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Für seinen neuen Film wollte der Berliner Regisseur Bastian Günther unbedingt die Stadt Houston als Drehort, weil er das Licht dort einmalig findet. Und er wollte Ulrich Tukur als Hauptdarsteller, der einen alkoholkranken deutschen Headhunter spielt, den es nach Texas verschlägt.
Filmszene aus "Houston"
"Gehören Sie zur Konferenz? Ich bin Gast hier."
Clemens Trunschka ist Headhunter für einen deutschen Automobilkonzern. Er soll den "Chief Executive Officer" des großen US-Konzerns "Housten Petrol" abwerben. Und es ist großes Kino in Cinemascope, wie Ulrich Tukur diesen Jäger im Wald der Wolkenkratzer spielt, wie er vor die Hunde geht, weil ihn seine eigene Alkoholsucht jagt, die er anfangs noch gut verbergen kann.
Filmszene aus "Houston"
“Lassen Sie mich raten. Sie sind Deutscher."
"Stimmt."
"Deutsche Konstruktionen: super! Wirklich super."
"Meine Name ist Wagner. Robert Wagner. Wie der Schauspieler. Aber wir sind nicht verwandt."
"Clemens Trunschka"
"Clemens..."
"Trunschka."
"Was ist das für ein Name? Das hört sich an wie ein Gartengerät. Das ist schrecklich."
Der Berliner Regisseur Bastian Günther hat für seinen neuen Film "Houston" sehr intensiv in dieser obskuren Headhunter-Szene recherchiert und sich beraten lassen, damit die Geschichte wirklichkeitsnah ist. Nobel geht die Welt zugrunde.
Bastian Günther, Regisseur
"Ich hatte diese Idee, eine Figur zu haben, die eigentlich zwei Systeme von Sucht in einander vereint: Ich nehm mal kurz einen Schluck, ich muss darüber nach denken. Wie wir alle in diesem Kapitalismus, in dieser Wirtschaftswelt leben und jeden Tag dieses System auch unterstützen, und das funktioniert im Grunde wie eine Sucht, weil das ist auf Wachstum aufgebaut, und bis zu einem gewissen Punkt funktioniert es und dann kollabiert es."
Filmszene aus "Houston"
"Schmeckt es dir nicht? Du hättest den Shrimpsalat nehmen sollen, my friend. Das ist... oh ja. Das ist ein wichtiger Mann. Topmanager. Der ist öfter hier."
Eine Chance tut sich auf und Trunschka kommt beim Golfspielen seiner Zielperson Ringer das erste Mal ganz nah. Seine Bar-Bekanntschaft Wagner ist zwar eine unerträgliche Klette, aber er kennt sich aus in Houston.
Trunschka versucht den Topmanager einzuholen und scheitert. Der Headhunter und seine Klette sind zwei untergehende Menschen, die versuchen sich aneinander festzuhalten. Wagner ist genauso einsam, nur performt er seine Depression auf amerikanisch hemdsärmelige Art und Weise.
Filmszene aus "Houston"
"Was soll das, Clem? Das ist unhöflich. Ein bisschen Anstand, Mann."
"Ich muss los. Habe eine Anruf bekommen."
"Einen Anruf bekommen. Mann.“
„Was ist das? Hitler? Was ist das für eine Nazi-Scheiße?"
"Das ist kein Nazi-Scheiß."
"Wer ist da? Was sagt er? Das klingt furchtbar."
"Das ist einfach Schwachsinn."
"Sieh mich an, Clem. Bist du in einer Art Sekte?"
"Bullshit.“
Tukur spielt diesen Trunschka als einen zerbröckelnden, sich auflösenden Menschen, der noch darum kämpft Haltung zu bewahren. Der Film "Houston" ist sowohl die Studie eines Alkoholikers, als auch Thriller und Kommentar auf die Wirtschaftswelt.
Filmszene aus "Houston"
"Zwei Piccolo für Herrn Trunschka und mich, bitte."
Ulrich Tukur, Schauspieler
"Das ist ein hochpolitischer Film, also Trunschka ist die Parabel für den Geschäftsmann, die Parabel des Menschen, der in diesem Wirtschaftssystem zu funktionieren hat und es einfach nicht mehr schafft, es nicht mehr schafft, dieses Tempo mitzugehen, und diesen Erfolgsdruck nicht mehr aushält."
Und Houston hat einen sehr speziellen 60er-Jahre-Look, der Film wurde extra auf 35 Millimeter gedreht mit alten, russischen Optiken, die Sonneneinstrahler und Verzerrungen bringen. Surreale Zustände, Trunkenheit und Träume gehen ineinander über. Die Stadt wird so zu einem weiteren Charakter im Film.
Bastian Günther, Regisseur
"Für mich ist es ein moderner Western-Film, weil diese Kopfjagd, das gibt es ja auch in diesem alten, klassischen Westerngenre. Wir wollten halt diese Ästhetik haben, weil das so was Träumerisches und so was Abseitiges bekommt. Für mich ist diese Hauptfigur auch so eine Art Träumer, also so ein Alkoholiker, der wünscht sich woanders hin, der ist nicht im hier und jetzt, der steht nicht mit beiden Füssen im realen Leben."
In diesem Sinne sind wir alle manchmal ein bisschen Trunschka.
Filmszene aus "Houston"
"Sie ersetzten dich durch irgendeinen Vollidioten."
Nur endet für Tukurs Trunschka dieser Trip nach Texas in der eigenen Finsternis. "Houston" ist ein verstörender, aber großartiger Film, der etwas wagt.
Autor: Sascha Hilpert







