allem darum, wie kann man heute Malerei machen, ohne dass sie auf die Altvordern in der Historie zugreifen. Vielleicht passt auf die ein wunderbarer Spruch, dass der wahre Avantgardist vergeblich versucht, in eine Schublade zu passen."


Frauenakte in Öl malt zum Beispiel Martin Eder. Es sind Menschen mit all ihren Makeln, die er überlebensgroß abbildet, in makelloser Malerei. Fast kitschig wirken seine Bilder. Aber gleichzeitig auch düster und melancholisch.

Während Martin Eder mit seinen gegenständlichen Motiven der klassischen Malerei noch am nächsten ist, bleiben die Arbeiten von Anselm Reyles meist abstrakt.

Er verwendet Materialien aus der Industrie, wie Lacke und Folien. Komplizierte technische Verfahren ergänzen die handwerkliche Arbeit. Sein Kreuzberger Atelier ist ein mittelständischer Betrieb, in dem Kunst produziert wird. Anselm Reyle hinterfragt mit seinen glänzenden Objekten ironisch die Sehnsucht nach dem Schönen in der Kunst.

Neu erfinden können auch diese Künstler die Malerei nicht. Vieles ist schon mal dagewesen. Auch für Thomas Scheibitz ist die Malerei eine ständige Suche nach dem bislang Ungemalten. Er sucht nach Formen, die uns an etwas erinnern und gleichzeitig überraschen.

Thomas Scheibitz, Künstler
"Der Künstler von heute ist eigentlich verloren, wenn er sich gefunden hat, wenn er einen sogenannten Stil ausgeprägt hat. Dann kann er eigentlich zumachen."


Trotzdem - die Bilder von Thomas Scheibitz sind unverkennbar. Und sie zeigen, wie die gesamte Ausstellung: Die Malerei ist wie eh und je ein Ausdruck ihrer Zeit.


Autorin: Birgit Wolske

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