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Zurzeit dreht sich alles um die Politik. Der Berliner Politik-Betrieb spielt auch die Hauptrolle im neuen Roman von Markus Feldenkirchen. In "Keine Experimente" erzählt er vom Scheitern eines konservativen Politikers der in Berlin einen gehörigen Kulturschock erleidet.
Sie ist eines der großen Themen des Wahlkampfs:
Szene Wahlkampfauftritt, Angela Merkel
"Die Kette? Die Ketten? Na, die wähle ich - heute habe ich sie nach den Knöpfen ausgewählt. Also, da es die gleiche Farbe ist – so ungefähr und neulich hatte ich ja so dunkel an und da hab ich ein bisschen Farbe gebraucht und dann hab ich in meinen Kettenkasten geguckt und dann schien mir die schön!"
Halleluja, ein Kettenkasten, eine Raute und ein Stinkefinger. Deutschland im Herbst. Der Wahlkampf ist in der heißen Phase angelangt. Nur, wo fängt eigentlich die Show an? Und wie sieht es wirklich hinter den Fassaden der Macht aus?
Er ist Insider. Markus Feldenkirchen ist Redakteur des "Spiegel", eine Edelfeder, er schreibt die großen Hintergrund-Geschichten und begleitet das Führungspersonal auf Reisen. Aber kommt man da den Akteuren wirklich nah?
Markus Feldenkirchen, Schriftsteller
"Politiker sind meistens so professionell versaut, würde ich mal sagen, dass es wahnsinnig schwer ist, man hat es eigentlich nur mit Inszenierung zu tun."
So war es ihm wichtig, seine Erfahrungen in den Hinterzimmern der Macht, all die Anekdoten und Einblicke, in eine andere Form zu bringen. "Keine Experimente", heißt sein Roman zur Wahl.
Der Abgeordnete Kallenberg kommt aus der Pampa in die Hauptstadt - seine erste Legislaturperiode im Bundestag. Der Mann, Mitte dreißig, hat Ideale, er ist ein überzeugter Konservativer, Familienpolitiker und er ist ein Kämpfer für das "Müttergeld", wie es im Roman heißt.
Leben und die Nöte eines Hinterbänklers.
Markus Feldenkirchen, Schriftsteller
"In erster Linie ging es mir darum, zu zeigen, was eigentlich mit einem Idealisten passiert, wenn er aus dem Sauerland, hier vom Hauptbahnhof kommt, in die Politik marschiert, voller Tatendrang, voller Veränderungswille, voller guten Wünsche für unsere Gesellschaft, seien es jetzt Linke oder Konservative und wie er dann hier an sichtbare oder unsichtbare Mauern stößt."
Hier lernt er, was Pragmatismus und was Inszenierung ist. Der Roman erzählt sozusagen in Echtzeit die letzten Wochen vor der Bundestagswahl, auch in "Keine Experimente" wird am 22. September gewählt. Und es gibt ebenfalls keine Bereitschaft sich mit Inhalten auseinanderzusetzen.
Im Roman heißt es, die Kanzlerin - unschwer als Angela Merkel zu entschlüsseln - lege schwarze Mappen über jeden einzelnen Abgeordneten an.
Feldenkirchen kennt Merkel persönlich, er sitzt mit ihr auch mal in kleiner Runde zusammen, und er hört in der Polit-Kantine "Cafe Einstein" aufmerksam zu. Ist das also wahr - mit den Mappen?
Markus Feldenkirchen, Schriftsteller
"In der Union gibt es Leute, die erzählen, dass Angela Merkel schwarze Mappen hat, das sagt viel darüber aus, was diese Leute Angela Merkel zutrauen."
Im Roman verschwindet der Abgeordnete Kallenberg von einem Tag auf den Anderen. In seinem Büro hinterlässt er einen Zettel mit nur vier Worten. Es wird in alle Richtungen ermittelt. In Rückblenden erzählt Feldenkirchen, wie sich Kallenberg verrannte mit seinen konservativen Positionen und mit seinem Antrag auf Müttergeld.
Und wie er sich in die Kreuzberger Feministin Liane verliebte, die sein Leben völlig durcheinanderbringt: ein sexuelles Erweckungserlebnis.
Vor seinem Verschwinden bestellt die Kanzlerin den Abweichler zum Rapport, es gibt Eierlikör – die zentrale Szene dieses "Schlüsselromans". Eine Privataudienz für einen Hinterbänkler?
Markus Feldenkirchen, Schriftsteller
"Ich weiß von der jetzigen Bundeskanzlerin, Einzelgespräche sind das große Mittel um den kleinen Abgeordneten, der da mal testen will, wie weit er gehen kann mit seiner abweichenden Meinung auch zu disziplinieren. Und die finden im Kanzleramt definitiv statt."
Lesung Markus Feldenkirche aus "Keine Experimente"
"Eierlikörchen?“ Kallenberg sah sie verwundert an. "Einen könnten wir uns jetzt genehmigen." Sie blickte auf ihre Armbanduhr, es war gerade sechs Uhr durch. Sie nickte zufrieden. "Ich trinke jeden Tag meinen Eierlikör."
In der heutigen Zeit fehlen Menschen mit Idealen, das ist die Botschaft von Markus Feldenkirchen. Mehr Haltung wäre wichtig in der Politik - Idealisten eben, egal welcher Couleur.
Autor: Sascha Hilpert







