Dirigentin Kristiina Poska (Quelle: rbb)

- Kristiina Poska

Sie ist 35 Jahre alt und hat eine der letzten Männerbastionen erobert. In diesem Jahr hat Kristiina Poska den Deutschen Dirigentenpreis gewonnen - als erste Frau überhaupt. Poska kommt aus Estland, aber ihr Handwerk hat sie in Berlin gelernt.

Kristiina Poska, Dirigentin
"Für mich ist das ein wunderbarer energetischer Zustand, wo mehrere Menschen zusammen kommen und Musik machen. Das ist etwas Einmaliges und nur zusammen Musizieren kann so was bieten. Ursprünglich dachte ich nicht unbedingt, dass ich da vorne sein muss. Mir ist wichtig, ein Teil davon zu sein. Aber das selbst nach meinem eigenen Konzept zu gestalten, das ist natürlich sehr schön."

Eigentlich ist Kristiina Poska gesundheitlich angeschlagen. Doch das lässt sie sich nicht anmerken. Wochenlang hat sie geprobt mit dem Orchester und den Sängern der Komischen Oper. Eine anstrengende Arbeit. Für Kristiina Poska aber ist sie das Schönste was es gibt. Ohne diese Liebe zur Musik würde sie so ein Pensum wohl nicht durchhalten.

Kristiina Poska, Dirigentin
"Für mich beim Dirigieren allgemein ist das Wichtigste, dass ich bin, so wie ich bin. Ich glaube, das ist der einzige Weg einen direkten, ehrlichen Zugang zur Musik und zum Musikmachen zu gewinnen. Jede Haltung, die künstlich ist, hindert das."


Zielstrebig ist sie schon, aber auch unglaublich sympathisch und natürlich. Wahrscheinlich ist es diese Mischung, die ihr Autorität verleiht. Sich vor ein Orchester zu stellen und die Richtung vorzugeben - nur wenige Frauen haben das bislang geschafft in einem von Männern dominierten Beruf.

Kristiina Poska, Dirigentin
"Ich bin dafür, dass die Gesellschaft sich so ändert, dass die Bedingungen für die Frauen da sind, dass jeder Mensch, egal Frau oder Mann, das machen kann, was er will und seinen Wünschen nachgehen kann, so wie er will. Da sind keine Quoten nötig, sondern die Einstellungen in den Köpfen der Menschen."


Vor zehn Jahren kam Kristiina Poska aus einem kleinen Städtchen in Estland nach Berlin. Im Land der klassischen Musik wollte sie studieren.

Kristiina Poska, Dirigentin
"Ich glaube, das ist wirklich einer der besten Orte, wo man klassische Musik studieren kann. Deshalb wollte ich unbedingt nach Deutschland. Aber nach Berlin bin ich nur nach Bauchgefühl gekommen. Ich dachte, hier sind drei große Operntheater, hier gibt es die Berliner Philharmoniker und das ganze wunderbare kulturelle Angebot, das die Stadt anbietet. Hier kann man nicht viel falsch machen. So ist das auch, so war es auch. Ich bin sehr froh, dass ich gerade nach Berlin gekommen bin."


Seit einem Jahr ist sie Erste Kapellmeisterin an der Komischen Oper. In diese Spielzeit  startet sie mit Benjamin Brittens "Ein Sommernachtstraum". Eine märchenhafte Oper mit verwirrender Handlung - frei nach Shakespeares tragi-komischem Schauspiel. Romantische Melodien verwendet der Komponist ebenso wie Barockmusik und rhythmischen Sprechgesang - all das verlangt viel vom Orchester und seiner Dirigentin.

Kristiina Poska, Dirigentin

"Das ist eine der schwierigsten Partituren, die ich je in Händen hatte. unglaublich kompliziertes Stück, 500 Seiten, sehr viele schwierige Übergänge. Die ganze Musik ist kaleidoskopisch. Die Stimmungen, Szenen, Farben wechseln sehr schnell und es ist eine große Herausforderung."


Genau das Richtige also für Kristiina Poska, die für ihre Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Sicher dirigiert sie das Orchester durch die schwierige Partitur. Wer ihr dabei zuschaut, sieht mit welcher Begeisterung sie dies tut. Übrigens: das alles macht Kristiina Poska mit links.


Autorin: Birgit Wolske

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