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Die moderne Bilderbuchfamilie: Vater Konrad kümmert sich um Kinder und Haushalt, Mutter Christine macht als Karriere als Ärztin. Aber kaum will Konrad wieder zurück in seinen Job als Theaterregisseur, geht das Chaos los. Der Film "Eltern" ist ein amüsanter wie realistischer Blick auf eine Generation, die versucht, den Spagat zwischen Kindern und Karriere hinzubekommen.
Beginnen wir mit dem Scheitern: Da sind also Konrad und Christine, ein Paar mit zwei Kindern, sie Ärztin, er Theaterregisseur. Irgendwann ist ihnen ihr Leben als berufstätige Eltern über den Kopf gewachsen. Und jetzt fragen sie sich, ob sie noch um- oder schon gegeneinander kämpfen.
Robert Thalheim, Regisseur
"Ich kenne Beziehungen, die auseinandergeflogen sind wegen dem BVG-Streik. Weil dann plötzlich ein Element in dem Ganzen - dann holt der den vom Sport ab und fährt dann zum Kindergarten, dann kann ich da zur Arbeit und so - nicht mehr hinhaut. Das ist so eine Managementaufgabe. Und wenn die dann einmal schief läuft, dass plötzlich alles rausbricht, was seit Jahren unterdrückt ist. Das kann vorkommen."
Der Film "Eltern" erzählt vom Drahtseilakt der modernen Familie. Von Konrad, dem Vorzeige-Papa, der zu Hause geblieben ist, um seiner Frau den Rücken freizuhalten. Für seine Kinder und die Mütter aus der Kita ist Konrad ein Held.
Doch als er wieder zu arbeiten beginnen will, stürzt das Bilderbuchmodell in sich zusammen.
Regisseur Robert Thalheim lebt das, wovon er da erzählt, jeden Tag. Als sein erster Sohn geboren wurde, hat er sich ganz selbstverständlich die Elternzeit mit seiner Frau geteilt. Es lief gerade gut, seine ersten Filme waren gefeiert worden. Und trotzdem erfasste ihn bald eine große Unsicherheit.
Robert Thalheim, Regisseur
"Ich kenne so sehr gut das Gefühl - in der Zeit, in der ich zu Hause geblieben bin, wo ich Elternzeit gemacht habe, wo man sagt, das ist ein großes Geschenk, dass man diese Zeit hat, mit den Kindern, auf dem Spielplatz. Und auf der anderen Seite denkt man: Puh, alle anderen machen jetzt gerade Karriere, drehen den nächsten Film. Verpasse ich jetzt den Anschluss? Komme ich nicht weiter?"
Konrad kriegt nach seiner Auszeit noch einmal eine Chance am Theater. Doch das zur Kinderbetreuung engagierte Au-Pair-Mädchen erweist sich als Totalausfall. So steuern Inszenierung und Familienleben gleichermaßen in die Katastrophe.
Das mühsam austarierte Modell der modernen Familie zerbricht an Lappalien, an nicht eingehaltenen Absprachen und verpassten Abhol-Zeiten. "Wir kriegen das schon hin" haben sie sich mal geschworen. Doch genau das tun sie nicht.
Charly Hübner, Schauspieler
"Was ich so toll finde an dem Film, ist, dass er von innen heraus was nach außen erzählt, was letzten Endes die großen Fragen an unsere Gesellschaft stellt: Muss ich mich selbstverwirklichen? Was ist Selbstverwirklichung überhaupt? Muss ich immer nur mein Ego durchziehen? Sind die Kinder nicht wirklich Schutzbefohlene?"
"Eltern" ist das Porträt einer Generation, die glaubte, es besser machen zu können. Und deren Lebensentwurf nun vom ersten Alltagssturm hinweggefegt wird. Sie wollten alles, Erfolg im Beruf, Zeit mit den Kindern, eine aufregende Beziehung. Jetzt stehen sie vor dem Nichts. Wollten sie vielleicht zuviel?
Robert Thalheim, Regisseur
"Man entkommt dem ja nicht, indem man jetzt keine Familie hat. Dann wird einem auch irgendwas fehlen. Und man entkommt dem auch nicht, indem man nur zu Hause bleibt, bei den Kindern und gar nicht mehr an die eigene Verwirklichung im Beruf denkt, sondern wir brauchen beide Seiten und wir müssen es immer weiter ausverhandeln."
Von dem Dilemma, Kinder haben, aber nicht nur Eltern sein zu wollen, erzählt dieser Film entwaffnend genau und voller Witz. Eine Lösung hat er nicht. Aber man könnte sagen, er bewundert das Problem.
Autor: Tim Evers







