- Hotel Bogota

Es ist ein Stück Berliner Kulturgeschichte: Das Hotel Bogota in Berlin-Charlottenburg wirkt wie aus der Zeit gefallen, mit seiner bewegten Geschichte, seiner Patina und seinem Charme. Doch jetzt ist Schluss - das Hotel Bogota muss schließen. (Das Video zum Beitrag liegt aus lizenzrechtlichen Gründen nicht vor.)

Dieses Hotel atmet Geschichte. Statt Hochglanz und Coolness, Charme und Erinnerung im alten Westen Berlins. Intimität - leicht angestoßene Eleganz.

Das Hotel Bogota ist ein Haus voll von Legenden. Ein Hotel, das seit 37 Jahren familiär geführt wird, wo Mensch und Haus zusammengewachsen sind.

Joachim Rissmann, Inhaber Hotel Bogota
"Berlin ist immer dieser Ort für mich gewesen. Wir haben eine Wohnung gehabt hier in der Schlüterstrasse, aber ich war täglich in diesem Haus. Alles was ich mit Berlin verbinde, wohnen, arbeiten, war immer hier."


Hier ist der dekadente Pomp der reichen wilhelminischen Hauptstadt zu spüren, aber auch die Schrecken im Dritten Reich.

Ursprünglich war das Hotel nämlich gar kein Hotel, sondern ein Wohnhaus. Die Domizile messen 300 bis 500 Quadratmeter, hohe Decken, herrschaftliche Räume. Im Erdgeschoss wohnte der jüdische Unternehmer Oskar Skaller. Seine Tanzfeste sind berühmt. Sogar Benny Godmann spielt hier Swing.

Ilja Richter kennt das Hotel seit Kindesbeinen, gerade dreht er einen Dokumentarfilm über sein "Hotel".

Ilja Richer, Schauspieler

"Ich konnte mich schon zu diesem Zeitpunkt daran erinnern, dass ich schon als kleiner Junge, als wir noch in der Lietzenburgerstaße wohnten, dieses Hotel immer wahrgenommen habe als eine Selbstverständlichkeit. Das Bogota gab es in meiner Kindheit immer. Ich kann sogar schildern, wie es aussah, als der DGB kurz drin war, da war dann der Frühstücksraum da vorne eine Kneipe, ein Lokal."


In der vierten Etage wohnte und arbeitete die avantgardistische Fotografin Yva auf zwei Etagen. Sie hatte nur zwei Lehrlinge. Einer war ihr Neffe: der 17 jährige Helmut Neustädter, der sich später Newton nannte. Yva war ein Star Mitte der 20er Jahre, setzte Frauen selbstbewusst in Szene. Yva starb im Konzentrationslager, Helmut Newton gelang die Flucht ins Exil.

Die Nazis enteigneten das Haus, 1942 zog die Reichskulturkammer ein mit der Abteilung Filmkammer.

Originalton Radio
"Zur Eröffnung des neu gegründeten Filmclubs in der Schlüterstrasse in Berlin hatten sich Alliierte, Offiziere und viele Bekannte deutscher Künstler von Bühne und Film eingefunden."

Ilja Richer, Schauspieler
"Meine Mutter hat hier gewohnt, mehrere Jahre. Ungewöhnlich, weil sie das Hotel mal betreten hatte als Jüdin in der Nazi-Zeit, um in dieser Reichskulturkammer einen Juristen aufzusuchen. Der galt als judenfreundlich, und da wollte sie sich von ihm arisieren lassen. Das hat nicht geklappt, aber er hat sie nicht verhaften lassen."

Neben dem Schrecken weht Nostalgie. Gerade Kunstschaffende lieben das Ambiente, das Altmodische und Kuriose.

Jedes der 123 Zimmer ist anders.

Joachim Rissmann, Inhaber Hotel Bogota
"Ich glaube, dasselbe was alle geschätzt haben, die es geschätzt haben, man muss sagen es gab auch Gäste, die es nicht geschätzt haben, weil es alt ist, weil es nicht neu ist, weil der Boden knarzt. Aber genau das, diese Atmosphäre, dieses Authentische an verschiedenen Plätzen, das ist was die Leute geschätzt haben."


Diese Individualität mag auch der Fotograf Rainer Strzolka. Er fotografiert jedes Zimmer, jede Ecke und jeden Winkel des Hotels. Bald sind seine Bilder in einem Fotoband zu sehen.

Aber alles hat seine Zeit. Ende November schließt das Bogota. Joachim Rissmann kann die Miete nicht mehr zahlen. Schluss. Aus. Ende.


Autorin: Yvonne von Kalinowsky

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