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Die Berliner Theatermacherin Shermin Langhoff ist neue Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin. Sie steht für junges und multikulturelles Theater - bislang nicht gerade Schwerpunkt des Gorki. Jetzt beginnt dort die neue Spielzeit.
Der Arbeitstag von Shermin Langhoff könnte gut und gerne 24 Stunden haben. Jetzt, kurz vor Saisonstart, wird an allen Ecken und Enden gearbeitet. Egal wo die neue Intendantin im Gorki-Theater auftaucht, irgendjemand hat eine Frage oder braucht eine Entscheidung. Es ist ein Kraftakt. Das Ziel: dem Staatstheater in Mitte ein neues Profil zu geben, ohne die Tradition zu verleugnen. Mit Neuanfängen hat Shermin Langhoff ihre Erfahrung.
Shermin Langhoff, Intendantin Maxim Gorki Theater
"Es ist natürlich wahnsinnig viel zu tun, aber am Off-Theater war jeder Tag Ausnahmezustand, hier würde ich das bezeichnen als normale Eröffnungshysterie, die man auch braucht als Antrieb."
Auf der Bühne probt das neue Ensemble. 17 junge Schauspieler hat die Intendantin engagiert. Aus Bochum, Luzern oder der freien Berliner Szene kommen sie ans Gorki-Theater. Es ist ein programmatischer Neustart. Das Haus, die Menschen, die hier arbeiten, die Geschichten, die erzählt werden - sie sollen die Vielfalt widerspiegeln, der wir, die Zuschauer, tagtäglich in Berlin begegnen.
Shermin Langhoff, Intendantin Maxim Gorki Theater
"Das war vorrangig, welche Schauspieler wünschen sich die Regisseure, die ans Haus kommen und in den nächsten Jahren mit mir arbeiten werden. Das zweite war, dass ich aus dem Ballhaus, wo wir schon zu einer kleinen Theaterfamilie geworden waren, zwei, drei Schauspieler mitgenommen habe."
Einer davon ist Mehmet Atesci. Der junge Schauspieler ist in Kreuzberg aufgewachsen, ging dann ans Theater in Luzern und kehrt jetzt zurück nach Berlin.
Mehmet Atesci, Schauspieler
"Was anders ist hier vielleicht... das ist für mich zumindest der Punkt, damit unterscheidet sich das neue Gorki von einem klassischen Staatstheater."
Was es heißt, als Einwanderer in Deutschland zu leben - davon erzählt eines der neuen Stücke. Es ist die Geschichte einer jungen Jüdin aus Aserbaidschan, die mit ihren Eltern nach Deutschland kommt. Die israelische Regisseurin Yael Ronen bringt es auf die Bühne. International will das neue Gorki sein.
Yael Ronen, Regisseurin
"Wir fühlen uns gerade wie eine Gruppe von Pionieren. Hier sind viele Menschen, die ich liebe und sehr schätze. Für mich ist es eine großartige Gelegenheit, etwas Neues zu beginnen und ein Teil von etwas zu sein, das voller Ambitionen und Herzblut ist."
Shermin Langhoff ist mittlerweile auf dem Weg zum benachbarten Palais am Festungsgraben. Hier wird gerade der Herbstsalon aufgebaut. 36 Künstler zeigen ihre Arbeiten vor und im ganzen Haus. Videoarbeiten, Performances, Installationen mit denen an diesem Wochenende das Gorki-Theater eröffnet wird.
Shermin Langhoff, Intendantin Maxim Gorki Theater
"Die Idee ist, mit dieser Ausstellung, mit diesem Salon die Berliner einzuladen, das Gorki kennen zu lernen mit dem, was das Gorki an Themen in den nächsten Jahren interessieren werden. Dazu gehört ganz schlagwortartig: Nation und Identität."
Ob ihre Ideen aufgehen - Shermin Langhoff hat vorgelegt. Jetzt ist es am Publikum, das neue Gorki zu entdecken.
Autorin: Birgit Wolske








