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Die Fotografin Esther Friedman lernte Iggy Pop bei einer Modenschau in Berlin kennen. Esther und Iggy wurden ein Paar, wohnten zusammen in der Hauptstraße 155 und gingen auf Reisen. Ein Buch dokumentiert ihren gemeinsamen Alltag, die Tourneen, die Bühnenauftritte und die Stationen ihrer Reisen.
Er ist der Erfinder des Punkrock und eine Kultfigur, von Anfang an mit nacktem Oberkörper am Start, geht Iggy Pop auch noch mit Ende 60 ans Limit. Eigentlich heißt er Jim Osterberg und der Durchbruch gelang ihm in seinem Berliner Exil - Ende der 70er.
Und sie ist sieben Jahre lang die Frau an seiner Seite: Esther Friedman. Es ist eine große Liebe, die in Berlin ihren Anfang nimmt und sie gemeinsam in die ganze Welt führt.
Esther Friedman ist 19, als sie ihn in West-Berlin kennenlernt. Nach über 30 Jahren veröffentlicht sie nun erstmals ihre gesammelten Fotografien: "The Passenger" heißt der Bildband.
Esther Friedman, Fotografin
"Für mich war das eine amour fou, weil ich nur ihn fotografiert habe. Im Grunde genommen war mir alles andere egal. Ich wollte nur immer ihn fotografieren, war mir wurscht ob seine Eltern da waren oder Bowie oder Hinz und Kunz. Ich habe die Kamera nur auf ihn gezielt."
Die narbige Stadt: Zufluchtsort für Überlebenskünstler und eben auch für Bowie und seinen Freund Iggy, der in dessen Schlepptau nach Berlin zieht.
Ester Friedmann lebt heute als Galeristin in Frankfurt, 30 Jahre lang hat sie diesen Ort gemieden: Die Hauptstraße in Schöneberg, das Neue Ufer, heißt damals "Cafe Anderes Ufer", hier waren sie Stammgäste, und nebenan in der Nummer 155 wohnen sie.
David Bowie im Vorderhaus, sie und Iggy im Seitenflügel. Esther Friedman hat eigentlich Angst vor so viel Nostalgie.
Esther Friedman, Fotografin
"Es gab hier keine Klingeln, aber das war der Eingang, jawohl - hat sich nicht viel verändert. Und unser Fenster ging hier, zweiter Stock, und da haben wir draufgeschaut, das ist die Brandmauer."
Ein tristes, graues Berlin und ein bescheidenes Zuhause war das damals. Iggys erste eigene Wohnung - sein ganzer Stolz, er besorgt Möbel und Esther näht die Kissen. Zu Hause ist er sehr ruhig, liest viel, will niemanden sehen, ist keiner, der abends Dinner Partys gibt.
In den legendären Hansastudios direkt an der Mauer nimmt Bowie "Heroes" auf und Iggy Pop sein Album "Lust for Life". Den Song "China Girl" schreiben sie 1976 zusammen, und Iggy gelingt ein weltweites Comeback.
Und immer dabei: seine Freundin Esther - auf Tour und Zuhause in Berlin.
Esther Friedman, Fotografin
"Ich meine, ich habe lange hier gewohnt und trotzdem fühlt es sich surreal an, vor allem dass es noch so viele Leute interessiert, dass ist ja das Surreale."
Der Song "The Passenger" ist längst weltberühmt - eine Hymne, die wesentlich mehr mit dem Berliner Nahverkehr zu tun hat, als man bisher dachte.
Esther Friedman, Fotografin
"Es war eine Inspiration für das Lied, weil er eben damals sehr viel U-Bahn und S-Bahn gefahren ist."
Aber das Leben mit einem Rockstar ist nicht immer einfach. Esther Friedman ist verliebt, blauäugig und völlig naiv, sagt sie. Und die Touren? Strapaziös mit all den Groupies und Demütigungen.
Esther Friedman, Fotografin
"Ich wusste, das gehört zum Business dazu, und nach einer Weile bin ich auch nicht mehr mit getourt, ich bin dann hier in Berlin geblieben. as ich nicht weiß - so nach dem Motto. Er ist immer nach Hause gekommen, also insofern."
Sie sind zwei Heimatlose, die sich finden und die sich nach sieben Jahren wortlos wieder verlieren. Esther Friedmann steht stets in seinem Schatten - haltlos. Sie ist ungeschützt, als sie mit Neunzehn nach Berlin kommt, ihre Mutter verstorben und ihr Vater hat die Hölle erlebt.
Esther Friedman, Fotografin
"Mein Vater war in Auschwitz, der hat Auschwitz sogar überlebt. Und mehr hat mein Vater nie darüber gesprochen, also man hat nie was aus ihm... Ich weiß nur, der hatte eine Nummer an seinem Arm, und wenn meine Freunde, als wir klein waren, ihn immer gefragt haben: Mr. Friedman, Mr. Friedman? - hat er immer gesagt: das ist meine Telefonnummer, hat er immer gesagt."
Mit einer erschütternden Familiengeschichte im Nacken war es wohl auch dieses Gefühl der Rastlosigkeit, das die zwei verbunden hat. Esther und Iggy - und ihre gemeinsame Passage.
Autor: Sascha Hilpert








