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Sie arbeitete nach Kriegsende als Schauspielerin und Regisseurin am Deutschen Theater, nachdem sie aus dem sowjetischen Exil zurückgekehrt war. Bekannt wurde Inge von Wangenheim als Schriftstellerin in der DDR. Jetzt erinnert ihre Enkelin Laura in einem neuen Fotobuch an die Exiljahre ihrer Großmutter. (Das Video zum Beitrag liegt aus lizenzrechtlichen Gründen leider nicht vor)
Inge von Wangenheim
"Ich bin Berlinerin. Ein Kind der Motzstrasse zu Schöneberg. Diese Straße hat mich geprägt, insofern bin ich ein Kind der Weimarer Republik."
Inge von Wangenheim hat viele Talente: Sie kann schauspielern, malen, fotografieren und wird später eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen der DDR. Verheiratet ist sie mit dem bekannten Schauspieler und Regisseur Gustav von Wangenheim.
Ihre Enkelin will mehr über die Großeltern wissen. Sie recherchiert und findet sensationelle Fotos in der Akademie der Künste und in den Thüringischen Staatsarchiven. Jetzt erscheint ihr Fotobuch "In den Fängen der Geschichte" - mit Fotografien, die ihre Großmutter Inge von Wangenheim im sowjetischen Exil gemacht, aber zu Lebzeiten nie veröffentlicht hat.
Laura von Wangenheim
"Das hat mich total überrascht, und ich habe daraufhin meine Mutter gefragt, und sie hat gesagt, dass sie und ihre Geschwister nichts über das sowjetische Exil erfahren haben. Das war auch ein sehr emotionaler Moment, vor allem meine Großeltern so jung zu sehen."
In Berlin, Anfang der 30er Jahre ist Gustav von Wangenheim Leiter der Schauspiel Agitprop Truppe 31. Seine 17 Jahre jüngere Frau Inge ist als Schauspielerin mit dabei. Nach der Machtergreifung Hitlers wird die Truppe verboten. Gustav von Wangenheim ist überzeugter Kommunist und Jude. Beide gehen 1933 ins sowjetische Exil. Sie sollen in Russland ein deutsches Theater gründen.
Inge von Wangenheim fotografiert den Wandel Moskaus. Viele verlieren damals ihre Wohnung, weil flächendeckend abgerissen wird.
Selten im Stadtbild, aber dafür hat Inge von Wangenheim einen Faibel: Autos aus den USA. Fein beobachtet zeigt sie den Moskauer Alltag: Kinder im Schnee, einen Nachmittag im Zoo.
Inge von Wangenheim am Set bei den Dreharbeiten zu dem Spielfilm "Kämpfer". Ein sowjetischer Widerstandsfilm, an dem deutsche Exilanten mitarbeiten. Regie führte Gustav von Wangenheim. Seine Frau Inge spielt die Hauptrolle.
Der Film "Kämpfer" bedient sich einer heroisierenden Ästhetik. Arbeiter als aufrechte Kämpfer, "sozialistischer Realismus" - und Inge von Wangenheim spielt eine Widerstandskämpferin.
Laura von Wangenheim
"Er hat seine eigene Frau für die Hauptrolle vorgeschlagen, das war natürlich nicht unproblematisch, und da gab es auch viele Neider, und Bertold Brecht wollte ja, dass Helene Weigel die Mutter von Inge spielt, und mein Großvater war der Meinung, dass Helene Weigel zu jüdisch aussieht, und darauf hin hat ihm Brecht 50 Jahre Hass geschworen."
Tiefe Freundschaft verbindet die von Wangenheims mit Ernst Lubitsch. 1936 reist der Regisseur nach Moskau. Inge von Wangenheim fasziniert ihn. Sie ist überzeugte Kommunistin, burschikos - das genaue Gegenteil von Hollywoods Schönheiten. Sie inspiriert ihn zu "Ninotschka", gespielt von Greta Garbo.
Laura von Wangenheim
"Im Nachhinein kann man sehen, wenn man das Zimmer vergleicht, dass das Setting in dem Film fast identisch ist."
Eine winzige Ein-Zimmer-Wohnung: Von der Wohnsituation der von Wangenheims in Moskau angeregt, lässt Lubitsch im Film ständig jemanden durch das Zimmer laufen, der zur Toilette muss.
Ihre Datsche kurz vor den Stalinistischen Säuberungsaktionen. Lange Sparziergänge und ausführliche Gespräche mit Fritz Erpenbeck oder Johannes R. Becher.
Laura von Wangenheim
"Es gab eine sehr große Konkurrenz und Machtkampf um Arbeit, und als dann die Verhaftungen eingesetzt haben, fing ja auch das Misstrauen untereinander an, auch die Deutschen, jeder hat jedem misstraut."
Eines von über 1000 Fotos, das Inge von Wangenheim 1945 von Moskau über Weißrussland nach Berlin rettet, zeigt eine Gruppe von Freunden. Einige Gesichter sind ausgekratzt. Laura von Wangenheims vermutet, sie wurden umgebracht.
Laura von Wangenheim
"Meine Großeltern haben das Schweigegelübde praktisch bis an ihr Lebensende aufrecht erhalten. Anfang der 50er Jahre, Stalin ja noch. Der Stalinismus ging ja praktisch weiter in der DDR."
Nach 70 Jahren erzählen uns nun diese Bilder aus dieser Zeit - in dem außergewöhnlichen Fotoband "In den Fängen der Geschichte". Ein seltenes Dokument über Alltagsleben im sowjetischen Exil.
Autorin: Margarete Kreuzer







