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Der französische Filmregisseur Denis Dercourt wohnt schon eine Weile in Berlin und scheint eine Vorliebe für deutsche Märchen zu haben. Der Wald, das schöne Mädchen, die Hexe - das alles spielt eine wichtige Rolle in seinem neuen Film, für den er einige der besten deutschen Schauspieler verpflichten konnte.
Alors Mr Dercourt, ihre erste Wahl.
Denis Dercourt, Regisseur
"Wenn das ein Croissant ist, bin ich kein Franzose. Wenn das ein Berliner ist, dann bin ich ein Berliner, ja."
1:0 für Berlin. Seit drei Jahren lebt der Franzose Denis Dercourt in Berlin-Wittenau. Hier hat er das Drehbuch zu seinem neuen Film geschrieben.
Denis Dercourt, Regisseur
"Ich sitze sehr gern hier und arbeite gern hier. Es gibt mir teuflische Ideen."
Denis Dercourt hat offensichtlich Spaß am Bösen und ein düsteres Kammerspiel inszeniert. Anna und Paul sind seit 30 Jahren zusammen - doch nur weil Pauls Freund Georg sie ihm damals überlassen hat. Plötzlich ist der Jugendfreund wieder da.
Filmszene aus "Zum Geburtstag"
"Wann triffst Du ihn denn, deinen neuen Chef? Morgen."
"Weißt Du wie er heißt?"
"Georg Schmidt."
"Doch nicht unser Georg Schmidt von früher?"
Mit ihm kommt die Angst Anna zu verlieren.
Denis Dercourt, Regisseur
"Ich habe mit Angst und Schuld gespielt. Und das ist spezifisch deutsch."
"Zum Geburtstag" ist der erste Film den Denis Dercourt hier gedreht hat. Er ist fasziniert von der Kultur und ihren Eigenheiten. Außerdem wollte er unbedingt mal mit deutschen Schauspielern arbeiten.
Denis Dercourt, Regisseur
"Ich bewundere diese Theatertradition, die heute in Berlin spielt, was wir jede Nacht, jeden Abend auf der Volksbühne oder Schaubühne haben, das ist unmöglich, das ist einzigartig in der ganzen Welt. Als Ausländer wollte ich das ein bisschen in meinem Film haben."
Filmszene aus "Zum Geburtstag"
"Ist das Ihr Auto?"
"Ja. Eine schnelle Runde?"
"Aber nicht zu schnell. Das letzte Mal, als Georg ein paar Kids was gezeigt hat, gab es nämlich einen Unfall. Georg ist nichts passiert, aber die Kinder..."
Eine der Hauptrolle spielt Marie Bäumer, seit zehn Jahren lebt sie auch in Frankreich und hat es genossen mit Denis Dercourt zu arbeiten.
Marie Bäumer, Schauspielerin
"Alle haben ihn geliebt. Einfach diese unabdingbaren Charme, den er in alle Richtungen versprüht. Und das nimmt jeden dann auch, das hebt alles so ein bisschen."
Wenn sie also die Wahl habe, Mr. Dercourt? Binoche oder Bäumer?
Denis Dercourt, Regisseur
"Sie könnten zusammen spielen, aber nicht Freundinnen, wegen Schauspiel bevorzuge ich Maries Schauspiel, die Franzosen mögen sie sehr."
2:0 also.
Schuldgefühle, Andeutungen und Lügen - Denis Dercourt lässt seine Figuren einander umkreisen und belauern.
Denis Dercourt, Regisseur
"Ich schreibe wie ein Musiker, wie ein Komponist, das heißt mit Spannungen und Lösungen, Auflösungen und mit Kontrapunkt und mit Kadenzen und das ist ganz eine Musiker Art und Weise zu schreiben."
Und mit Musik kennt er sich aus: Denis Dercourt war lange Orchestermusiker, bevor er zum Film kam. Er unterrichtet noch heute - und manchmal auch seinen Sohn.
Der ist übrigens 16 und - vielleicht ein Zufall - ebenso alt ist Emelie, die Tochter von Anna und Paul im Film. Und wie im deutschen Märchen wartet draußen die böse Hexe.
Sie scheinen längt in Deutschland angekommen zu sein, Mr. Dercourt. Oder etwa nicht?
Denis Dercourt, Regisseur
"Das ist die Migrantenentscheidung, keine Entscheidung zu treffen. Beide sind schön und es ist schön, dass beide existieren."
Autorin: Vanessa Schneider, Anna Bilger








