- 'Hamlet' im Berliner Ensemble

Nach zehn Jahren kehrt Leander Haußmann ans Berliner Ensemble zurück. Als Theaterregisseur, Schauspieler und Filmregisseur will er vor allem Rock'n Roll, für eine gute Pointe riskiert er vieles. Shakespeare hat er oft inszeniert - den Hamlet bringt er jedoch zum ersten mal auf die Bühne.

Er ist ein Regieverrückter, ein Meister aller Kreativklassen.

Leander Haussmann, Regisseur
"Hallo, da ist noch eine Gesprächsgruppe."


Das wird auch am Berliner Ensemble spürbar, bei seinen letzten Proben zu "Hamlet". Was für ein Finale für ein langes Regiejahr, in dem er schon die Kinoklamotte "Haialarm am Müggelsee" und einen vieldiskutierten "Polizeiruf" drehte.

Leander Haussmann, Regisseur
"Als solcher habe ich mich immer empfunden, als Halodri, der auf vielen Hochzeiten tanzt, an jeder Partie teilnimmt, neugierig ist und nichts ablehnt. Nichts ist ihm fremd. Ich sehe mich selber nicht als ernsthaften Künstler, sondern als Geschichtenerzähler auf dem Marktplatz."

Auch die Tragödie des zögerlichen Dänenprinzen erzählt er uns als knalliges Theaterspiel.

Shakespeare bekommt Bob Dylan als Soundtrack. Und in der Trauerszene des Klassikers wird wie im Actionfilm geschossen.

Popkultur, um einen alten Klassiker aufzumöbeln?

Leander Haussmann, Regisseur

"Ich bin die Popkultur. So sehe ich das jedenfalls. Was heißt Vermischung? Was ist denn die Hochkultur? Was ist die ernste Kultur? Hamlet war immer ein Volksstück. Hamlet ist wie archäologisches Unternehmen. Man muss graben und graben und graben."


Mit genau diesem respektlosem Ansatz ist er als junger Bühnenstürmer berühmt geworden, vor zwanzig Jahren.

Leander Haussmann, Regisseur

"Und der wilde Knabe!"

Ein wilder Knabe aus dem Osten, der die West-Theaterlandschaft mit seiner ironisch-lustigen Art aufmischt, auf und neben der Bühne.
Leander Haussmann, Regisseur
"Ich würde gerne Werbefilme machen, ich bin nur nicht reingerutscht in den Job. Ich möchte natürlich, dass die Leute lachen und klatschen."


Leander Haussmann, Regisseur

"Da reden wir doch mal ganz anders miteinander, ganz locker."

Als Jungintendant in Bochum macht das Enfant Terrible mit Schlägereien Schlagzeilen, mit inszenierten und echten.

Leander Haussmann, Regisseur

"Ich war auch betrunken. Stehenbleiben!"


Seinen Regiefuror setzt er auch im Film erfolgreich ein: Mit "Sonnenallee" schreibt er deutsche Filmkomödiengeschichte, und so geht es mit "Herr Lehmann" bis "Haialarm" weiter. Ein Worcoholic, der nach vielen Dingen süchtig ist. Wie er in seiner Autobiographie "Buh" bekennt, war er sogar in einer Art Entzugsklinik.

Leander Haussmann, Regisseur

"Ich trinke nach wie vor gerne und bekenne mich auch dazu. Ich denke, damit wird die Krankheit halb so schlimm. Aber dieser Aufenthalt in der Burn-Out-Klinik, die darauf spezialisiert ist, Manager und solche Leute nach zwei Monaten wieder zurück ins Leben zu schicken, habe ich nach einer Woche verlassen, weil ein Borderliner zu mir sagte: 'Mensch, Leander, du gehörst hier nicht her, du brauchst einfach nur Urlaub.' Und das war für mich der entscheidende Satz zu sagen: 'Ja, stimmt, was mache ich hier eigentlich?'"


Seine einzig wahre Sucht und Therapie: die rastlos leidenschaftliche Theater- und Filmarbeit. Dabei ist er ein Perfektionist, der nie zufrieden ist und der die Unzufriedenheit zum Credo seiner Glückssuche gemacht hat.

Leander Haussmann, Regisseur

"Ich will damit sagen, dass Unzufriedenheit nichts mit Unglücklichsein zu tun hat. Das muss man trennen. Ich bin überhaupt nicht unglücklich, im Gegenteil, aber ich bin immer unzufrieden. Also ist mein Tipp: Lernt Glück woanders zu suchen, nicht im Beruf. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, sein Glück zu finden. Denn sonst wird man nicht glücklich."


Haussmanns "Hamlet" ist bilderstarkes Klassiker-Pop-Theater, bei dem er wieder allen alles abverlangt - ganz besonders sich selbst.

Leander Haussmann, Regisseur
"Die Bühne dreht! Just remember, death is not the end."


Autor: Norbert Kron

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