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Außenseiter und Anti-Helden scheinen dem Schauspieler Tom Schilling zu liegen. Zum 200. Büchner-Geburtstag wagt er sich an den Woyzeck - einen sehr modernen Woyzeck im harten Alltag von Berlin-Wedding.
Tom Schilling, Schauspieler
"Das ist für mich als Schauspieler sehr interessant. Jemand, der am Ende des Stücks oder des Films seine Freundin umbringt, da muss natürlich was schief gelaufen sein. Und das zu ergründen, was das ist - wie jemand so verzweifelt sein kann, dass er zu diesem Schritt greift - das ist per se für einen Schauspieler interessant."
Als Georg Büchner Anfang des 19. Jahrhunderts die Figur des Woyzeck erfand, waren es noch Erbsen, jetzt nimmt er Amphetamine. Der Regisseur hat die Handlung in das heutige Berlin verlegt.
Er nimmt an einer Medikamentenstudie teil, um Geld nach Hause zu bringen - mit fatalen Nebenwirkungen.
Von seinen Kollegen beim Reinigungstrupp in der U-Bahn verhöhnt, von seiner Freundin betrogen, verliert Woyzeck immer mehr die Kontrolle über sein Leben. Ein harter und schonungsloser Film über Wahn und Abgründe am Rand der Gesellschaft.
Tom Schilling, Schauspieler
"Ich bin mir auch sicher, dass das vielen nicht gefallen wird, wie wir das umgesetzt haben, solange ich aber fühle, dass ich da richtig gehandelt habe - und ich muss dazu sagen, dass mir der Film richtig gefällt - ist mir das ein Stück weit egal."
Tom Schilling mag diese Figuren, die zweifeln oder auch verzweifeln, und er ist für diese Rollen in letzter Zeit mit Film- und Fernsehpreisen überschüttet worden. Sein Rezept gegen den Erfolgsdruck: sich treu bleiben.
Tom Schilling, Schauspieler
"Sobald ich eine innere Wahrheit oder etwas Besonderes in einer Figur erkenne, bin ich interessiert, und dann ist das egal, ob das Mainstream ist oder ein kleines Nischenprogramm ist, und ich glaube, dass mir auch weiterhin solche Filme wie der 'Woyzeck' zugetragen werden. Irgendwie habe ich mich da ein bisschen etabliert, als der Mann für die schwierigen Figuren.“
In seinem Woyzeck haben Gangs das Kommando übernommen, eine drastische Zuspitzung.
Tom Schilling, Schauspieler
"Ich finde die Idee mutig und radikal, sicher auch für manche Bildungsbürger, die den Film gesehen haben, ist das ein kleiner Affront, weil es für sie latent ausländerfeindlich wirkt. Ein Vorwurf, den ich allerdings nicht teilen kann, denn wenn man genauer hinschaut, dann ist es am Ende des Tages, wenn es überhaupt eine Anklage ist, dann ist es eine Kritik an der misslungenen deutschen Integration."
Tom Schilling selbst ist Familie wichtig, er hat eine kleine Tochter und versteht die Sehnsucht, alles für die Familie geben zu wollen.
Tom Schilling, Schauspieler
"Ich glaube, die Sehnsucht nach Harmonie und familiärer Geborgenheit tragen wir wahrscheinlich alle in uns. Bei Woyzeck ist es noch so, dass er sich in seiner Paranoia in das Idealbild von dem Haus, der Familie auch verrennt und gar nicht mehr richtig gucken kann."
Autor: Lutz Ehrlich








