- Anton Graff

Seine Portraits von Schiller oder Friedrich dem Großen sind in jedem Geschichtsbuch zu finden. Anton Graff zeichnete Könige, Fürsten, Dichter, Denker und Schauspieler des späten 18. Jahrhunderts. Seine Bilder sind in einer neuen Ausstellung in der Alten Nationalgalerie zu sehen.

Dieser Blick ist magisch. Augen, die offen und freundlich den Betrachter anschauen. Ein Blick voll inniger Liebe und Zärtlichkeit.

Es ist das Bildnis der 18-jährigen Elisabeth Sophie Auguste, der jungen Frau des Malers Anton Graff. Porträtiert hat er sie im Jahr ihrer Hochzeit.

Birgit Verwiebe, Kuratorin
"Graff hatte die Gabe, präzise sein Gegenüber zu beobachten. Nicht nur das Äußere zu sehen und darzustellen, sondern die menschliche Essenz zu erkennen und darzustellen zu können, also das Wesen, den Geist."


140 Werke des Schweizer Malers Anton Graff sind jetzt in der Alten Nationalgalerie zu sehen. Ein Who is who des 19. Jahrhunderts hängt hier an den Wänden.

Graff malte die wichtigsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Dichter, Denker, Aristokraten und wohlhabende Bürger. Sie alle wollten sich von ihm portraitieren lassen. Lebendig, natürlich, ohne Pomp und Standesdünkel.

Birgit Verwiebe, Kuratorin

"Er war technisch so gut, dass er schnell malen konnte. Er hat auf Reisen gemalt, ist den Leuten begegnet, hat sie skizziert und später ohne dieses Gegenüber die Bilder im Atelier vollendet. So konnte er diesen vielen Wünschen halbwegs gerecht werden."

Anton Graff mit 30 Jahren. Es ist der Beginn seiner Karriere. Graff wird Hofmaler in Dresden.

Nebenbei übernimmt er Porträtaufträge, reist oft nach Leipzig oder Berlin. Im Hause des Philosophen Sulzer lernt er seine spätere Frau kennen, gründet eine Familie, die er immer wieder malt.

Graff trifft die Großen seiner Zeit. Daniel Chodowiecki. Maler und Kupferstecher. Friedrich Schiller, der während des Porträtierens angeblich kein Sitzfleisch hatte. Henriette Herz, in deren Berliner Salon sich die wichtigsten Aufklärer trafen. Der Philosoph Moses Mendelsohn. Oder Gotthold Ephraim Lessing, der sich auf dem Bild zu freundlich fand. Gesichter einer Epoche.

Birgit Verwiebe, Kuratorin
"Es gab diesen aufkommenden Freundschaftskult der Aufklärer, die sich entwickelnden Netzwerke der Aufklärer, die intensiv miteinander kommuniziert haben. Die wollten alle gerne ihre Freunde - der Beginn von Facebook - um sich versammelt haben. Die haben die Bildnisse ihrer Kollegen und Gleichgesinnten um sich herum, in ihren Wohnräumen aufgehängt."


Vielfach wurden diese Porträts reproduziert, in Büchern gedruckt, als Geschenk verschickt. Graff fertigte Kupferstiche und Zeichnungen an, die weit verbreitet waren.

Eines der berühmtesten Graff-Gemälde zeigt Friedrich den Großen. Getroffen hat er ihn persönlich nie. Während einer Parade skizziert Graff den König und malt das Porträt später.

Friedrich Wilhelm dagegen sitzt ihm Modell. Der Monarch ist es auch, der Graff an den preußischen Hof holen will. Doch der lehnt ab.

Nicht jeder kann sich ein Bild von Graff leisten. Berechnet wird der Preis nach Größe und Aufwand. Ein Bild mit Hand kostet 50, mit zwei Händen 100 Taler.

Meist konzentriert er sich aber auf das Gesicht, den Blick, die Augen als Spiegel der Seele. Wohlwollend porträtiert er die Menschen, zeigt das Gute, Schöne, das Edle ihres Charakters. Wie einen Schatz will er ihn heben und auf die Leinwand bannen.

Am Ende seines Lebens werden die Augen schwach, das Sehen fällt zunehmend schwer. Ein letztes Mal malt er sich selbst, studiert das alternde Gesicht. Anton Graff hinterlässt 2000 Werke. Bilder von zeitloser Würde.


Autorin: Birgit Wolske

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