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Als die Mauer fällt, steht Sabine Michel und ihren Freundinnen auf einmal scheinbar die ganze Welt offen. In ihrem Dokumentarfilm "Zonenmädchen" will die Regisseurin 22 Jahre später herausfinden, wie viel DDR noch immer in ihrer Generation steckt.
Das ist die Regisseurin des Films, Sabine Michel. Mit den Erinnerungen an eine wohlbehütete Kindheit in der DDR beginnt ihr Film. Ein paar Jahrzehnte später ist sie selber Mutter, das Land in dem sie groß wurde, gibt es längst nicht mehr. Aber die Fragen nach der Herkunft sind geblieben.
Sabine Michel, Regisseurin
"In den letzten Jahren ist es wieder drängender geworden, diese Fragen: Wo komme ich auch eigentlich her? Wie viel ist davon noch in uns? Wie sind wir geprägt worden? Was macht das für unser Leben noch aus, so viele Jahre danach? Diese Fragen, glaube ich, kommen auch, wenn man selber Kinder hat, und sich überlegt, wie werden die eigentlich groß, was gebe ich den an Leitbildern mit?"
Sabine Michel begibt sich auf eine Reise in ihre Vergangenheit. Und lädt dazu ihre ehemaligen Schulfreundinnen nach Paris. Es war einmal die Stadt ihrer Träume, sie waren gerade 18, machten ihr Abitur und eigentlich schienen ihre Lebenswege in der DDR vorgezeichnet. Aber dann fiel die Mauer. Im Sommer 1990 brachen sie spontan nach Paris auf, arbeiten dort ein Jahr als Au Pair-Mädchen und genossen die Freiheit des Augenblicks.
Sabine Michel, Regisseurin
"Womit wir nicht gerechnet hatten, war, dass es das Land komplett nicht mehr gab, als wir zurückkamen nach dem Jahr. Also, dass wir aus einem Land rausgefallen waren, in das wir gar nicht mehr zurückkehren konnten. Das war schon verrückt."
Paris 22 Jahre später. Hinter den "Zonenmädchen" von damals liegt ein Leben voller irritierender, bestürzender und erstaunlicher Erfahrungen. Und jetzt? Ist jetzt alles selbstverständlich? Wie viel DDR steckt noch in ihnen?
Claudia ist eine erfolgreiche Anwältin. Doch ihre Herkunft ist noch immer ein Makel.
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Sabine Michel, Regisseurin
"Das ist eine Motivation des Films gewesen, dass sich da eine Generation zu Wort meldet, die zu jung ist, um Täter oder Opfer zu sein, aber zu alt auch wiederrum, um nicht beeinflusst und sehr geprägt gewesen zu sein von diesen 18 Jahren DDR."
Die "Zonenmädchen" von damals sind heute Frauen um die 40. Jede von ihnen hat etwas geschafft, im Beruf, in der Familie oder in beidem gleichzeitig. Das Land aus dem sie kommen, gibt es nicht mehr, aber es steckt noch in ihnen. Davon erzählt dieser Film unaufgeregt.
Autor: Lutz Pehnert







