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Zwei Künstler haben deutsches Liedgut wiederentdeckt - aus einer Zeit, in der die Bundesrepublik ihre Arbeitsimmigranten noch "Gastarbeiter" nannte und hoffte, dass sie möglichst schnell wieder verschwinden. Jetzt ist das furiose Album "Songs of Gastarbeiter" erschienen.
Vor fast 30 Jahren ist dieser Song entstanden - Imran Ayata und Bülent Kullukcu haben ihn wiederentdeckt. Sie haben Schätze gehoben aus einer Zeit, als sie noch Kinder waren, in der zehntausende Menschen aus der Türkei nach Deutschland kamen, um hier zu arbeiten. Wie ihre Eltern.
Bülent Kullukcu, Theatermacher und Musiker
"Ja, auf alle Fälle ist das eine Hommage an unsere Eltern. Natürlich für unsere Elterngeneration. Weil, das, was die geschaffen haben, in diesem Land, das hat uns ja geprägt. Und dann auch den Rest des Landes."
Imran Ayata, Autor und DJ
"Viele tun halt so, als gäbe es das gar nicht als eigene Errungenschaft und das ist keine gute Sache, finden wir. Und deswegen ist es auch wichtig, diese Schätze herauszubringen und zu zeigen, es gab Dinge, die kannten wir alle gar nicht, und das haben die Leute unter zum Teil sehr schwierigen Bedingungen hinbekommen, und das ist toll."
Oft entstand die Musik in Wohnzimmern, kleinen selbstgebauten Studios, meist auf Kassette. Lieder, die vom Alltag erzählen, vom Fließband-Akkord und Türken-Klischees.
Imran Ayata hörte sie in Ulm, Bülent Kullukcu in München. Auf Familienfesten zum Beispiel. Doch an der deutschen Parallelgesellschaft ging diese Musik vorbei. Ein eigener Markt war das.
Bülent Kullukcu, Theatermacher und Musiker
"Mein Vater und meine Mutter, die haben ja auch diese Musik gehört, und ich habe mich stark daran erinnert - im Münchner Hauptbahnhof, da gab es Import-Export-Läden, quasi der Kassettenrekorder mit dazu. Und das waren Wohnhäuser, und in den Wohnhäusern waren diese Läden, und man konnte die ablaufen Stockwerk für Stockwerk, und diese Leute haben eine Unmenge an Kassetten und Singles umgesetzt."
Um die Songs zu veröffentlichen, mussten die beiden die Musiker um Erlaubnis fragen. In Berlin, im Wedding fanden sie Riza Taner. Das erste Foto in Deutschland zeigt ihn 1970 mit seinem Vater. Da ist er grade 16. In "Dir Dir" erzählt er von seinem Kampf mit der deutschen Sprache und dem Meister, der ihm auf die Nerven geht. Dir Dir heißt so viel wie bla bla.
Riza Taner, Musiker
"Ich freue mich, weil die neue Generation, die haben ein Interesse an der Vergangenheit. Wir waren Arbeiter einfach, aber wir wollten nicht unterdrückt leben."
Die Musik der Einwanderer war ein Stück Freiheit. Aus ihr spricht der Drang, sich mitteilen zu wollen. Imran Ayata und Bülent Kullukcu finden, dass die auch selbstironischen Texte von damals endlich gehört werden solten.
Imran Ayata, Autor und DJ
"Das Erlebte in Musk zu übersetzen, hat eben eine besondere, eigene Kraft. Egal, ob es das ist, dass man sich über den deutschen Vorarbeiter oder über sich selbst auseinandersetzt oder die ganzen gängigen Klilschees, die einem entgegenschmettert und die auch noch umkehrt und zuspitzt. Darin liegt, glaube ich, die Kraft."
Die Musiker, die sie aufgespürt haben, waren Pioniere. Über 100 Songs haben Imran Ayata und Bülent Kullukcu gefunden. Diese CD ist nur der Anfang. Eine Hommage, die Spaß macht.
Autorin: Julia Riedhammer









