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Ihre Karriere begann am Theater. Bekannt wurde sie mit Filmen von Andreas Dresen, der sie in "Halbe Treppe" und "Halt auf halber Strecke" besetzte. Jetzt kommt ihr neuer Film "Die Frau, die sich traut" in die Kinos. In der Hauptrolle Steffi Kühnert - als Krebskranke, die gegen den Rat ihrer Ärzte schwimmend den Ärmel-Kanal durchqueren will.
Es ist ihr etwas peinlich. Doch ein wenig stolz ist sie auch. Da hängt sie in ihrem Kiez in Prenzlauer Berg, überlebensgroß.
Steffi Kühnert, Schauspielerin
"Nee, das ist mir noch nicht passiert. Da musste ich erst 50 werden für."
50 ist auch Beate, die sie in ihrem neuen Film spielt. Als Beate erfährt, dass sie Krebs hat, krempelt sie ihr Leben um. Die ehemalige Leistungsschwimmerin will sich einen alten Traum erfüllen.
Filmszene aus "Die Frau, die sich traut"
"Ich schwimm durch den Kanal... Ich habe gekündigt."
Eine Herausforderung - nicht nur für Beate im Film, sondern auch für Steffi Kühnert. Wochenlang hat sie für die Rolle trainiert, um ihre Figur nicht einfach nur spielen zu können, sondern zu verkörpern.
Steffi Kühnert, Schauspielerin
"Wenn ich eins nicht kann, dann ist es schwimmen. Vielleicht hätte ich eine Turnerin gut spielen können. Aber eine Schwimmerin? Uff."
Steffi Kühnert nimmt uns mit in das BAT Studiotheater der Ernst Busch Schauspielschule, an der sie Professorin ist. Sie weiß, wie viel Mut es braucht, hier zu stehen. Sie hat selbst als Studentin auf dieser Bühne gespielt. Vor 32 Jahren, mit 18, hat die gelernte Herrenmaßschneiderin die Aufnahmeprüfung bestanden.
Steffi Kühnert, Schauspielerin
"Damals war das nicht so, dass man sich parallel bewerben konnte. Das heißt, man musste dann wieder ein Jahr warten. Und das war wie ein Sechser im Lotto, da war ich schon mal sehr dankbar und habe mich dem Studium extrem hingegeben."
Eine anstrengende, aber erfüllende Zeit. Ein Foto ihrer Abschlussklasse von 1985.
Steffi Kühnert, Schauspielerin
"Ich finde das natürlich fürchterlich, aber so war das halt."
Nach der Schauspielschule geht sie erst nach Eisenach und dann in der Wendezeit an das Theater in Weimar. Hier lernt sie Leander Haußmann kennen, der als junger Theaterrevolutionär Furore macht. Mit Henrik Ibsens "Nora" werden sie 1991 zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen.
Und Steffi Kühnert wird als "Schauspielerin des Jahres" gefeiert.
Steffi Kühnert, Schauspielerin
"Da ging so ein Schub los, und da fing das auch an, dass wir an anderen Theatern gearbeitet, nicht in der ehemaligen DDR, am Schillertheater, in Frankfurt am Main, am Burgtheater und in München, also das hat uns eine völlig neue Welt eröffnet. Das war für uns großartig."
Im Theater hat sie die Klassiker gespielt. Im Kino sind es oft einfache, lebenskluge Frauen, Heldinnen des Alltags. Wie die Frau des sterbenskranken Frank in "Halt auf freier Strecke" von Andreas Dresen.
Filmszene aus "Halt auf freier Strecke"
"Papa ist schlimm krank... Wie redest Du denn mit mir? Ist dir vielleicht mal aufgefallen, dass ich einen Gehirntumor habe?"
In den Filmen von Andreas Dresen gibt es keine vorgeschriebenen Dialoge, die Schauspieler müssen improvisieren.
Filmszene aus "Halt auf freier Strecke"
"Immer nur dein Tumor... Ich muss mit der ganzen Scheiße weitermachen."
Steffi Kühnert, Schauspielerin
"Ich versuche mich nicht zu schonen. Ich versuche eine Situation zu ergreifen, und während wir spielen oder während wir arbeiten, da schütze ich mich eigentlich gar nicht."
Sie hat ihre Empfindsamkeit behalten. Auch nach 35 Jahren auf der Bühne ist jeder Auftritt wieder eine Mutprobe - zum Glück ist Steffi Kühnert mutig genug.
Autorin: Vanessa Loewel









