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Eine ungewöhnliche Freundschaft: Said, ein Rapper mit arabischen Wurzeln, war obdachlos, dealte mit Drogen und saß im Gefängnis. David Barenboim hingegen ist Jude, hat an den besten Schulen gelernt und ist der Sohn eines Stardirigenten. Heute ist er Produzent. Beide haben jetzt gemeinsam ein Album produziert.
Saids Songs sind Splitter seiner Biographie. Als Jugendlicher lebt er auf der Straße, dealt und landet im Knast. Sein neues Album "Zum Leben verurteil" hat David Barenboim - alias KD Supier - produziert. Der 30jährige ist der Sohn von Stardirigent Daniel Barenboim.
Während Said sich als Kleinkrimineller durchschlägt, studiert er in Boston Musik. Doch es gibt noch mehr Unterschiede: Davids Familie ist jüdisch. Said ist Muslim, sein Vater stammt aus Syrien. Ein Clash der Kulturen. Ihre Freundschaft hat das aber nie getrübt. Im Gegenteil.
Said, Rapper
"Ich mache da sowieso keine Unterschiede. Ich meine, ich bin selber nur halb Araber so, ich bin nirgendwo richtig angekommen, für die Araber war ich irgendwie der Deutsche und für die Deutschen war ich irgendwie immer der Araber."
David Barenboim. Musikproduzent
"Ich habe aber auch nie das Gefühl gehabt, dass ich zu irgendeiner Gruppe wirklich gehöre, weil meine Mutter ist Russin, mein Vater ist aus Argentinien, ich bin Jude, ich bin in Paris geboren, wo? Wo zuhause?"
Der ewige Außenseiter sein - das schweißt zusammen. Seit sechs Jahren sind die beiden befreundet. Sie haben viel voneinander gelernt, David erzählt, wie er Said beigebracht hat, sich selbst zu organisieren. Heute zeigt Said David seinen alten Kiez. In dieser Neuköllner Wohnung hat er mit seiner Mutter und Oma als kleiner Junge gewohnt. Mit 12 Jahren reißt er von Zuhause aus.
Said, Rapper
"Ich wollte erst mal atmen, ich habe mich auf jeden Fall gefühlt, als würde ich ersticken da oben in der Wohnung. Ich wollte atmen, und draußen konnte ich atmen, und draußen war ich mein eigener Chef, draußen war ich auch mal so in Ordnung wie ich war, da gab es nicht viele Leute, die was auszusetzen hatten an mir."
Weiter geht es zu Saids alter Schule. Eine von vielen. Einen Abschluss hat der Musiker nicht. Immer wieder fliegt er von der Schule, weil oft grundlos seine Mitschüler verprügelt.
Said, Rapper
"Ich habe die mit einbezogen, indem ich die geschlagen habe. So habe ich das erste Mal das Gefühl gehabt, dass ich mit denen auf einer Stufe bin, es geht uns jetzt beiden Scheiße so - einfach nur den Schmerz teilen mehr oder weniger. Es hätte sich sonst auch keiner für interessiert, wenn ich nicht irgendwie aufgefallen wäre, hätte es doch keinen interessiert. Ich hätte doch irgendwo verrecken können, wäre denen doch Scheiß egal gewesen allen."
Said, Rapper
"Auch wenn es dauert werde ich durch jeden Fehler schlauer - denn auf Dauer kann ich nicht leben mit der Gosse."
Von seiner harten Jugend erzählt Said in seinen Songs. Er liefert die Texte, David steuert die Beats bei.
David Barenboim, Musikproduzent
"Okay, das war cool, aber die zweite Strophe war immer noch ein bisschen zu hektisch, das muss noch ein bisschen laid back auf dem Beat, okay."
Saids Musik wirkt sehr authentisch. Er rappt sich den Schmerz von der Seele. Statt prolligem Gangster-Rap setzt er auf Musik mit Tiefgang.
David Barenboim, Musikproduzent
"Die meisten anderen glorifizieren nur die flashigen Sachen - große Autos, Frauen, Geld. Aber die zeigen dir nie die Schattenseiten, und er hat das auf jeden Fall erlebt, er hat die Höhen und die Tiefen erlebt."
Said, Rapper
"Ich erzähle einfach von meinem Leben so und ich rappe halt, das sind halt so die Zusammenhänge irgendwie. Ich würde es nicht schon gleich wieder in diese Gangsterrap-Sparte... ich kann mich damit immer so schwer anfreunden."
David Barenboim, Musikproduzent
"Reality-Rap."
Ihr Reality-Rap ist das Ergebnis einer ganz besonderen Freundschaft, die trotz kultureller und sozialer Gegensätze schon seit Jahren besteht. Denn für Said und David zählt nur eins: ihre Musik.
Autorin: Kathrin Schwiering







