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Laut einer neuen Glücksstudie gehören Berliner und Brandenburger zu den unglücklichsten Menschen in ganz Deutschland. Aber man kann Glück angeblich lernen: Hanna Stompe hat den Selbstversuch gewagt und sich einen Tag lang das Glücklichsein beibringen lassen.
Auf einer Skala von 1 bis 10 geben die Brandenburger und Berliner ihrem Glück gerade mal eine gute 6.
Ich bin Berlinerin. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, lebe und arbeite hier. Mir geht es doch eigentlich ganz gut. Und er sieht doch auch ganz zufrieden aus.
Junge in der U-Bahn
"Ich kann lernen, was ich will. Ich bin frei. Deswegen würde ich sagen, dass ich glücklich bin."
Aber wer sich wirklich unglücklich fühlt, kann seinem Glück etwas nachhelfen.
Ich treffe mich mit Kerstin Taubenheim. Die Diplom-Pädagogin hat eine Glücksschule in Berlin und bringt mir heute bei, wie man glücklich wird. Wo könnte man da besser anfangen, als in einem Laden, der Glück in Tüten verkauft.
Wo kommt das Glück her? Wohl kaum aus Tüten? Die Glückslehrerin Kerstin Taubenheim weiß es bestimmt besser. Schließlich verdient sie mit Glücksseminaren ihren Lebensunterhalt.
"Frau Taubenheim, gibt es denn Glück in Tüten? Eine Formel, ein Rezept, das man sich mitnehmen kann?"
Kerstin Helena Taubenheim, Glückslehrerin
"Es gibt eine Formel, ein Glücksrezept. Aber das ist in Ihnen selbst begründet. Und dafür wäre die erste Übung, dass Sie sich überlegen, was macht Sie selber denn glücklich?"
Puh.
„Was mich glücklich macht? Meine Familie, die Liebe, ich fahre gerne Ski, ich gehe gerne tauchen und manchmal mache ich wirklich einfach gerne gar nichts."
Kerstin Helena Taubenheim, Glückslehrerin
"Ja, dann würde ich Ihnen raten, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die Sie ändern können. Glück ist Einstellungssache. Und ob das Glas halb voll oder halb leer ist, das liegt an Ihnen, wenn Sie sagen, ich freue mich auf den Skiurlaub, den ich mir herbeispare und den ich dann genieße oder ob Sie sich darüber ärgern, dass Sie nur ein Mal im Jahr oder wohlmöglich nur alle zwei Jahre in den Urlaub fahren können.“
Erste Lektion: Immer schön positiv denken. Ob mir das bei meiner nächsten Aufgabe hilft? Die Glückslehrerin führt mich zum Hermannplatz.
Kerstin Helena Taubenheim, Glückslehrerin
"Sprechen Sie eine Person ihrer Wahl an und dann möchte ich wissen, ob sich ein zufälliges Glück ereignet hat."
Beruflich rede ich ständig mit fremden Menschen, aber das hier ist etwas anderes. Hoffentlich muss ich niemanden umarmen.
Wie geht’s? Wie schmeckt es? Darf ich mal probieren?
Eigentlich läuft es ganz gut. Ich habe sogar den einen oder anderen Glücksmoment. Aber vielleicht sind es auch nur Momente der Erleichterung. Denn fremde Menschen ohne Grund anzusprechen, ist mir unangenehm. Gerade in Berlin.
Frau mit Fischbrötchen
"Berliner sind von der Sache recht mufflig. Wenn man sich in der Welt umguckt, könnte man eigentlich zufriedener sein. Sicher gibt es den einen oder anderen, der knabbern muss, aber von der Sache her..."
Stimmt. Anderen geht es viel schlechter. Da kann ich doch eigentlich von Glück reden.
Meine nächste Aufgabe: Klettern. Das habe ich noch nie gemacht.
"Frau Taubenheim, wozu ist denn jetzt bitte Klettern gut, um Glück zu empfinden?"
Kerstin Helena Taubenheim, Glückslehrerin
"Klettern ist dafür gut, um Konditionierungen zu überwinden. Und natürlich wird beim Klettern auch Dopamin ausgeschüttet, was wiederum dazu führt, dass wir uns glücklich fühlen und es wird auch darum gehen, eine Herausforderung zu meistern."
Ich hänge acht Meter über dem Boden und versuche, einen Parcours aus hängenden Holzbohlen zu überwinden. Mein Herz rast, meine Hände tun weh und bestimmt wird auch irgendein Hormon bei mir ausgestoßen. Aber es klappt. Am Ende bin ich richtig glücklich, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Danke, Frau Taubenheim. Für sein Glück muss man offenbar auch mal was riskieren. Aber jetzt wäre viel Ruhe mein größtes Glück.
Autorin: Hanna Stompe







