- Sammler-Nachwuchs auf der Berlin Art Week

Die "Berlin Art Week" ist DAS Kunstereignis des Jahres. Überall in der Stadt locken Museen, Galerien, Künstler die Kunstinteressierten aus aller Welt. Doch wer behält da überhaupt noch den Überblick? Nicht nur die Kunst – auch das Kunst-Sammeln will gelernt sein. Die Nachwuchs-Sammlerin Karoline Pfeiffer führt durch die diesjährige Berlin Art Week.

22 Ausstellungen, an die Hundert Galerien, tausende Künstler und noch mehr Kunstwerke. Wie soll man sich da entscheiden? Wie findet man DAS Kunstwerk, das einem nicht nur gefällt, sondern das man auch kaufen würde? Die angehende Sammlerin Karoline Pfeiffer nimmt uns mit auf ihren Streifzug über die Berlin Art Week.

Erste Station: ihre Lieblingsgalerie, Alexander Levy in Mitte. Hier ist die Ausstellung der Berliner Künstlerin Sinta Werner zu sehen. Die dreidimensionale Collage gefällt Karoline Pfeiffer sofort. Sie mag Kunst, die minimalistisch ist und sie zur Ruhe bringt.

Karoline Pfeiffer, Kunstsammlerin
"Ganz besonders finde ich hier die Dreidimensionalität, diese ganz vielen Farbtöne, die gar keine sind, es gibt kein Rot, kein Grün, aber es gibt ganz viele Grautöne, die vom Schwarz ins Weiß führen und das hat für mich unheimlich viel Spannung."

Weiter geht es auf der Kunstmesse "Preview". Hier kann man noch Entdeckungen machen. Karoline hat Kunstgeschichte studiert und möchte jetzt eine eigene Sammlung aufbauen. Sie hat zwar kein großes Budget, dafür aber viel Leidenschaft.

Auf der Kunstmesse fallen ihr die Bilder von Ray Malone auf. Auf den ersten Blick nur Striche. Aber bei Karoline bringen sie sofort etwas zum Klingen.

Matthias Seidel, Galerist
"Wenn Sie Fragen haben zu dem Künstler, können Sie mich gerne ansprechen."

Karoline Pfeiffer, Kunstsammlerin
"Ja, das interessiert mich sehr, das sind ja wirklich schöne, zarte Arbeiten."

Matthias Seidel, Galerist
"Diese Serie heißt Passacaglia, das ist ein spanischer Tanz."

Karoline Pfeiffer, Kunstsammlerin
"Das ist sehr imponierend, dass sie sagen, das kommt aus dem Tanz. Weil ich ursprünglich auch aus dem Tanz komme und ich war von diesen Werken sofort angesprochen, aber unterbewusst, weil sie mich zum Tanzen gebracht haben."

Sie hat Glück – und kann ihre Fragen nicht nur an den Galeristen, sondern direkt an den Künstler stellen.

Karoline Pfeiffer, Kunstsammlerin
"Wie lange haben sie für einen Strich gebraucht?"

Ray Malone, Künstler
"Das hängt davon ab wie schnell oder wie ich das mache. Meistens ganz langsam."

Auch eine Begegnung mit dem Künstler kann bei der Kaufentscheidung helfen. Und mit 1500 Euro liegen die Bilder von Ray Malone im Budget von Karoline.

Karoline Pfeiffer, Kunstsammlerin
"Dass der Künstler dann noch irgendwie sehr sympathisch war haben dann natürlich irgendwie noch einen on top gesetzt, aber letztlich meine eigene persönliche Entscheidung nicht beeinflussen, sondern dann versuche ich wirklich bei mir zu bleiben und noch mal mit dem Kunstwerk alleine zu sprechen und irgendwie Kontakt aufzunehmen, ob das was wär für meine Wohnung und mit dem ich auch noch in fünf Jahren leben könnte."

Karoline kauft Kunst nicht als Geldanlage. Sie sammelt, was sie magisch anzieht. Aber weil sie sich gut auskennt, kann sie sich auf ihr Gespür verlassen.

Diese Fotografie ist ihr sofort aufgefallen, sie ist von dem angesagten Fotokünstler Josef Fischnaller.

Karoline Pfeiffer, Kunstsammlerin
"Irgendwie fand ich das spannend, ich fand das humorvoll, das ist für mich auch sehr ästhetisch gelungen, und die Person, die darauf dargestellt wird ist allerdings auch eine Frau, oder ein Mädchen, was man aber nicht zuerst erkennt, die hat mich irgendwie mit ihren Augen gefesselt."

Was ist gute Kunst und was ist sie wert? Das entscheidet für Karoline Pfeiffer am Ende allein das Bauchgefühl.


Autorinnen: Vanessa Loewel, Vanessa Schneider

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