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Skulpturen, Typographie und Architektur: Der Designer Herbert Bayer galt trotz seiner Bauhaus-Vergangenheit im Berlin der Nazizeit als einer der angesagtesten Grafiker. Im Berliner Themenjahr "Zerstörte Vielfalt" zeigt das Bauhaus-Archiv eine Sonderausstellung über Herbert Bayer.
Es ist eines der berühmtesten Bilder des Bauhaus. Das surrealistische Selbstportrait von Herbert Bayer. Wer war dieser Mann, der später auch in den USA Erfolge feierte - wie schon damals am Bauhaus?
Herbert Bayer (1974)
"Das Bauhaus hat mir diese 'Pflicht' eingepflanzt, nicht einfach nur zu meinem eigenen Vergnügen zu malen. Ich musste und wollte mich auch den heutigen Fragen des Designs, der Gestaltung widmen."
Herbert Bayer studierte am Bauhaus in Weimar und Dessau, interessierte sich für Typographie und lernte Wandmalerei bei Kandinsky.
Der Kommunikationswissenschaftler Patrick Rössler hat das Leben des durchaus widersprüchlichen Herbert Bayer erforscht und Entwürfe, Broschüren, Plakate des Graphikers für eine Ausstellung im Bauhaus Archiv zusammen getragen. Die kommen so frisch daher, und sind doch vor nahezu 100 Jahren entworfen worden.
Ende der 20er Jahre ging Herbert Bayer in die Werbung und hatte keine Scheu, auch Aufträge der Nationalsozialisten anzunehmen.
Patrick Rössler, Gastkurator Bauhaus Archiv
"Herbert Bayer war ein zutiefst unpolitischer Mensch, man kann ihm aus heutiger Sicht natürlich möglicherweise den Vorwurf machen, dass man sich in bestimmten Zeiten sich schlichtweg nicht unpolitisch verhalten kann, denn er hat mit seinen Arbeiten, obwohl er niemals Mitglied der NSDAP war, hat er trotzdem quasi flankierend die Ziele des damaligen Systems mit unterstützt."
Herbert Bayer (1974)
"Ich habe nicht gedacht, dass Adolf Hitler lange an der Macht bleiben würde. Meine Kunden sind immer zu seinen Vorträgen gegangen, um einen lustigen, fröhlichen Abend zu verbringen, weil er uns ganz einfach wie ein Verrückter vorkam..."
Naiv war er, ignorant vielleicht. Und sehr begabt. Das Bauhaus Archiv nutzt noch heute die Schrift von Herbert Bayer.
Peter Hahn hat ihn noch persönlich kennen gelernt. Er hat eine Ausstellung über Herbert Bayer und sein Werk gemacht: Als er auch die Entwürfe für die Nationalsozialisten zeigen will, mochte Herbert Bayer sich daran nicht so gern erinnern.
Peter Hahn, ehemaliger Direktor Bauhaus Archiv
"Er war gekränkt, als das Bauhaus Archiv in einer Ausstellung, die dann in den 1980er Jahren hier stattfand, diese Propaganda-Ausstellungen miterwähnt hat, dass im Katalog auch ein kleiner Hitler zu sehen ist, und auch die NS-Sprüche mit vertreten sind. Das fand er dann nicht so gut, dass wir das mit reingenommen haben, aber für uns als Wissenschaftler war es einfach wichtig, den ganzen Bayer reinzunehmen."
Es war vor allem der Erfolg seiner Arbeit, der ihn 1938 in die USA auswandern lässt. Herbert Bayer war als ehemaliger Bauhäusler ein gefragter Mann. Er entwarf Häuser und eigenwillige Skulpturen.
1985 stirbt er in Kalifornien, doch der kreative Kopf ist nicht vergessen: Sein Logo - ein D mit Weltkugel - das er für die Berliner Werbeagentur Dorland entwarf, schmückt sie noch heute. 1928 bis 1938 war Bayer der künstlerische Direktor.
Stefan Hansen, Dorland Werbeagentur
"Damals war es tatsächlich so: die Reklame davor bestand wirklich daraus, dass man wirklich etwas abbildete, drunter schrieb, was es ist, und darunter einen Preis, und vielleicht noch einen intelligenten Spruch drüber machte. Die Künstler vom Bauhaus, die kamen, die haben eigentlich ihre Techniken der Künstler eingebracht: Die haben ihre Collagetechniken eingesetzt, die haben plötzlich Farben und Lichtspiele reingebracht, was vorher nicht üblich war."
Und jetzt verraten wir noch, wie Bayer sein berühmtes Selbstportrait machte: Die Armscheibe ist retuschiert. Denn eigentlich hielt er nur einen Schwamm in der Hand.
Autorin: Grit Lederer







