- First Ladys

Im Schloss  Bellevue repräsentiert nicht nur der höchste Mann im Staat, sondern automatisch auch immer die Frau an seiner Seite. Ein neues Buch stellt jetzt die elf First Ladys vor, die die Bundesrepublik bis heute erlebt hat.

Barfuss durchs Gras. So läuft sie morgens durch ihren Garten. Als Wilhelmine Lübke dies der Presse erzählt, sorgt das für Aufregung. Ist sie doch die Gattin des Bundespräsidenten. Darf die das - barfuss gehen?

Armin Strohmeyr hat die Lebensgeschichten von elf First Ladies aufgeschrieben.

Armin Strohmeyr, Buchautor

"Man wird in dieses Amt quasi hinein geworfen, wie man ins kalte Wasser geworfen wird. Das Amt der First Lady ist im Grundgesetz nicht vorgesehen, insofern musste sich dieses Amt, das eigentlich keines ist, erst im Laufe der Jahre und Jahrzehnte herausschälen oder besser gesagt: von den ersten First Ladies wurde dieses Amt überhaupt ein Mal mit Leben erfüllt."


Elly Heuss-Knapp ist die erste "First Lady". Sie gründet das Müttergenesungswerk, wird dessen Schirmherrin, alle die nach ihr kommen, übernehmen diesen Job.  

Wilhelmine Lübke brachte hingegen Eleganz ins "Amt" - damals. Und Hilda Heinemann setzte auf Kultur: Sie lud Künstler ein. Was ist das also für ein merkwürdiger Job?

In München sind wir im Bayerischen Hof mit Katrin Sachse verabredet. Sie hat vergangene Woche das Bundespräsidentenpaar nach Frankreich begleitet. Dabei sprach sie mit Daniela Schadt über ihre neue Rolle.

Katrin Sachse, stellvertretende Chefredakteurin "Bunte"

"Früher hieß das mal 'Mutter der Nation', wer will heutzutage die Mutter der Nation sein? Frau Schadt ganz sicher nicht. Sie hat sehr vorsichtig sich in dieses Amt hinein getastet, hat viel beobachtet, sich sicherlich sehr viel Rat geholt und viel gefragt. Und ihre ersten Schritte wirklich mit Bedacht gewählt."

Denn auch das muss gelernt sein: Wie bewegt man sich als Frau des Bundespräsidenten? Stets einen Schritt hinter ihm? Stets milde lächelnd?

Katrin Sachse, stellvertretende Chefredakteurin "Bunte"
"Sie sind erstmal, fast böse gesagt, das schmückende Beiwerk ihrer Männer, sie sollen gut ausschauen, attraktiv sein, aber trotzdem strahlt natürlich ihre Intelligenz, ihre Klugheit, ihre Schlagfertigkeit, ihre Art Konversation zu machen, alles ist wichtig und färbt letztlich auf den Bundespräsidenten ab.
"

Das ist verblüffend: Nur eine Einzige hat weiter gearbeitet: Veronica Carstens. Sie bleibt auch während der Amtszeit ihres Mannes Ärztin. Aber auch diejenigen, die nicht berufstätig sind, haben eine Menge Arbeit. Allerdings unbezahlt.

Christiane Herzog

"Ab halb neun Uhr sitze ich am Schreibtisch. Oder es gibt Termine im Schloss oder auswärts. Um ein Uhr treffen wir uns zu einem kurzen Mittagessen, dann gibt es eine Stunde Mittagspause. Um zwei Uhr geht es weiter wie am Vormittag, entweder Auswärtstermine oder wir haben Gäste hier. Oder es kommt ein Staatsgast."


Armin Strohmeyr, Buchautor

"Die First Lady ist quasi, ja, eine Ersatz-Queen, würde ich sagen. Die ist eben so die große Idealfigur. Es ist tatsächlich so, dass eine First Lady sich zwar einerseits zurückhalten muss, denn sie ist eben nicht Bundespräsidentin, aber andererseits steht sie doch im Licht der Öffentlichkeit."


Die Öffentlichkeit für die gute Sache nutzen: Keine betreibt das intensiver als Mildred Scheel. Ihr Kampf gegen Krebs bringt die Ärztin zuweilen mehr ins Gespräch als ihren Mann.

Mit ihrer zurückhaltenden Art brachte Christina Rau es auf mindestens ein halbes Dutzend Schirmherrschaften und Ehrenämter. Auf sehr unterschiedliche Art machen diese Frauen also schon Politik. Wenn auch nie so richtig offiziell. Wie sehr beeinflussen sie das Wirken ihrer Männer?

Katrin Sachse, stellvertretende Chefredakteurin "Bunte"

"Der Einfluss einer First Lady, auf das wie sich der Bundespräsident nach außen hin gibt und darstellt, der kann extrem groß sein. Und der kann zum Guten hin groß sein, wie wir zum Beispiel sehen bei der Kombination Schadt und Gauck. Und der kann aber auch einschränkend sein, wie ich es bewerten würde bei Bettina Wulff mit Christian Wulff zusammen."


Dieses Kapitel steht für den Fall einer "Prinzessin im Schloss", wie die Yellow Press sie betitelte. Die steile Karriere und der heftige Absturz der Wulffs zeigen auch, was für eine Gratwanderung dieses Amt ohne Amt für die Frau des Bundespräsidenten sein kann.

Zur Zeit haben wir eine "First Freundin". Das scheint ganz gut zu funktionieren. Nur ein "First Sir" war noch nie dabei.


Autorin: Grit Lederer

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